Es ist ein langer Weg

Carina Köppel, 22 Jahre, 2. Semester

 

Was möchten Sie nach Ihrem Studium machen? 

Carina: Ich weiß noch keine genaue Fachrichtung und werde mich dann in der klinischen Phase des Studiums von den verschiedenen medizinischen Fächern begeistern lassen. 


Warum studieren Sie Medizin? 

Carina: Ich bin schon immer fasziniert vom menschlichen Körper.  Deshalb konnte ich mir nichts besseres vorstellen, als genau das zu lernen. Dass mit meinem Wissen anderen Leuten geholfen werden kann, ist dann natürlich die Krönung. 

 

Wie ist das mit der Spezialisierung? 

Carina: Vor der Spezialisierung muss man erst das allgemeine Medizinstudium absolvieren. Die Spezialisierung kommt in der Regel erst danach, also in ungefähr 6 Jahren, wenn es gut läuft. Danach entscheidet man sich erst und macht dann den Facharzt, der dann nochmal sechs bis sieben Jahre dauert. Es ist also ein langer Weg. 

 

Wie wichtig ist die Sozialkompetenz für den Beruf des Arztes? 

Carina: Ich halte das für sehr relevant, weil ich denke, dass damit auch die Patienten-Compliance einher geht. Also ob der Patient aktiv mitarbeitet, sich verstanden fühlt und ob er mit seinen Sorgen wirklich zum Arzt kommt. Viele Leute glauben mittlerweile, dass sie im Internet genau so viele Informationen erhalten können wie von einem ausgebildeten Arzt. Von dem fühlen sie sich dann oft missverstanden. Es ist Aufgabe der Ärzte, auf die Patienten einzugehen und sie Ernst zu nehmen, da sich sonst immer mehr Menschen selbst diagnostizieren und nicht mehr zum Arzt gehen. 

 

65 Prozent der Medizinstudenten sind Frauen. Was meinen Sie dazu? 

Carina: Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Ich glaube sogar, dass der Frauenanteil weiter zunimmt. Also 65 Prozent kommt auf jeden Fall gut hin. 

 

Woran liegt das? 

Carina: Es liegt daran, dass Frauen generell die besseren Noten haben. Das ist sicher ein großer Faktor, da der Notendurchschnitt ausschlaggebend für die Zulassung zum Medizinstudium ist. Dabei hat der Abiturdurchschnitt überhaupt nichts mit den späteren Erfolgsaussichten als Arzt zu tun. Daran müsste dringend etwas geändert werden. Außerdem habe ich den Eindruck, dass der Stellenwert des Arztberufes auch nachgelassen hat und man in anderen Berufen viel mehr verdient. Deswegen sind andere Jobs attraktiver. 

 

Könnte es sein, dass viele nur weil sie gute Noten haben, Medizin studieren? 

Carina: Es gibt sicher viele, die ihren guten Notenschnitt nutzen, um gleich Medizin zu studieren. Auch das Umfeld spielt da eine Rolle. Vor allem die Eltern, die darauf drängen, die Möglichkeit des Medizinstudiums wahrzunehmen. Auch wenn sich die Studierenden gar nicht sicher sind, ob es das richtige Studienfach für sie ist. 

 

Haben Sie Vorschläge für Verbesserungen in Ihrem Studium? 

Carina: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich von dem gesamten Faktenwissen in zwei Jahren noch etwas weiß. Das ganze Auswendiglernen ist verschwendete Zeit, die man jetzt aufwendet, um irgendwelche Abkürzungen und Dinge zu lernen, die später irrelevant sind. Das wird teilweise auch offen von den Professoren gesagt. Das große Ganze verliert man dabei aus den Augen. Man verliert sich zu sehr in den Details und weiß dann gar nicht mehr, worum es eigentlich wirklich ging. Das ist schade.