41. Beitrag: "Bora Bora: Champagner im Regen" (14. Februar)

Sie gilt als eine der schönsten Inseln der Welt. Zwei Mal war ich auf Bora Bora und wieder muss ich feststellen, nicht der Ort ist, was den Eindruck und die Erinnerung bestimmt - es sind die Menschen, das Wetter und die Länge der Party, die man in der Nacht vor dem Besuch gefeiert hat...
Unsere Party war lang gewesen, sehr lang. Bei der letzten Weltreise bin ich in der Südsee meist ohne Schlaf zum Frühstück und dann zum Ausflug gegangen. Schließlich ist man nicht so oft mit einem schönen Schiff unterwegs. Außerdem wird man viele der Leute nie mehr wieder sehen und man kommt nicht jeden Tag an diesen schönen Orten vorbei. Man will also möglichst alles mitnehmen und schlafen stört einfach.

Aber weil ich inzwischen schon etwas älter bin, immerhin 32 Jahre, habe ich mir vor Bora Bora zwei Stunden Schlaf gegönnt. Gebracht hat es nichts. Hundemüde stand ich mit Louisa am Tenderboot und wartete auf unsere Freunde. Auch sie hatten gefeiert und ich schob die angespannte Stimmung mal da drauf. Das Wetter hatte auch kein Einsehen. Es regnete wie aus Kannen. Bei der ersten Reise hatten wir in der Südsee vier Wochen lang jeden Tag Postkartenwetter gehabt, jeden Tag einmalige Sonnenaufgänge und romantische Sunsets. Und dieses Mal auf Bora Bora? Grauer Himmel, Wolken und "viel nass". Meine Freunde entschieden sich, das gemietete Boot wieder abzubestellen. Schade. Stattdessen wollten sie an einen Strand mit einer überdachten Möglichkeit, unsere Picknickboxen auszupacken. Nun ist es ja so, dass man ein Picknick auf Bora Bora so und so gestalten kann. Für die einen ist es das Wurstbrot vom Frühstück stibitzt, für die anderen... Nun, ich erzähle euch später was in den Frischhalteboxen war.

Jedenfalls saßen wir erstmal auf den nassen Pritschen eines rüttelnden und schüttelnden Wagens. Wir fuhren über schlammige Straßen, durch Matsch und Riesenpfützen. Meine Begleiter sahen aus wie das Wetter: grimmig, grau und trübe. Ich entwickelte einen mir eigenen Humor in solchen Lagen und ehrlich gesagt - ich genoss das Wetter und die Situation. Es war eben einmal etwas anderes und ich war gespannt, wie sich der Tag weiter entwickeln würde.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit, den Partyfeierern bekam das Wackeln des Autos nicht wirklich gut, hielten wir an einem Strand. Hier gab es zwar ein Dach, aber darunter nichts zum Setzen außer einem nassen, kalten Steinfußboden. Es regnete immer schlimmer und ich sah in ratlose Gesichter.

Das Schöne auf dieser Weltreise auf der "MS Amadea" war für mich, dass ich die Dinge nicht selbst in die Hand nehmen musste. Der Tagesablauf auf dem Schiff lief nach Plan vom Essen bis zum Massagetermin. Die Häfen und Liegezeiten waren vorgegeben und es waren andere Leute da, die alles organisierten. Das genoss ich sehr. Sonst musste ich immer alles in meinem Leben in die Hand nehmen und die Leute verließen sich darauf, dass ich schon alles arrangierte. Obwohl ich das auch zu Hause eigentlich nie wollte, blieb mir oft nichts anderes übrig, wenn ich es schön haben wollte. Nun, hier im strömenden Regen auf Bora Bora mit Blick auf die verlockenden Picknickboxen musste ich den Schalter eben mal wieder umlegen. À la "Anja macht das schon" ging ich los und arrangierte in einem nahe gelegenen Hotel einen wunderschönen Platz am Strand. Ich redete mit dem Rezeptionisten, dann mit seinem Chef, dann mit dem General Manager. Zweimal bekam ich ein "Nein." und jeder normale Mensch wäre schon längst resignierend davon geeilt. Aber diese geheimnisvollen Picknickboxen gaben mir Kraft.

