Kolumne von Gerhard Golze: Disy Frühling 2006

Spaß oder Freude?

Ab und zu höre ich die Frage in der Gesellschaft, hat die Sehnsucht nach Zerstreuung, ein Überangebot an Unterhaltung, die so genannte „Spaßgesellschaft“ auch  den Verlust der Ernsthaftigkeit zur Folge?

Führt Zerstreuung nicht zwangsläufig zur immer stärkeren Individualisierung und dem Verlust sozialer Bindungen?

Belasten die vielen Events, primitive Unterhaltungsbeiträge in den Medien, Ironie, Intoleranz und Belanglosigkeit und Verdrängen von Problemen den Spaß-Konsumenten trotz aller Coolness nicht immer stärker?

Dieses Thema auszublenden, die Realität nicht wahrnehmen zu wollen führen  an Missgeschick und Misserfolg nicht wirklich vorbei. Der Umgang und die Bewältigung von Schicksalsschlägen und Leid sind aber meines Erachtens die Grundlage für Lebensglück und Freude.

Der richtige Umgang mit Schwierigkeiten, die Lösung von Problemen und das erforderliche Maß an Ernsthaftigkeit lassen uns die Freude an Wahrheit, Verlässlichkeit und der damit verbundenen Kultur neu erleben.

Deshalb sind Menschen, die nicht über das erforderliche Geld und die Zeit verfügen, um sich im Übermaß zu amüsieren, häufig weniger in Isolation als die, die im Kaufrausch und dem Anwachsen von Ansprüchen Spaß als Ersatz für wirkliche Freude leben.

Die Tatsache, dass 50% der Arbeitsleistungen in Managerpositionen als Misserfolg einzustufen sind und Arbeitsumwelt, Familie oder Freunde direkt oder indirekt mit dieser Erscheinungsform von Niederlagen konfrontiert sind, wird regelmäßig ausgeblendet. Wer die Leiter des Erfolges besteigt, muss wissen, dass irgendwann der Gipfelpunkt erreicht ist. Aber Krisenbewältigung ist in der Gesellschaft kein Unterhaltungsthema, geschweige Anlass zur gedanklichen Auseinandersetzung oder zur Hilfestellung für Betroffene.

Deshalb verwundert es mich nicht, dass viele Menschen nach Spaßerlebnissen traurige Gesichter haben. Vielleicht auch deshalb, weil der eigene Spaß auf Kosten anderer realisiert wird. Man gibt Menschen der Lächerlichkeit preis, um seine eigene Kurzweil zu haben. Die Spaßgesellschaft plant Verletzungen und Rücksichtslosigkeit als Mittel zum Zweck ein.

Hektische Betriebsamkeit und Vergnügungssucht sind häufig Indikatoren für Freudlosigkeit. Freude aber liegt im Herzen von uns allen bereit. Wir müssen sie nur entdecken und diese positive Energie für Leib und Seele aufheben. Gerade im Frühling treffen die Worte von Rainer Maria Rilke zu: „Vergessen Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit“ – und ich ergänze – eine große Freude!

 

(Gerhard Golze, Disy Frühling 2006)