Es bleibt in der Familie

Bis 2018 stehen jährlich rund 27.000 Übergaben an. Die meisten sollen in Familienhand bleiben. Was man beachten muss und welche Erfahrungen Dresdner gemacht haben, lesen Sie hier!

 

Für insgesamt rund 135.000 Unternehmen wird nach Schätzungen des IfM in den kommenden fünf Jahren ein Nachfolger gesucht, weil die Eigentümer aufgrund von Alter, Krankheit oder Tod aus der Gesch.ftsführung ausscheiden. Davon werden pro Jahr durchschnittlich 400.000 Beschäftigte betroffen sein. Insgesamt entfallen auf Westdeutschland 84 Prozent sowie auf Ostdeutschland einschließlich Berlin 16 Prozent der anstehenden Übergaben, gemessen an den jeweiligen Anteilen an der Gesamtwirtschaft betrifft das Unternehmen des Produzierenden Gewerbes und des Handels in stärkerem Maße als die im Dienstleistungssektor. Vorrangig suchen Unternehmer ihren Nachfolger in der eigenen Familie (54 Prozent), wie eine Analyse erfolgter Übergaben gezeigt hat. Eine unternehmensexterne Lösung wird zu 29 Prozent in Erwägung gezogen, die Übergabe an einen Mitarbeiter zu 17 Prozent. „Aufgrund des demografischen Wandels schrumpft zwar das Nachfolgerpotenzial, dennoch wird die Anzahl derjenigen, die an einer Übernahme interessiert sind, weiterhin die Anzahl der übernahmewürdigen Unternehmen übersteigen. Dennoch können wir natürlich regionale und branchenspezifische Engpässe nicht völlig ausschließen“, erklärt Dr. Rosemarie Kay, stellvertretende Gesch.ftsführerin des IfM. Scheitert die Nachfolgesuche, fehlen in der Regel die ökonomischen Grundvoraussetzungen: „Ein Übernehmer lässt sich nur dann finden, wenn das Unternehmen gute Zukunftsaussichten besitzt und den Renditeerwartungen des Interessenten entspricht. Vor allem in Kleinstunternehmen sind diese Grundanforderungen jedoch häufig nicht gegeben“, so Dr. Rosemarie Kay. Sie empfiehlt den Familienunternehmern, sich frühzeitig mit der eigenen Nachfolge zu beschäftigen und diese konsequent anzugehen. Anderenfalls riskieren sie elementare Folgen sowohl für die eigene Familie als auch für die Mitarbeiter und die Region, in der das Unternehmen angesiedelt ist. Wir haben Dresdner Unternehmer, die eine Übergabe vor- oder hinter sich haben, über ihre Erfahrungen befragt. Lesen Sie mal!

 

Karl und Tobias Schwald von Elaskon Sachsen, Dresden

Spezialschmierstoffe von Elaskon werden seit Jahrzehnten aus Dresden in alle Welt geliefert. Das mittelständische Unternehmen hat rund 80 Mitarbeiter in Dresden und eine Tochtergesellschaft in Shanghai. Karl Schwald stieg 1993 als Gesch.ftsführer in das Unternehmen ein ...

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Ralf und Sebastian Riedel von SAX Finanz Consult, Dresden

War es schon immer klar, dass Ihr Sohn in die Firma mit einsteigen wird? Riedel: Nein, das Interesse kam erst spät, nachdem er etwas ganz anderes studiert hat. Die Entscheidung steht auch jetzt noch nicht hundertprozentig fest, da er nach 4-jähriger Mitarbeit bei SAX ...

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Carl und Anna-Maria Schelle von Goldschmiede C. Schelle, Radeberg

Planen Sie Ihren Rückzug aus dem Familienbetrieb bereits konkret? Carl Schelle: Wir sind zurzeit schon im Übergabeprozess, allerdings geht meine Frau erst 2020 in Rente und bis dahin werde ich auch noch im Unternehmen tätig sein. War Ihnen schon immer klar, dass ...

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Jürgen und Antonia Schwarzmeier von Raumausstattung Schwarzmeier, Arnsdorf

Ihre Firma Raumausstattung Schwarzmeier ist ein klassisches Familienunternehmen. In der wievielten Generation wird es jetzt übergeben? Schwarzmeier: Meine Tochter Antonia ist die fünfte Generation in der Geschäftsführung. Offizielle Übergabe ist am 1. Oktober, im ...

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Große Familienunternehmen sind rentabler als managergeführte

Studie des IfM bestätigt Krisenresistenz der Familienunternehmen

 

Große Familienunternehmen weisen in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten bessere Ergebnisse als vergleichbare managergeführte auf. Zu diesem Fazit kommt eine Bilanzdatenanalyse des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) für die Jahre 2008 bis 2012. Demnach konnten die untersuchten 3.723 großen Familienunternehmen sowohl über den gesamten Zeitraum hinweg als auch in den einzelnen Jahren höhere Renditen auf ihr Gesamt- und ihr Eigenkapital vorweisen als die 2.852 Nicht-Familienunternehmen. Als große Unternehmen galten der Studie zufolge Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro. Die untersuchten Familienunternehmen mussten sich zu mindestens 50 Prozent im Besitz von maximal zwei Familien befinden und die Familienmitglieder in der Gesch.ftsführung aktiv sein. Auch bei den Personaleinstellungen hatten die großen Familienunternehmen insgesamt die Nase vorn: Von 2008 auf 2012 erhöhten sie ihren Personalbestand stärker als die großen managergeführten Unternehmen. Nur in den Jahren 2009 und 2010 zeigte sich bei der Beschäftigung kein Unterschied. „Dieser Befund ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass im Krisenjahr 2009 die großen Familienunternehmen deutlich stärkere Umsatzeinbußen in Kauf nehmen mussten als die großen Nichtfamilienunternehmen. Durch den Verzicht auf Personalabbau haben sie damit ganz entscheidend zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes in den konjunkturell schwierigen Jahren beigetragen“, berichtet Prof. Dr. Friederike Welter, die nicht nur Präsidentin des IfM ist, sondern auch einen Lehrstuhl an der Universität Siegen inne hat. Letztlich hat sich dieses unternehmerische Verhalten aber auch für die großen Familienunternehmen ausgezahlt: Wachsende Auftragseingänge in der Zeit der Konjunkturerholung konnten schnell abgearbeitet werden, so dass die Unternehmen schnell wieder auf Erfolgskurs kamen. Im Vergleich zu den großen managergeführten Unternehmen erzielten die familiengeführten seit 2010 wieder höhere Umsätze. (www.ifm-bonn.org)