Erstes Einlenken: Wir könnten rein mit Miete, aber ohne eigenes Essen. Nächster Schritt: Wir könnten rein ohne Miete zu zahlen, aber immer noch ohne eigenes Essen. Schritt drei: Keine Miete, eigenes Essen. So war das in meinem Leben immer. Wenn die Leute gleich "Ja" sagen würden, könnten sie und ich uns viel Zeit sparen. Also flitzte ich durch die offenen Hotelanlagen, dann zwischen den für die Südsee typischen Bungalows herum und am Hotelstrand entlang bis ich, bis auf die Haut nass, meinen Lieblingsplatz gefunden hatte. Ein Bootssteg mit Tischen, Stühlen und Dach. Die Bootsführer wollten schon wieder mit mir diskutieren und ich sagte nur: "Just call the General Manager". Sie telefonierten ein letztes Mal und dann war der Weg frei.

So wurde es noch ein wirklich netter Tag. Wir konnten vom Steg aus ins Meer springen, hatten den Blick auf einen Traumstrand und Louisa entdeckte beim schnorcheln viele Fische. Und das Beste - voilá - die Picknickboxen. Heraus kam ein weißes Tischtuch, drei Platten mit verschiedenen Sushi und Maki, Räucherlachs und Kaviar. Dazu gab es das einzige Getränk, was man im strömenden Regen barfuss auf einem Bootsteg auf Bora Bora trinken sollte - Champagner von Moet.
Ich stand da am Strand und war völlig geschafft. Meine Freunde genossen das Meer, schwammen, schnorchelten und bauten mit Louisa Kleckerburgen. Die kamen natürlich bei weitem nicht an meine Bauwerke sonst heran.

War es ein toller Tag auf  Bora Bora? Es war natürlich eine tolle Kulisse und es hätten wieder einige jener einmaligen Augenblicke dieser Reise sein können, die wie ich immer sage, hollywoodlike und filmreif waren. Aber... Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, ich hätte doch lieber alles dem Selbstlauf überlassen sollen. Wenn man etwas zu sehr möchte, gerät man unter Druck und macht manchmal zu viel. (Wieder eine These, die ich meinem Lehrbuch dieser Weltreise zufügen werde.). Also würde ich diese Reise auf der "MS Amadea" von nun an wieder weiter genießen indem ich mich zurück lehnte und die anderen organisieren und entscheiden lassen. Das hatte ich schließlich auch mal verdient.

Von Bora Bora selbst haben wir auch auf dem Rückweg nicht viel gesehen außer Regen und nochmals Regen. Bei unserem letzten Besuch hatte sich mir die ganze Schönheit der Insel bei einem Hubschrauberflug erschlossen. Ich erinnere mich an die farbenprächtige Lagune und das kranzförmige Riff, das gegenüber des Hauptortes Vaitape einen Durchgang zum offenen Meer hatte. Wir waren damals über die 38qkm große Insel geflogen, hatten vom Hubschrauber aus Fische und Rochen im Meer gesehen. So klar war das Wasser. Wir waren zum 727 m hohen erloschenen Vulkan Otemanu geflogen und unser Pilot, der die Prominenten der Welt sonst in seinem Hubschrauber mitnahm (von Bill Gates bis Pierce Brosnan) hatte unsere Nerven beim "Wir stoßen den Vulkan fast um" – Spiel getestet. Bei unserem Besuch dieses Mal konnte man von all der Schönheit nichts sehen. Selbst die vorgelagerten Laguneninseln , die Motus, verschwammen im grauen Regenschleier. Auf solch einem Motu hatten bereits die Amerikaner im zweiten Weltkrieg einen Flughafen angelegt, der heute für die zahlreichen Touristen genutzt wird. Diese übrigens sind hier in der Überzahl gegenüber den 4200 Einwohnern. Entsprechend kommerziell wird die Insel vermarktet, was in meinen Augen nichts von der Schönheit und dem besonderen Flair nimmt.
Aber jeder Eindruck ist subjektiv und verschieden, so wie bei unseren zwei Besuchen auf Bora Bora. Aber aller guten Dinge sind drei. Schon in fünf Tagen würde die "MS Amadea" wieder hier sein. Als ob die Routenplaner von Phoenix damals geahnt hätten, das wir eine neue Chance brauchten. Wir würden sie bekommen.

