• Januar 27, 2022
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Wetterphänomene, immer mehr Mega- Schiffe, kürzere Ausbildungszeiten, fordernde Passagiere, verschwundene Gletscher, Digitalisierung, Corona-Stillstand - die Kreuzfahrt befindet sich, wie viele andere Branchen auch, in einem großen Wandel. Weltlust-Chefredakteurin Anja K. Fließbach hat mit Morten Arne Hansen gesprochen, der seit 35 Jahren auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs ist. Er kennt die Welt, die Menschen und die Natur. Was passiert da gerade und womit müssen wir in Zukunft rechnen? Und was hat der Kapitän über die Menschen und vom Leben gelernt? Lesen Sie die Meinung eines Mannes, dessen Liebe für die See unerschütterlich ist und für den die Hierarchien auf einem Schiff keine Deutung zulassen.

Sie sind auf dem Meer unterwegs seit sie ein kleiner Junge waren. Was ist so faszinierend am Element Wasser?

Hansen: Wasser ist ein Element, vor dem ich großen Respekt, aber nie Angst habe. Man muss nur mit der Natur mitgehen. Aber klar, wir sind unterwegs auf einem Schiff, man schwimmt und das ist nicht immer angenehm für die Gäste. Manchmal muss man auch die Route etwas ändern wegen der Wassertiefe oder den Wellen. Die Natur ist der Chef.

Welche Gebiete sind für einen Kapitän eine Herausforderung?

Hansen: Generell ist der Norden eine Herausforderung. Unsere großen Nordlandreisen sind sehr beliebt: Schottland, Island bis hin zu Spitzbergen. Das ist eine schöne lange Route. Aber wir fahren auch über den Polarkreis und man kann nie sagen, wie das Wetter wird. Es kann sehr überraschend sein. Wir leben auf dem Schiff mit der Natur. Es gibt Passagiere, die sich beschweren, dass eine Reise zu „glatt“ ist und fragen, warum sich das Schiff nicht bewegt. Anderen ist es zu wackelig.

Gibt es Gebiete, wo man relativ garantiert eine ruhige Reise hat?

Hansen: Die gibt es nicht. Viele denken, das Mittelmeer sei der Ententeich in Europa, aber das stimmt nicht. Dort gibt es auch viele Wetterphänomene, die heftig sind. Jedes Fahrgebiet hat seine eigenen Seiten und seine verschiedenen Reisen. In den Reisekatalogen ist aber immer schönes Wetter und eine glatte See.

Sind Sie frei beim Umrouten, also wenn Sie die geplante Strecke ändern müssten?

Hansen: Klar! Der Kapitän ist verantwortlich. Wenn das Wetter oder der Hafen nicht mitspielen, dann muss man Flexibilität zum Umrouten haben. Das ist bei Phoenix Reisen schön. Ich bin jetzt 16 Jahre dabei und sie vertrauen mir. Zusammen mit dem Team an Bord finden wir immer die beste Lösung. Es passiert relativ oft, dass wir Häfen geplant hatten und trotzdem umplanen mussten. Wir fragen die Häfen immer an, ob Platz für uns ist, ob alles mit den Ausflügen klappt… In 90 Prozent der Fälle klappt alles.

Sind die Gäste verständnisvoll, wenn ein Hafen nicht angefahren werden kann?

Hansen: Es gibt einige Leute, die dann sagen, sie hätten die Reise nur deswegen gebucht. Das Nordkap ist so ein Highlight. Ich war ein paar Mal knapp davor, es nicht zu erreichen. Aber wir haben es dann immer geschafft. Ich kenne aber andere Kapitäne und Schiffe, die mussten es canceln. Da wollten natürlich Passagiere ihr Geld zurück, denn das Nordkap war nicht dabei.

Wie sicher ist so ein Kreuzfahrtschiff? Was für Wellen, was für einen Neigungswinkel kann es verkraften?

Hansen: So ein Schiff ist so gebaut, dass man mit 15 Grad Schlagseite die Rettungsinseln und die Rettungsboote noch ohne Probleme raussetzen könnte. Die Stabilität jedes Kreuzfahrschiffes wird gesetzlich nach Zulassung „Safety of Life at Sea“ getestet. Ich glaube, jedes Schiff ist in der Lage, bestimmte extreme Wettersituationen zu überstehen. Bei hohen Wellen nimmt man die Geschwindigkeit raus und lässt sich treiben. Man vergleicht es mit der Autobahn. Regnet es stark, fährt man auch nicht mit 260 km/h, sondern geht runter vom Gas. So ist das auch mit dem Schiff. Generell plant man die Route sicher, um durch das schlechte Wetter zu kommen.

