Neue Studie zum Klimaschutz: Lässt sich mit weniger Kindern die Erderwärmung stoppen?

Eine aktuelle Studie facht die Diskussion um den demografischen Wandel und die Geburtenrate in Deutschland wieder an. Zwei Wissenschaftler – Seth Wynes von der Universität Lund in Schweden und Kimberly Nicholas von der University of British Columbia in Vancouver – haben sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit die Geburtenrate Auswirkungen auf das Klima hat. Ihre provokante These: Im Durchschnitt ein Kind weniger zu bekommen, hat mit Abstand den positivsten Effekt auf den Klimawandel. Doch ist der Verzicht auf ein Kind tatsächlich vergleichbar mit der Entscheidung, kein Auto zu besitzen oder sich vegetarisch zu ernähren?

 

Klimaschutz durch Verzicht auf Kinder

In ihrer Studie untersuchen die beiden Forscher, mit welchen Maßnahmen sich der CO2-Ausstoß, der hauptverantwortlich für die Erderwärmung ist, minimieren lässt. Dazu werteten sie die Ergebnisse früherer Studien aus, um schließlich zu vier aktuellen Empfehlungen für den Klimaschutz zu gelangen:

  • Verzicht auf ein Auto
  • Verzicht auf Flugreisen
  • Vegetarische Ernährung
  • "ein Kind weniger" bekommen

Die Berechnungen der Autoren zeigen, dass rund 684 Menschen, die gegenwärtig im Teenageralter sind, ihr Leben lang konsequent recyceln müssten, um den gleichen Effekt zu erzielen, den der Verzicht auf ein Kind für den Klimaschutz hat. Diese Zahl erscheint sehr hoch. Grund dafür ist die Berechnungsmethode, die auch die Emissionen möglicher Nachfahren eines Kindes berücksichtigt.

 

Geburtenrate in Deutschland wieder gestiegen

Die Ergebnisse der Studie stehen jedoch im deutlichen Gegensatz zur demografischen Entwicklung zumindest in Deutschland– die Bevölkerung hierzulande wird in den kommenden Jahrzehnten eher schrumpfen. Um diese Entwicklung aufzuhalten, hofft die deutsche Regierung auf eine Erhöhung der Geburtenrate. Wie das Statistische Bundesamt kürzlich bekanntgab, ist die Geburtenrate in Deutschland zwischen 2009 und 2015 von 1,36 Kindern pro Frau auf durchschnittlich 1,5 Kinder gestiegen – und liegt damit trotzdem noch unter dem europäischen Durchschnitt von 1,58 Kindern. Immer mehr Paare entscheiden sich wieder dafür, Kinder in die Welt zu setzen. Doch nicht immer lässt sich ein Kinderwunsch auch realisieren. Bestimmte Krankheiten und Unfruchtbarkeit sind beispielsweise Gründe, die eigene Kinder unmöglich bzw. unwahrscheinlich machen. Umso wertvoller ist die Forschung in der Reproduktionsmedizin. In Deutschland ist beispielsweise die In-Vitro-Fertilisation unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, in anderen europäischen Ländern werden bereits weitere Methoden der künstlichen Befruchtung angewendet. So bieten Kliniken in Spanien im Rahmen der medizinisch unterstützten Reproduktion beispielsweise die Möglichkeit einer Eizellenspende an, wenn bei einer Frau keine Follikel in den Eierstöcken heranreifen.

 

Nachhaltiger Lebensstil auch anders umsetzbar

Die Autoren der Studie relativieren ihre Ergebnisse jedoch. Da eher jüngere Menschen dazu bereit sind, ihre Vorstellungen zu ändern, soll die Studie vor allem zur Reflexion über den eigenen Lebensstil anregen. So sind sich Nicholas und Wynes durchaus bewusst, dass der Verzicht auf eigene Kinder nicht mit einer vegetarischen Ernährung gleichzusetzen ist. Dennoch erreichen sie mit ihrer provokanten These zumindest, dass der Klimaschutz wieder in den Fokus rückt.

 

Bildrechte: Flickr DSC_2036 RES Philippe Put CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten