Gedanken im Urlaub

Bei 34° Lufttemperatur sitze ich am Sandstrand des Persischen Golfes. Der Himmel zeigt sich königsblau, und ein leichter Wind von See bringt angenehme Kühlung. Blicke ich geradeaus an Land, so öffnet sich die Sicht auf einen weiten, farbenprächtigen und bestens gepflegten Park.

Dazu traumhafte Ruhe und ich schließe die Augen. Aus der Ferne höre ich Glockengeläut. Zumindest ein Geräusch, als ob Metall auf Metall trifft.
Keine Sorge, mit meiner Gesundheit ist alles in Ordnung, und eine Kirche in der Nähe ist auch nicht zu vermuten. Verursacher der Geräusche ist modernste Technik, mit deren Hilfe Stahlträger in den Sandboden gerammt werden.
Rechts und links der Hotelanlage hektische Bautätigkeit, die sich nur im Umfang mit dem Wohnungsbauprogramm der untergegangenen DDR vergleichen lässt. Fairerweise erwähne ich, dass der Reiseveranstalter gerade auf diesen Umstand hingewiesen hatte, und als wirklich störend habe ich es nicht empfunden.

Plötzlich hellwach und fernab von Deutschland kann ich es nicht verhindern, dass mir die gerade verlassene „Geiz-ist-geil-Mentalität" durch den Kopf geht. Nicht, dass Sie mich missverstehen, selbstverständlich verhalten sich Menschen, denen täglich vermittelt wird und die daran glauben, in Zukunft ärmer zu werden, rational, wenn sie weniger Geld ausgeben. Kurz gesagt, die Reaktion auf eine Politik mit weniger Einkommen, weniger Konsum und weniger Investitionen ist die Kaufzurückhaltung.
Wird deshalb am Strand des AL HAMRA FORT RESSORTS in RAS AI KHAIMAH überwiegend slawisch und nur in der Ausnahme deutsch gesprochen? 

Das Servicepersonal ist komplett aus China und in der Hotelküche arbeitet eine Kochbrigade aus Nordindien.
Zum richtigen Verständnis, fast drei Jahre meines Lebens habe ich im Ausland gearbeitet und überwiegend freundliche Aufnahme und Gastfreundschaft vorgefunden.
Nur 15% der Bevölkerung in den Emiraten sind Einheimische. Der andere Teil Asiaten, Afrikaner und Europäer, die hier Arbeit und Auskommen gefunden haben.

Gelebte Globalisierung der Arbeitsmärkte? Wenn ja, mit welcher Auswirkung für uns Deutsche? Globalisierung ist eben nicht nur der Export von Waren, worauf wir uns gerade in der heutigen Zeit besonders gut verstehen. Treten doch jährlich zig Millionen Menschen weltweit den Industriegesellschaften bei. China, Indien, Russland, Brasilien - Milliarden Arbeitsuchende, die zunehmend um ihren Anteil am Wohlstand kämpfen werden.

Verständlich deshalb die Frage nach der Zukunft der sozialen Marktwirtschaft als Sonderweg der deutschen Politik im internationalen Wettbewerb. Ein Definitionsirrtum, denn unser Wirtschaftssystem folgt nicht den Erfordernissen des Marktes, und wirklich sozial sind wir in Deutschland längst nicht mehr. Ein politisches, museales Konstrukt für Schönwetterzeiten der mittelständischen Industriegesellschaft.

Altbundespräsident Herzog hat mit großem Beifall vom Ruck, der durch Deutschland gehen müsse, gesprochen, und als Jurist und Politiker jeden Hinweis, wer sich bewegen müsste, tunlichst vermieden. Neun Jahre danach gibt es halbherzige Versuche mit Reformen, die sich ausschließlich auf das Sparen an den Sozialsystemen beschränken.

Meine Urlaubseindrücke haben mich noch nachdenklicher gemacht und mein Empfinden verstärkt, dass wir für die Gegenwart und Zukunft Wirtschaftsreformen, Flexibilität, weniger Klüngel in allen Bereichen, weniger Staat – dafür Zivilcourage und mutige Herzen brauchen.

Noch haben wir kluge und fleißige Menschen in Deutschland.