Was war wettermäßig Ihre größte Herausforderung?

Hansen: Wir hatten damals mit der MS Albatros 14 bis 15 Meter hohe Wellen. Das war nicht angenehm für die Gäste.

Nehmen die Wetterphänomene zu?

Hansen: Die Wetterfronten kommen schneller. Früher konnte man länger planen. Heute sind maximal drei Tage für uns eine relativ sichere Phase. Alles hat sich geändert. Im Mittelmeer sind die Wetterfronten extrem. Aber was ist normal?

Na, dass man in bestimmten Breiten je nach Jahreszeit  einigermaßen weiß, welches Wetter man erwarten kann.

Hansen: Das stimmte mal. Man dachte saisonal – Sommer, Herbst, Winter, Frühling. Aber momentan ist alles durcheinander. Wetterfronten kommen schneller und gehen auch schneller vorbei. Wind-Phänomene sind schwieriger vorherzusehen. Aber zum Glück ist die Meteorologie auch sehr fortschrittlich.

Denken Sie, dass sich die Entwicklung der Schiffe dem sich verändernden Klima und damit dem Wetter anpassen muss?

Hansen: Das ist schwer zu sagen. Man braucht auf jeden Fall mehr stabile Wetterberichte. Die Satellitenüberwachung muss dichter werden, damit die Wetterberichte genauer sind. Man muss die Gäste mehr informieren, was sich bewegt , was gefährlich sein könnte. Man benötigt mehr Informationen über das Fahrgebiet, das man befahren möchte.

Meinen Sie, dass die großen Schiffe, die jetzt gebaut werden, da gut sind?

Hansen: Ich bin jetzt 35 Jahre unterwegs mit Kreuzfahrtschiffen. Ich habe die Entwicklung gesehen. Für mich sind das keine Seeleute, die solche Pötte entwickeln. Das sind Ökonomen, die denken, sie können jeden Quadratzentimeter verkaufen.

Wenn sie das können, dann ist es doch ihre Angelegenheit, oder?

Hansen: Das Problem ist, dass die Anzahl der nautischen Crew dabei gleich bleibt. Aber das Servicepersonal des Hotelbetriebs wächst. Servicekräfte sind keine Seeleute. Sie denken auch nicht so.

Sehen Sie darin eine Gefahr?

Hansen: Die Matrosen haben eine Ausbildung, sie haben Erfahrung und im Notfall muss man den Matrosen zu 100 Prozent vertrauen können. Klar, die Hotelmitarbeiter machen ihren Job bei Evakuierungen im Notfall. Trotzdem haben wir fast die gleiche Anzahl Maschinen- und Decksbesatzung wie Hotelmitarbeiter. Auf den großen Schiffen stimmt dann aber das Verhältnis nicht.

Hat die neue Generation Kapitäne noch das richtige Seefahrer-Herz?

Hansen: Man wird auf jeden Fall heute schneller Kapitän als früher. Man wird schneller befördert. Aber als Kapitän zählt Erfahrung und nicht die Ausbildung. Außerdem sollte ein Kapitän sein Schiff kennen. In der Branche wurde so viel gebaut in den letzten zehn Jahren. Jedes Jahr kommen drei bis fünf neue Kreuzfahrtschiffe dazu.  Wie soll man so schnell Erfahrung auf so einem Schiff bekommen?

Das Thema scheint Sie sehr aufzuregen. Ist das so?

Hansen: Das regt mich sogar sehr auf. Ich glaube, die Erfahrung ist das wichtigste. Man muss wissen, wie man mit dem Team auf der Brücke umgehen muss, aber auch mit der ganzen Crew. Wer ist oben in der Pyramide und wer ist unten. Man muss als Kapitän alle kennen. Man braucht aber auch Erfahrung mit den Maschinen, mit der ganzen Technik. Ich sage immer zu meinen Jungs oben auf der Brücke, dass sie starke Schultern brauchen.

Das meinen Sie sicher nicht auf Muskelkraft bezogen...

