Die RessourcenAcht

Wozu ein Modell? 

Das Modell der RessourcenAcht macht komplexe emotionale stressbezogene Prozesse versteh-, besprech- und handhabbar. Als liegende ACHT ist es wie eine Brille, durch die man schauen kann, um ein Verständnis für komplexe , zum Teil auch unbewusste Phänomene rund um Stress und emotionales Erleben zu entwickeln und positiv zu beeinflussen. Es ist aus der Praxis entstanden und vereint anerkannte Theorien und Methoden der Gesundheitswissenschaft, Arbeits- und Organisationspsychologie, Neurobiologie, Therapie und Medizin. Mit Hilfe der RessourcenACHT lassen sich konstruktive von destruktiven Stress-, Konflikt- und Aggressionsprozessen unterscheiden. Das Modell bezieht neben dem Persönlichem auch den Kontext (Familie, Arbeit, Krankenhaus, Therapieeinrichtungen...) mit ein. So können eine Orientierung in komplexen Situationen und Emotionsgefügen und ein konstruktiver Austausch gefördert werden. Es bewirkt eine hilfreiche Haltungsänderung (Ressourcen und Lösungen sehen) und fördert die Fähigkeit, selbst etwas bewirken und gestalten zu können. Im Artikel fokussieren wir auf die liegende graue Acht (ErfahrungsACHT) als Ausschnitt des Modells. Sie spiegelt die wesentlichen Emotionsphänomene im Stress-und Krankheitsgeschehen wieder. Darüber hinaus gibt es noch andere Achten (hier nicht abgebildet) als Allegorien zur Beschreibung von Angst, Scham und zu unbewussten Phänomenen. Die Gefühle können sich unterschiedlich je nach Situation und den zugrunde liegenden Bewältigungsmöglichkeiten zeigen. Sie hängen unmittelbar mit den Beziehungserfahrungen von Menschen im Laufe ihres Lebens und den daraus entwickelten Ressourcen und Kompetenzen, bspw. im Umgang mit der Krankheitsverarbeitung, zusammen. 

Der linke Teil der Acht zeigt die konstruktiven, der rechte Teil der Acht die destruktiven Phänomene und Prozesse.
Alle Menschen haben Bedürfnisse, z.B. nach Nahrung, Zugehörigkeit, Anerkennung, Selbstverwirklichung, Liebe oder Gesundheit (symbolisch abgebildet als Dreieck in der Mitte der ACHT). Sie wirken mit durch Sozialisation erworbenen Werten und Einstellungen von „innen“. Im ersten Schritt gleichen Menschen in einer „Ist-und-Soll-Rechnung“ innere und auf sie einströmende äußere Anforderungen und Möglichkeiten (z. B. persönliche, berufsbezogene oder gesellschaftliche, krankheitsbezogene) ab. Am Beispiel von Krankheit hieße es, dass die neuen Anforderungen zur Genesung und Therapie mit den Bedürfnissen und Ressourcen oder gesellschaftlichen Werten („Fitnesskultur“) abgewogen werden. Aus diesem (meist unbewussten) psychischen Abgleich ergeben sich zunächst Erwartungshaltungen, welche im Optimalfall mit Vorfreunde, Offenheit und Wünschen in Verbindung stehen, die die zugrunde liegenden Bedürfnisse von Menschen widerspiegeln 

(„Vertrauen in das Gesundheitssystem oder dass alles gut wird“, „Hilfe zu bekommen“, „Hoffnung auf Unversehrtheit“). Im Falle von negativen Erfahrungen zeigen sich negative Erwartungshaltungen („Das wird sowieso nichts.“, „Ich vertraue nicht darauf.“, „Es kann nur alles schlimmer werden.“). Wenn die Anforderungen (z.B. Therapieplan einhalten) mit dem Bedürfnis- und Wertegefüge übereinstimmen, dann entwickeln Menschen Gefühle von Interesse und Neugier, sich der Situation positiv zu stellen und alles zu probieren oder zu aktivieren, was nützlich ist, z.B. für Genesung und Erholung. Aus diesen Gefühlen und wiederum positiven Erfahrungen im Umgang mit Anforderungen können Menschen in ein Gefühl von Gelassenheit oder Energie und Flow kommen. Sie fühlen sich kraftvoll, eine Anforderung wie z.B. Krankheit zu meistern, und sind fähig, den Herausforderungen positiv zu begegnen. Daraus entstehen neue positive Erfahrungen und Ideen im Umgang mit Krankheit oder auch neue bzw. stärkende Kontakte und Erfahrungen mit medizinischem Personal, anderen Betroffenen, unterstützenden Familienmitgliedern oder Freunden (Innovationsphase). 

