Schrittmacher in der Zunge

Prof. Dr. med. Jörg Lindemann ist Facharzt Hals-Nasen-Ohrenheilkunde so wie Oberarzt und Leiter des Schlaflabors am Universitätsklinikum Ulm. Im Interviewerklärt er welche Neuheiten es in der Schlafmedizin gibt, welche Fachleutezusammenarbeiten und wie wichtig Bewegung für guten Schlaf ist.

 

Was hat die HNO – Heilkunde mit Schlafmedizin zu tun? 

Lindemann: Viele Patienten mit Schlafproblemen schnarchen und haben eine Schlafapnoe. Die Ursache ist sehr häufig eine Verengung der oberen Atemwege. In diesem Bereich nehmen wir sehr oft Operationen vor. 

 

Schlafmedizin ist interdisziplinär. Wie wird das in der Praxis umgesetzt? 

Lindemann: Unser Schlafzentrum an der Uniklinik Ulm ist mit allen anderen Fachabteilungen eng vernetzt. Neurologie, Pneumologie oder auch Kieferorthopädie, alle Fachbereiche arbeiten in einem Netzwerk zusammen. 

 

Was ist für Sie die spannendste Entwicklung, über die Sie sich auf dem Kongress informieren? 

Lindemann: Ein aktuelles Thema in der HNO Heilkunde ist die Zungennervenstimulation. Ein Schrittmacher, ähnlich wie in der Kardiologie, stimuliert den Nerv. Dadurch bewegt sich die Zunge nach vorne und der Atemaussetzer des Patienten wird unterbunden. 

 

Gibt es noch weitere Berührungspunkte mit der Kardiologie? 

Lindemann: Schlafapnoe beeinflusst auch das Herz. Durch die Atemaussetzer wird das Herz in der Nacht immer wieder aktiviert und schlägt schneller. Der Schlaf ist für die Betroffenen nicht erholsam, was zu einer dauerhaften Belastung für das Herz führt. Daraus können ernsthafte kardiologische Erkrankungen resultieren. Bei der Behandlung von Patienten muss der Kardiologe eine Schlafapnoe in Betracht ziehen. Auf der anderen Seite müssen bei der Behandlung einer Schlafapnoe auch immer die Auswirkungen auf die Herzgesundheit berücksichtigt werden.

 

In welchen Fällen gibt es denn Probleme in der interdisziplinären Zusammenarbeit? 

Lindemann: Leider wird in der plastischen Chirurgie oft die Funktionalität außer Acht gelassen. Konkret ist bei Nasenkorrekturen meist nur die Optik von Interesse. Ob die Atmung beeinträchtigt wird, ist leider zu oft nicht von Interesse. 

 

Was sind Ihre Tipps für einen gesunden Schlaf? 

Lindemann: Das wichtigste ist ausreichende Bewegung. Viele Menschen haben zwar den ganzen Tag über Stress und sind am Abend erschöpft. Weil sie sich nicht ausreichend bewegt haben, sind sie trotzdem nicht müde und haben Probleme beim Einschlafen. Dazu kommen Faktoren wie zu spätes Essen, Alkoholkonsum, Rauchen so wie Übergewicht.