"Sachsen ist meine Heimat." - Ministerpräsident Stanislaw Tillich

Fährt Stanislaw Tillich vom Weißen Hirsch aus, wo er ein Penthouse besitzt, zu seiner Arbeitsstelle in die Dresdner Altstadt, blickt er zwangsläufig ins Elbtal hinein. Von hier oben sieht er, wie sich die Elbe am Zwinger vorbei schlängelt, blickt über die Frauenkirche, weit in das Land hinein, das für ihn Heimat ist und das er seit 2008 als Ministerpräsident leitet. Der zweifache Familienvater ist damit dienstältester Ministerpräsident Deutschlands. Geboren und aufgewachsen ist Tillich in Neudörfel bei Kamenz. Obwohl sein Vater evangelisch war, wurde Tillich katholisch und damit nach dem Glauben seiner Mutter erzogen. Die damit verbundenen Werte hat er sich bis heute erhalten, der Glaube gibt ihm zudem auch heute noch Halt im sonst stressigen Berufsalltag. Zuhause sprach seine Familie ausschließlich Sorbisch. Erst seine Nachbarn brachten ihm Deutsch bei. Zudem spricht er Polnisch, Tschechisch und Englisch. Er ging auf eine sorbische Oberschule und absolvierte nach dem Abitur den Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee. Nach dem Dienst an der Waffe studierte Tillich in Dresden. An der TU schloss er als Diplomingenieur für Konstruktion und Getriebetechnik ab und begann in seiner Heimat als Konstrukteur für ein Elektrounternehmen zu arbeiten. Seine politische Karriere begann 1987 mit dem Eintritt in die Ost-CDU. Drei Jahre später wurde er Mitglied der gesamtdeutschen Union. Bis 1994 saß er als Beobachter im Europäischen Parlament. Dann war er dort fünf Jahre als gewählter Abgeordneter für Deutschland tätig. Kurt Biedenkopf, damaliger Ministerpräsident Sachsens, rief ihn zurück in seine Heimat und machte ihn zum Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Nach dem Rücktritt Georg Milbradts wurde Tillich 2008 Ministerpräsident und übernahm den Landesparteivorsitz. Sein politisches Motto, dass die Volksvertreter den Menschen zu dienen haben, ist für ihn keine Floskel sondern demokratischer Auftrag. Trotz seiner christlichen Erziehung sieht er sich als Naturwissenschaftler, der sich auf Fakten verlässt. Entsprechend viel Wert legt er in seiner Politik auf Bildung und eine stabile Wirtschaftslage – Faktoren, die sich Sachsen hart erarbeitet hat. Seine Frau, die er seit seiner Jugend kennt, heiratete er 1979. Neben dem Glauben ist es seine Familie, die ihm einen Ausgleich und Ruhe zum Berufsleben gibt. Zudem ist Tillich sportbegeistert, selbst Mitglied bei Dynamo Dresden (während seine Frau Mitglied bei Erzgebirge Aue ist) und drückt auch RB Leipzig die Daumen. Seine zweite Leidenschaft ist die zeitgenössische Kunst. Wenn es die Zeit erlaubt, besucht er die Museen im Freistaat.