Dr. med. Holger M. Pult

Dr. med. Holger M. Pult ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

 

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Fachbereichs?

Bereits heute zeigen aktuelle Untersuchungen, dass mehr als 80% der Patienten, die aus ästhetischen Gründen eine Behandlung wünschen, nicht von einer Krankheit geheilt werden wollen, sondern eine Verbesserung ihres Lebensgefühls anstreben. Menschen wollen so gut aussehen, wie sie sich fühlen und sind zunehmend bereit, in die Verbesserung ihrer Lebensqualität zu investieren. In Wahrheit ist der Wunsch, eine als störend empfundene körperliche Veränderung zu korrigieren oder jugendliches Aussehen zu erhalten oder wiederherzustellen so alt wie die Menschheit. Was sich im Vergleich zu früher ändern wird, ist die Erreichbarkeit dieses Ziels. Erstmals stehen effektive Methoden zur Verfügung, mit denen dieser alte Traum erfüllbar erscheint.

 

Wer ist Ihr Patient der Zukunft?

Ästhetische Behandlungen werden weder der Jugend vorbehalten noch auf ältere Generationen beschränkt bleiben, die sich nach Ihrer Jugend sehnen. Vielmehr wird das Behandlungsspektrum Lösungen für Anliegen, die in ganz unterschiedlichen Lebensaltern und Situationen auftreten können, bereithalten. Der Anteil der Männer am ästhetischen Patientengut beträgt derzeit knapp über 20%. In Zukunft werden jedoch auch Männer verstärkt Ihren Körper als Ausdrucksmittel ihrer Persönlichkeit entdecken.

 

Welche (technischen) Entwicklungen sind zu erwarten?

Einen Blick in die eigene gesundheitliche Zukunft nehmen zu können, wird ein umfangreiches Thema. Intensiv wird an Labordiagnostiken gearbeitet, die eine individuelle Veranlagung für körperliche Entwicklungen prognostizierbar machen. So werden Hautanalysen möglich sein, die die individuellen "Schwachstellen" erkennen und so bereits präventiv mit speziell erstellten Pflegekonzepten und Ernährungshinweisen diesen begegnen können. Auch der Wunsch, das Ergebnis eines an sich selbst vorgesehenen ästhetischen Eingriffs vorhersehen zu können, ist groß. So verwenden wir bereits heute aufwendige Computerprogramme um Nasenkorrekturen zu simulieren und den Patienten die Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung sichtbar zu machen.

 

Welche neuen Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten wird es geben?

Da denke ich insbesondere an Gewebezüchtungen ("Tissue Engineering") durch gerichtete Kultivierung körpereigener Zellen um damit krankes Gewebe bei einem Patienten zu ersetzen oder zu regenerieren. Bereits heute gewinnen wir Fettgewebe durch eine Fettabsaugung und verwenden es als biologischen und dynamischen Füllstoff. Durch den hohen Anteil von Stammzellen und Wachstumsfaktoren können so Fettzellen erfolgreich zum Ausgleich einer asymmetrischen Brust oder zur Narbenkorrektur ("Lipofilling") verwendet werden.

 

Welche Erfolge bringt die Forschung nach neuen Medikamenten?

Da in meinem Fachgebiet der Trend zu minimalinvasiven Behandlungen geht, werden die injizierbaren Materialien z.B. zur Faltenbehandlung, weiter verfeinert. So sind Nebenwirkungen wie Allergien bei Füllmaterialien wie Hyaluronsäure nicht mehr zu erwarten. Die Haltbarkeit der Materialien wird deutlich verlängert und positive Begleiterscheinungen wie Anregung der körpereigenen Produktion von Kollagen, zeitgleich gefördert.

 

Wird es auch in Zukunft genug gut ausgebildete Fachärzte in Ihrem Fachgebiet geben?

Die Vielfältigkeit des Berufsbildes des Facharztes für Plastische und Ästhetische Chirurgie stößt bei Studenten und Assistenzärzten auf reges Interesse. Daher gibt es keine Nachwuchssorgen. Der Ausbildungsweg ist jedoch sehr lang und kaum eine Klinik in Deutschland kann das gesamte Spektrum der Plastischen Chirurgie anbieten. So ist Mobilität und persönlicher Einsatz gefragt. Häufig runden erst Auslandshospitationen das Repertoire ab.

 

Wird sich an der Ausbildung etwas ändern?

Neben der Förderung des manuellen Geschicks und dem wissenschaftlichen "know-how" sollte verstärkt der kommunikative und ethische Aspekt in die Lehrund Lerninhalte aufgenommen werden. So kann ein Behandler den empathischen Anforderungen genügen und ein ganzheitliches Menschenbild seiner ärztlichen Tätigkeit zugrunde legen.

 

Verändert sich die Frauen-Männer-Quote in Ihrem Fachgebiet?

Die Frauenquote in unserem Fachgebiet liegt bereits jetzt weit über dem anderer Berufsgruppen. Nachdem unser Berufsverband in den siebziger Jahren von Frau Prof. Schmidt-Tintemann gegründet wurde, steht der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen auch heute eine Frau vor: Prof. Jutta Liebau aus Düsseldorf.

 

Welche Entwicklungen in Sachen Finanzierung sehen Sie?

Der überwiegende Teil der ästhetischen Behandlungen sind bereits heute reine Selbstzahlerleistungen. Diese Entwicklung wird sich vermutlich auf andere medizinische Disziplinen ausweiten. Somit werden in Zukunft auch vermehrt Finanzierungswünsche über Banken für einzelne Behandlungen an die Ärzte herangetragen werden.

 

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Ich hoffe, dass wir weiter in einer Gesellschaft leben werden, in der jeder, der medizinischer Hilfe bedarf, diese umgehend, uneingeschränkt und auf höchstem medizinischen Niveau erfährt.