Hansen: Im bildlichen Sinne. Auf unserem Schiff mit 1200 Gästen und 500 Besatzungsmitgliedern legen 1700 Menschen ihr Leben in die Hände der Brückencrew. Sie haben 100 Prozent Vertrauen in uns. Dieses Bewusstsein ist sehr wichtig. Wir führen keine Containerschiffe, wir sind verantwortlich für Menschen. Und da kann man sich keinen einzigen Fehler erlauben.

Was muss man für ein Typ Mensch sein, um die Verantwortung schultern zu können?

Hansen: Jeder auf seine Art und Weise. Ich habe über viele Jahre ein sehr gutes Team aufgebaut. Jeder kennt sich hier und wir arbeiten seit 2013 fest zusammen. Man braucht Vertrauen und Respekt. Auf einem Schiff herrscht nun mal eine gewisse Hierarchie und einer ist verantwortlich für alles. Dessen muss man sich bewusst sein.

Das klingt anders als die neuen Führungsstile, die in den Firmen und Konzernen an Land in Mode gekommen sind.

Hansen: Ein Schiff funktioniert anders. Jeder macht seinen Job. Teambuilding ist unglaublich wichtig. Die Mitarbeiter haben volles Vertrauen in mich und ich auch in sie. Es ist aber sehr wichtig, dass ich immer präsent bin, dass die Passagiere und die Crew mich hören, dass sie  einfach wissen, dass ich da bin und sie dadurch ein kleines Lächeln im Gesicht haben.

Ist es auf einem Schiff leichter, Chef zu sein als draußen in Konzernen?

Hansen: Ich glaube, das ist so. Die Welt könnte manchmal sowie bei uns etwas klarer, weniger bürokratisch und strukturierter sein.

Sie sind  in gewisser Weise auch Chef der Passagiere. In Zügen und in Flugzeugen haben die Piloten und Zugführer die Menschen kürzere Zeit in ihrer Obhut.

Hansen: Ich habe viele Weltreisen mitgemacht, die längste war 167 Tage mit der MS Artania. Da gibt es auch immer kleine Streits zwischen den Passagieren z.B. um einen Barsessel. Der eine sitzt da seit zwei Monaten und nun will da ein anderer drauf. Das ist immer eine Herausforderung. Für eine Weltreise sollte man fit sein. Man träumt von einer bestimmten Freiheit und landet letztlich doch in einer Routine, wo alles geregelt ist. Wichtig ist, dass man Freundschaften knüpft. Und man benötigt Disziplin. Man hat hier eine kleine Kabine. Das ist nicht wie zu Hause. Gutes Essen haben wir, aber man muss sich mental einstellen. Wir hatten auch Ehepaare, die haben sich nach der Reise getrennt. Da muss ein Kapitän auch manchmal durchgreifen.

Und wie ist das mit der Crew – gehen die sich nach ein paar Monaten auch mal bildlich an die Gurgel?

Hansen: Nein! Die Asiaten und die Mitarbeiter von den Philippinen sind es gewohnt, lange eng zusammen zu arbeiten und zu wohnen. Und das Team oben hat seine tägliche Routine. Das funktioniert. Man merkt aber schon, nach drei Monaten braucht man bisschen Abstand und bisschen andere Umgebung, um Energie aufzutanken. Aber generell ist das unser Lebensstil.

Ist es so, das man einmal losfährt und nicht mehr vom Schiff wegkommt?

Hansen: Viele, viele… Wir haben eine 92-Jährige bei Phoenix, die ist immer dabei. Es gibt auch viele ältere Reiseleiter, die immer mitfahren. Die kommen einfach nicht weg von diesem Beruf.

Woran liegt das?

Hansen: Das hier ist so eine kleine Miniwelt. Man kommt schnell in diesen Lebensstil rein. Entweder man mag es oder nicht. Aber wenn man es wirklich liebt, das Reisen mit dem Team und den Lebensstil, dann kommt man nicht weg. Auch für die Asiaten und die philippinischen Mitarbeiter ist das hier eine super Chance. Die verdienen hier gutes Geld für zu Hause.

Die Filipinos sind ein richtiges Seefahrervolk, oder?

Hansen: Von den 108 Millionen Einwohnern der Philippinen arbeiten rund 15 Millionen Menschen als Dienstmädchen, Krankenpfleger oder andere Crew auf Schiffen im Ausland. Die bringen ihr Geld nach Hause und ernähren nicht nur eine Familie, sondern noch Oma, Opa, Tante...

Wie oft sind Sie an Land?

