Ich habe es vermasselt...

ICH HABE ES VERMASSELT.

Ich konnte einfach nicht. Ich bin ein Mann. Ich habe nie gelernt, mit solchen abstrakten Dingen wie Gefühlen umzugehen.Wenn ich nicht die Kolumne schreiben würde, würde ich nicht mal darüber reden. Am liebsten nicht mal darüber nachdenken. In meinem Job bin ich erfolgreich, weil ich mein Gegenüber genau einschätzen kann und dadurch geschickt taktiere,um mein Ziel zu erreichen. Doch diese Frau kann man nicht einschätzen. Sie ist die Herausforderung meines Lebens und es sieht so aus, als wäre ich der nicht gewachsen. Meine Umgebung spielt dabei eine große Rolle. Ich fühle mich beobachtet. Meine Kumpels und andere Menschen verfolgen meine Handlungen. Es irritiert mich, dass sie wissen oder ahnen, dass ich diese eine Frau liebe. Durch diese Gefühle bin ich angreifbar, schwach und meine Gegner könnten es gegen mich verwenden.

 

Und was mache ich? Den Macho. In der Öffentlichkeit bin ich reserviert und oft abweisend zu meiner großen Liebe. Ich habe Angst, mir vor anderen eine Blöße zu geben. Wenn ich mit meinen Kumpels zusammen bin, beweise ich denen, wie cool ich diese Frau abblitzen lassen kann. Noch währenddessen tut es mir Leid. Aber die Männer klopfen mir lachend auf die Schulter: „Nur nicht einwickeln lassen!“ Von meiner Freundin habe ich mich übrigens getrennt. Ich habe das gut hinbekommen. Wir brauchen beide Zeit, um über unsere Zukunft nachzudenken, ist die offizielle Erklärung. Die wahre ist, dass ich mir beweisen muss, dass ich noch lebe. Das Hin und Her mit meiner Freundin hat genervt. Jetzt muss ich mal eine Weile für mich sein und wie früher Frauen kennen lernen. Schöne Frauen. Viele Frauen. Einfache Frauen. Ich kann es noch. Das tut gut. Doch es befriedigt mich nicht mehr sowie früher. Die Sache an sich schon - zwinker, zwinker. Doch wenn ich auf einer Party mit den Frauen flirte, habe ich meine große Liebe stets im Blick. Wenn sie schaut, flirte ich intensiver mit den Mädels. Wenn sie sich mit anderen Leuten unterhält, beobachte ich sie und dann kommt eine unangenehme Sentimentalität. Ich will nur sie, doch ich gehe mit einer anderen nach Hause. Das ist besser für mich, einfacher. Ich habe mich in diese Frau verliebt, weil sie besonders ist. Sie ist außergewöhnlich und ein Juwel unter Millionen Imitaten. Eine Frau, deren Strahlen einen Mann ein ganzes Leben begleiten kann und über die man als Greis den Urenkeln mit romantischem Blick erzählt: „Ich kannte da mal eine Frau, tja, das war eine Frau!“Ein besondere Frau muss man besonders behandeln. Ganz sicher nicht so wie ich sie behandelt habe. Ich hatte Angst. Ich werde es mir nie verzeihen. Ich habe es vermasselt.