Anja Fließbach: Mittwoch, 14 Februar 2007, 15:13 Uhr

Kommentare zum 41. Beitrag

Liebe Anja. Du bist unglaublich. Du kannst sogar einen Kater, Mistwetter und abgesagte Pläne genießen. Was noch unglaublicher ist, ich nehme dir diese Einstellung voll ab. Deine humorvollen Worte klingen sehr ehrlich. Aber nun verrate uns doch mal, wie du das machst? Man.

Kommentiert von: Man. | Mittwoch, 14 Februar 2007, 16:16 Uhr

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Liebe Anja. Ich schon wieder. Schon wieder hast du den Finger auf dem Punkt. Jeder muss sein Leben selbst organisieren, wenn er es schön haben will. Besonders die Frauen sind da gefragt, weil die Männer es nicht drauf haben, sich zu kümmern. Die Sache mit den Dingen, die man unbedingt haben will? Nur zurück gelehnt hast du dich bisher auch nicht und sieh wo du bist. Vom Selbstlauf wird nichts. Man.

Kommentiert von: Man. | Mittwoch, 14 Februar 2007, 16:23 Uhr

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Hallo Anja, liebe Webloger
...wenn ich denn mal Zeit habe, lese ich in einem Stück diese tollen Berichte hintereinander und natürlich die dazugehörigen Kommentare. Wer oder was regt sich da eigentlich ständig über was auf? Egal wie Du (Frau Fließbach) schreibst - ob emotional, tiefsinnig oder cool, locker oder reiseberichtsmäßig, ich sehe es positiv und unterhaltsam. So ist das nun mal auf einem Schiff es geht auf und ab und diese bezw. deine Stimmungen kommen rüber. Die Leser-Resonanz ist doch ok ob Zustimmung, ob tröstend oder kritisch - genau das ist es, was unsere liebe “Hauptperson“ damit gewollt oder ungewollt provoziert. Und Sie tut dies mit all´ ihren Talenten und in all´ ihren Facetten. Mir gefällt das denn es liest sich immer authentisch! Deshalb ist sie noch lange keine Heldin, Superpowerfrau, Emanze, Teeny oder vereinsamte Trauerweide oder gar übermäßig cool. Anja hat Mut und Tatkraft und sie macht sich „öffentlich“ ob aus Verzweiflung oder aus Geschäftssinn oder Naivität oder purer Lebenslust.Am besten sind die Thesen der Webloger ob sie einen Mann braucht oder nicht.Ich sage mal so: Liebe und Wärme, Vertrauen und Halt sind Grundbedürfnisse auch für Frau Fließbach aber hier schweigt sich unsere sensible Autorin weitgehendst und geschmackvoll aus. Du tust recht daran! Wir lieben Dich doch alle und manche ein wenig mehr - auch ohne Big Brothertheater.
Herzlichst Jo

Kommentiert von: Jo | Mittwoch, 14 Februar 2007, 18:04 Uhr

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Thema Postkarten: Wenn dies die einzige Möglichkeit ist von Dir und Louisa mal was zu erfahren, melde ich mich hiermit artig für eine Postkarte an. Liebe Grüße an Louisa von Papa.

Kommentiert von: Pit | Donnerstag, 15 Februar 2007, 17:41 Uhr

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(Letzte Aktualisierung: 18.02.2007)