Hansen: Früher war ich rund drei Viertel des Jahres unterwegs. Aber die letzten 10 Jahre haben wir immer ein halbes Jahr zu Hause und ein halbes Jahr an Bord verbracht. Man sollte das kombinieren.

Wie machen Sie das mit Freunden?

Hansen: Ich wohne in einem kleinen Ort in Österreich. Wenn ich nach Hause komme und erzähle, glauben die, ich war auf dem Mond. Für mich ist es normal und für die anderen ist es Abenteuer pur.

Haben Sie irgendwann aufgehört, zu erzählen?

Hansen: Ja, das ist besser. Sie fragen nur, wie die Tour war und ich sage, dass sie gut war. Fertig!

Glauben Sie, Sie kommen irgendwann mal zum Leben an Land zurück?

Hansen: Seeleute haben, wie gesagt, oft Probleme aufzuhören. Ich bin da sicher nicht anders. Das ganze Leben ist man immer unterwegs und dann soll man nur zu Hause sein? Man müsste dann ein Hobby finden und selbst sehr aktiv sein. Aber das ist sehr schwer. Ich hatte eine Kollegin, die ist in Rente gegangen, hat dann nur in ihrem Sessel gesessen und ist nach vier Monaten gestorben.

Wie lange darf man denn als Kapitän fahren?

Hansen: Da gibt es keine obere Grenze. Solange man gesund ist und man sein Patent hat, ist alles okay. Das Patent wird aller zwei Jahre überprüft und aller fünf Jahre muss man es erneuern. Wenn alles gut ist, darf man fahren.

Heißt das, dass Sie zur See fahren werden so lange man Sie lässt?

Hansen: So lange möchte ich das nicht. Man sollte sein Leben auch ein bisschen genießen nach seiner Karriere. Ich habe viele Hobbys. Golfen, Fahrrad fahren, Natur und Wandern.

Ich stelle mir das schwer vor…

Hansen: Das stimmt schon. Ich kenne kein anderes Leben, keinen anderen Beruf. Ich bin mit der Seefahrt aufgewachsen, habe drei Jahre auf Schiffe verbracht bevor ich in die Schule kam. In meiner Schulklasse in Norwegen sind von 14 Jungen 10 zur See gegangen. Es bestand nur die Frage, ob man auf ein Linienschiff, ein Tankschiff oder ein Kreuzfahrtschiff möchte.

Ein ganzes Leben für die Seefahrt. Was waren die beeindruckendsten Momente?

Hansen: Die letzten Monate mit der Pandemie waren die schlimmsten in meinem Leben.  Damals in Australien, als 2019 unsere Weltreise abgebrochen wurde, war das eine schlimme Erfahrung.  Aber gleichzeitig habe ich mein Team sehr gut kennengelernt. Ich weiß jetzt genau, welcher Person ich in einem Notfall vertrauen kann.

Was haben Sie generell vom Leben gelernt?

Hansen: Gelernt habe ich, dass man mit Freundlichkeit immer durchkommt. Ich habe unglaublich viele nette Menschen kennengelernt. Auf einem Kreuzfahrtschiff muss man Menschen mögen, auf einem Containerschiff nicht.

Was haben Sie über die Menschen gelernt?

Hansen: Ich glaube, jeder Mensch hat seine guten Seiten. Aber manche verstecken die. Das wichtigste ist, dass man sich ihre Beschwerden oder Probleme anhört. Man muss sich diese Zeit nehmen. Manche Leute regen sich an Bord richtig auf und wollen mich unbedingt sprechen. Wenn sie dann bei mir sind, ist schon alles wieder gut.

Fühlen die dann Anerkennung, wenn Sie als Kapitän mit ihnen reden?

Hansen: Ich bin kein Psychologe, aber das hat wohl etwas damit zu tun. Ich nehme mir immer Zeit, auch wenn es nur fünf Minuten sind. Und dann kommt oft „Ach das war so eine schöne Reise, Herr Kapitän.“ Ich frage mich oft, liegt das jetzt nur an meinen vier Streifen oder weil ich in der Pyramide der oberste bin? Mir kann keiner die Antwort geben, warum das so ist. Aber in den vielen Jahren bin ich vielen guten Menschen begegnet. Inzwischen kann ich mit einem Blick sehen, wer gut ist und wer böse.

Gibt es richtig böse Menschen?

