Kennen Sie noch „Klock achten Strom“?

Denis Arnhold vom Restaurant Zum Stromer im Interview

 

Warum heißt Ihr Restaurant Zum Stromer?

Denis Arnhold: Mit Stromer ist in dem Fall mehr das Umherschweifende und Suchende gemeint. Wir haben den Namen damals übernommen, um die Tradition zu wahren. Denn Zum Stromer ist das älteste Restaurant in Warnemünde und wahrscheinlich auch das erste mit einer Ausschankgenehmigung für Branntwein.

 

Wie kam es dazu?

DA: Die Geschichte erzählt von dem Seemann Peter Jungmann, der eines Tages gesagt hat, dass er nicht mehr als Kapitän zur See fahren will und seinen Seesack an den Nagel gehängt hat. Stattdessen wollte er gern Branntwein ausschenken. Mehrere Generationen der Familie Jungmann führten dieses Erbe weiter, bis es schließlich nach dem Krieg und der Gründung der DDR in öffentliche Hand kam.

 

Hat sich da etwas für das Restaurant geändert?

DA: Ja, denn bevor es HO-Gaststätte wurde, kamen besonders Kapitänsleute gern hier her und haben von ihren Reisen das ein oder andere Mitbringsel bei uns hinterlassen. Der Kapitänstisch mit den darauf genagelten Namen von allen Kapitänsleuten, die im Stromer zu der Zeit ein und aus gingen, steht jetzt auf dem Museumsschiff im IGA-Park. In DDR-Zeiten diente die Einrichtung der Gaststätte als Requisite für die Fernsehsendung „Klock achten Strom“. In diesen Jahren war die HO-Gaststätte aber mehr ein Treff für die Werftarbeiter, die hier den Feierabend mit dem ein oder anderen Schlückchen zelebrierten und weniger ein Restaurant.

 

Was hat Sie später hier her geführt?

DA: Im Jahr 1987 wurde die Gaststätte vom damaligen Besitzer umgebaut. Nach der Renovierung führten verschiedene Chefs das Restaurant. Nachdem es zwei Jahre leergestanden hatte, haben ein Freund und ich beschlossen, die Verantwortung dafür zu übernehmen.

 

Warum?

DA: Ich habe schon immer gern gekocht, war aber als Techniker in Leipzig tätig. Da sprach mich ein Freund an, der hier in Warnemünde lebte und seine besondere Vorliebe für Wein schon immer zum Beruf machen wollte. Wir waren also letztendlich beide unerfahrene Quereinsteiger und haben uns noch am selben Abenddafür entschieden. Dann ging es relativ zügig bis wir am 24. Juni 2006 hier eingezogen sind.

 

Was ist Ihnen für Ihr Restaurant wichtig?

DA: Wir versuchen den Anteil von frischem Fisch stetig hoch zu halten. Generell liegt uns die Frische unserer Lebensmittel am Herzen. Außerdem bereiten wir unsere Speisen frisch zu.

 

Was ist Ihr Lieblingsgericht?

DA: Fjördlachs und Dorschfilet aus der Ostsee. Gut schmeckt auch unser lauwarmer Linsensalat mit Spargel, Fisch und Hummercreme. Unsere Tagesangebote sind generell saisonal und regional. Außerdem haben wir einen Jäger in Rögnitz bei Schwerin, der uns regelmäßig mit Wild versorgt.


Sind Ihre Gäste Warnemünder oder Touristen?

DA: Wir haben viele Stammkunden, die uns empfehlen, sind aber auch unter Touristen bekannt.

 

Sind Sie als Zugezogener gut aufgenommen worden?

DA: Bei den Norddeutschen braucht man eine Weile. Wenn das Eis dann einmal gebrochen ist, sind es ganz liebe und freundliche Menschen. Der Ort ist wirklich einzigartig. Besonders genieße ich den Wind. So etwas gibt es in Sachsen, wo ich herkomme, nicht. Auch der Meeresgeruch am Morgen löst in mir ein Heimatgefühl aus. Klar steigt der Tourismus immens, die Stadt ist vergleichsweise voll und sie wächst stetig, was einen schon manchmal zum Nachdenken anregt. Aber das originale Flair kann dem Ort nicht mehr genommen werden.