Oft werden jedoch auch vorerst positive Erwartungen enttäuscht. Zugrunde liegende Bedürfnisse oder Ansprüche leiden Mangel. Enttäuschungen können sich im weiteren Verlauf zu Frust/Ärger oder sogar zu Wut oder Trauer wandeln. All das ist Stress und geht mit psychischen und physischen Reaktionen einher. Wenn der „Ist-Soll-Abgleich“ weiterhin negativ zu Ungunsten der Anforderungsbewältigung und Bedürfnisbefriedigung ausfällt, können sich die Phänomene destruktiv zeigen. Zum Beispiel wird aus Wut Hass. Menschen gehen „über die Schwelle“ auf die rechte Seite der ResssourcenACHT. Dazu gehört, dass Sachen beschädigt werden können (z.B. Geschirr, Kleidung, Unterlagen..). Eine weitere Form von „Aufmerkversuchen“ sind die Schädigung von Personen (z.B. körperlich: schlagen, psychisch: „beleidigen und beschimpfen“). Alternativen sind Formen von Selbstschädigung (z.B. Non-Compliance, d.h. nicht dem ärztlichen Rat folgen, sich schaden, wie z.B. ritzen, Sucht, Erschöpfung) und Rückzug (z.B. Kontaktlosigkeit, „innere Kündigung). 

Die in den Phasen I–VIII kategorisierten Prozesse sind nicht trennscharf zu sehen sind. Es sind Beschreibungshilfen für einen möglichen Stress- und Emotionsablauf. Phasen können auch übersprungen werden. Das hängt von komplexen Wechselwirkungen ab, also vom Kontext und den diversen Bewertungs- und Bewältigungsmöglichkeiten der Person oder des sozialen Gefüges (positive vs. negative Vorbilder). 

 

Verständnis destruktiver Phänomene im SRM©
Alle destruktiven Phänomene auf der rechten Seite der Acht werden im SRM als „Kompensationsversuche“ auf die unstimmige Bilanz von Anforderungen, Bedürfnissen, eigener und sozialer Bewältigungsmöglichkeiten verstanden – damit auch als Ressourcen, die nach vielerlei „Aufmerkversuchen“ (auf der linken, „gesunden“ Seite der Acht) im aktuellen Zeitpunkt und Situation nur so gezeigt werden können. Professionelles Ziel ist dabei immer die Rückführung in den konstruktiven Bereich. Dazu bietet SRM zahlreiche vielfach erprobte Methoden und Prozesse für das Selbstmanagement oder für Bezugspersonen und professionelle Begleiter. 

 

Wie wird die Gesundheits- und RessourcenAcht© in der Praxis eingesetzt?
Das Modell der Gesundheits- und RessourcenAcht© ist eine hervorragende Möglichkeit, gemeinsam mit dem und allen Betroffenen die Situation bzw. das stress- oder Krankheitserleben zu reflektieren, zu klären, was Ziele sein können, wo der Betroffene oder die Bezugspersonen stehen, welche Bedürfnisse zu kurz gekommen sind und was Menschen nun benötigen. Die Visualisierung im Rahmen der „ACHT“ reduziert die Komplexität und hilft den Betroffenen und allen Beteiligten, zu verstehen und in den konstruktiven Austausch und die Bewältigung zu gehen. Beispielsweise kann man den Weg des bisherigen Stresserlebens Phase für Phase gemeinsam „zurückgehen“ – immer mit der Frage, welche Bedürfnisse hinter den Phasen stehen, was die Funktion des Symptoms ist und was dies konkret für den Betroffenen bedeutet. Dabei werden die Ressourcen der Umgebung und Situation sowie der Blick auf Ambivalenzen einbezogen.

Das Modell ist besonders hilfreich dafür, den Blick auf die Ressourcen und Potenziale zu richten, die der Betroffene und das Umfeld zur Lösung der Situation in sich tragen, die Umwandlung von Problem - in Lösungserleben. Dies stärkt das Gefühl der Selbstwirksamkeit aller, kreiert positives Erleben und Verhalten und unterstützt dabei, (neue) konstruktive Lösungen und Möglichkeiten zu finden. 

Neben dem Modell arbeitet SRM mit zahl- reichen hilfreichen Prinzipien, die hier im Ausschnitt dargestellt werden: 

 

1. Jedes Gefühl, jedes Verhalten oder Symptom hat einen „guten“ Grund. (ganzheitliche Sicht). 

 

2. Beachte die Auswirkungen, statt die ursachen (Warum macht stumm.)
• „Warum“, „Warum erwischt es mich?“ führt oft zur Rechtfertigung, zum unlösbaren Vergangenheitsbezug und zu Ohnmachtsgefühlen. 

• Lieber nach Auswirkungen fragen; zukunfts-bzw. lösungsbezogen
• Welche Auswirkungen hat das Sym- ptom, die Krankheit auf den Betroffenen oder das „System“, z.B. Familie (mehr Austausch statt Schweigen)
• hilfreiche Bilder finden: z.B. Herzinfarkt = auf das „Herz“ ach- ten (Gefühle, Rhythmus...); Bandscheibenvorfall = die Last der Belastung (Wo gibt es Entlastung und Rückhalt?) 

 

3. Stärken stärken, das Schöne (Positive) hat Vorrang. 

• positive Lösungsfokussierung (Was geht jetzt/ noch...)
• Wertschätzung für die Ressourcen und Bedürfnisse von Betroffenen und Bezugspersonen
• positive Verstärkung von Gelungenem
• auf Beziehungsebene mit Reduktion von Angst und viel Vertrauen arbeiten 

 

4. Ein Schimmer (Konstruktives) geht immer. 

• Auch wenn es noch so schlimm, schwer, auffällig, etc. ist, das suchen, was gut ist, was geht, was gesund ist, welche Ressourcen es dennoch gibt (Resilienzgedanke, etc.)