Hansen: Ja, die gibt es. Bei 95 Prozent gibt es etwas, was sie rauslassen müssen. Man weiß nicht immer, was dahinter steckt. Manche haben für diese Weltreise lange gespart und dann passt alles nicht. Wir haben mit Phoenix viel Glück gehabt: die TV- Serie „Verrückt nach Meer“ begleitet uns jetzt fast zehn Jahre. Ich bin eine ganz offene Person, aber manchmal nervt es. Foto hier und Film da. Nach den Jahren im Fernsehen gibt es ein Phänomen, dass die Leute einen scheinbar besser kennen als man selbst. Die sind fokussiert auf den Typ Hansen und behandeln mich fast wie Eigentum. Manche waren nie mit dem Schiff unterwegs, aber die kennen alle Meldungen und lesen jeden Tratsch.

Das haben Sie auch nicht gedacht, dass Sie mal Fernsehstar werden. Oder?

Hansen: Nein, nein! Halleluja! Aber es hat auch seine guten Seiten. Besonders in der Covid-Zeit haben wir viele Meldungen bekommen, dass wir mit der Serie den Menschen den traurigen Alltag verschönern. Das ist auch gut.

Wenn sich junge Menschen durch dieses Interview inspiriert fühlen, selbst Kapitän zu werden, was raten Sie ihnen?

Hansen: Heute gibt es Bachelor- und Master-Ausbildungen in Flensburg und in Bremen. Meine Ausbildung war anders. Ich habe als Deck-Bub angefangen, war dann auf einem Kadett-Segelschiff in Norwegen. Da hat man alles gelernt, auch wie man sich an Bord zu benehmen hat, wie man das Deck schrubbt, wie man mit Stahlseilen und Seilen umgeht, mit Rettungsbooten. Dann war man vier Jahre als Jungmann, Matrose und Bootsmann auf verschiedenen Schiffen. Dann konnte man auf die Steuermannschule gehen: drei Jahre Schule, drei Jahre Praktikum. Dann erst war man bereit für das Kapitänspatent.

Und heute?

Hansen: Ich schätze, es sind sechs bis sieben Jahre Ausbildung mit Praktikum insgesamt.

Würden Sie den Job des Kapitäns empfehlen?

Hansen: Ich würde es Jedem empfehlen. Man erlebt sehr viel, macht unglaubliche Erfahrungen. Es ist ein toller Beruf. Das Schiff ist heute so komplex, dass man auch eine technische Ausbildung braucht. Das wichtigste ist aber immer noch, dass man von A nach B und sicher in den Hafen kommt.

Sie haben die ganze Welt gesehen? Was gefällt Ihnen am besten?

Hansen: Ein schöner Fjord in Norwegen. Der hat eine besondere Energie. Als Norweger und Wahl-Österreicher spüre ich diese Energie. Die Passagen in Norwegen sind für einen Kapitän auch herausfordernd. Aber es gibt natürlich noch viele andere, wunderschöne Orte: die Südsee, die Karibik, Japan und Tausende andere schöne Routen..

Sie kennen die Welt seit Jahren. Viele leugnen den Klimawandel. Haben Sie ihn gesehen?

Hansen: Absolut! Allein die Route in der Ostsee. Hast Du die braune Brühe gesehen, wo wir durchgefahren sind? Diese Algenplage ist neuerdings schlimm geworden. Mit den Jahrzehnten hat die Umweltverschmutzung extrem zugenommen. Wir haben auch dazu gelernt. In alten Zeiten wurde alles in´s Meer rausgelassen. Das ist heute verboten. Wenn man allein das Mittelmeer betrachtet: Selbst wenn man sofort jeden schädlichen Eintrag stoppen würde, muss das Wasser rund 100 Jahre zirkulieren bis es wieder sauber ist.

Und wie sieht es in der Ferne aus?

Hansen: Genau so schlimm. Man kommt an eine schönen Insel mit paradiesischem Namen und dann liegt da alles voll Müll. Letztlich kommt alles ins Meer. Gletscher, die wir in Spitzbergen kannten, die waren jetzt weg. Und das passiert alles sehr schnell heutzutage. Das schlimmste ist Plastik.

Sehen Sie eine Lösung?

Hansen: Wir haben zum Beispiel auf Glas umgestellt. Man braucht auch keinen Strohhalm zum Trinken Aber das sind nur Kleinigkeiten im Verhältnis zum großen Ganzen. Irgendwann müssen wir den Preis für alles bezahlen. Leider. Die Bremse kann man nicht mehr ziehen.