Die lokale Renaissance - Kolumne von Gerhard Golze: Disy Winter 2005

Die lokale Renaissance

Nicht nur in Unternehmen erkennt man zunehmend die Bedeutung „all business is local“.Für die Gesellschaft, soziale Beziehungen und Kontakte zu anderen Menschen dürfte schon immer klar sein, dass die Musik für Dresden in Dresden gespielt wird. 

Jeder, der durch bestimmte Umstände seinen Arbeitsort nach anderswo verlegen musste, aber noch in Dresden wohnt oder umgekehrt, hat dies erfahren müssen. So geht sehr schnell die Nähe zu Partnern und Freunden durch fehlende Präsenz vor Ort verloren. Noch  schwieriger wird es mit der regionalen Ansprache, im Klartext – man steht nicht mehr im „Stoff“, was die Dresdner Themen anbetrifft. Damit wird es fast unmöglich, einen „Nachrichtenwert“ zu erzeugen, der über die eigene Person hinausgeht. Dieser ist aber zumindest für den Erstkontakt der Schlüssel zum gesellschaftlichen Erfolg. 

Die häufig in der Vergangenheit geäußerte Vermutung, dass die weltweite Globalisierung und die modernen Informationstechnologien das aktive Bemühen der Menschen zur Teilnahme am Gesellschaftlichen weitestgehend ersetzen könnten, hat sich als falsch erwiesen. Im Gegenteil, das „globale Dorf“ gewinnt zunehmend an Bedeutung.  Marketingstrategien in Politik oder Handel und deren Erfolg gekrönt sind, hängt häufig von der Detailkenntnis der regionalen oder lokalen Umstände und Bedingungen ab. 

Wer gegen diesen Grundsatz handelt, wird wenig Chancen haben, den Markt zu bedienen bzw. teilzuhaben an positiven Ergebnissen. Indirekt trifft selbiges auch auf die Gesellschaft zu. 

Aufmerksamkeit, Offenheit, Zuhören, Hilfsbereitschaft und eine gesunde Portion Vertrauen wünsche ich uns, um Konflikte und Misstöne auf ein Mindestmaß zu beschränken. Dann wird die gesellschaftliche „Musik“ in Dresden auch der besonderen Verpflichtung aus Historie und Kultur unserer Stadt gerecht werden – „All happiness is Dresden“. 

(Disy Winter 2005)