11. Beitrag: "Deutsche Männer sind die besten" (4. Januar)

Wir trafen Patricia am Hafen von Salvador de Bahia. Sie war schlank, hatte dunkle Haare und wir verstanden uns sofort. Winnie, der für Juwelier Stern an Bord arbeitet, hatte uns mit der 37-Jährigen Frau bekannt gemacht. Brasilianerin, allein erziehend, in München studiert. Sie nahm uns für einen Tag mit in ihre Stadt und in ihr Leben...
Auf dem Weg zu ihrer Wohnung erzählt sie uns etwas über Salvador, das 1530 gegründet wurde und später die erste Hauptstadt Brasiliens war. Sie erzählt uns von der Kombination von afrikanischen, indianischen und europäischen Elementen und der dadurch entstandenen eigenen Kultur und Lebensweise. Wir halten kurz am Chega-Nego, dem Strand in ihrem Viertel und sie erklärt uns die Aufteilung: "Hier liegen die homosexuellen Männer", sagt sie und zeigt mit ausgestrecktem Arm auf den rechten Strandteil. "Daneben die lesbischen Frauen, dann die Marihuana-Raucher, daneben die Paare und ganz an der Seite die Familien." Alles sei akzeptiert und toleriert. Auch wenn ab fünf Uhr nachmittags der Duft der Drogen den Strand erfüllt, fühle sie sich sicher. "Ich bin noch nie überfallen wurden", erklärt sie, warnte uns aber vor unserer nächsten Station Rio de Janeiro. Letzten Donnerstag hatten dort die Drogenbosse zeitgleich mehrere Anschläge in der Stadt verübt, waren mit Handgranaten und Maschinenpistolen auf Polizisten und Zivilbevölkerung losgegangen und hatten öffentliche Busse ohne und mit Fahrgästen verbrannt. Es hatte mindestens 18 Tote und viele Verletzte gegeben. Wir suchen uns einen schattigen Platz und Patricia erklärt mir die momentane Situation mit den Favelas (Slums). "Die Drogenbosse haben die Favelas unter ihre Hand gebracht. Ehemalige Polizisten und Militärs haben sich nun zu Milizen zusammengeschlossen und kämpfen gegen die Drogenbosse. Diese wiederum wollen außerdem verhindern, dass neue Gesetze gegen sie erlassen werden und demonstrieren ihre Macht", erklärt die junge Frau. "Ihr müsst also in Rio noch vorsichtiger sein als normalerweise."

Patricia lebt mit ihrer Tochter Clara in einem Hochhaus. Ein Sicherheitsmann sitzt am Eingang. "Die bewachen das Haus 24 Stunden am Tag",  meint Patricia. Wir laufen in die zweite Etage, vorbei an offenen Wohnungen aus denen laute Musik kommt, werfen einen Blick auf Großfamilien in engen Räumen. Patricias 41qm große Wohnung ist klein, aber gemütlich, einfach, aber sauber. "Nicht mit dem deutschen Standart zu vergleichen", entschuldigt sich die Angestellte, die beim Goethe-Institut arbeitet. Dort verdient sie 900 Real im Monat (2,70 Real sind ein Euro), mit Zusatzjobs wie Übersetzungen kommt sie auf insgesamt 2000 Real. Damit gehört sie zur besseren Mittelschicht, die sich nicht mit den Armen oder Reichen mischt. "Bei uns herrschen feudale Verhältnisse", beschreibt sie. So leistet sie sich für 300 Real im Monat ein Kindermädchen (plus Transport und staatliche Abgaben 450 Real), wird später für die Privatschule 500 Real zahlen müssen ("Öffentliche Schulen sind nicht sicher und nur für die Armen"), kostet die Wohnung 560 Real mit Nebenkosten, die private Krankenversicherung 200 Euro. "Bevor ich beim Goethe-Institut arbeitete, hatte ich sechs Monate lang keinen Job, kein Geld und musste überlegen, wie ich das Brot bezahlen sollte."

Bevor Patricia ihre Tochter vom Vater abholt, nimmt sie uns mit ins Einkaufszentrum "Barra". Es ist modern, groß, klimatisiert und von "Subway" bis "C&A" ist alles vorhanden, was wir kennen und kennen lernen. "Obwohl in Salvador 80 Prozent der Bevölkerung schwarz sind, siehst du hier drinnen nur Weiße", sagt sie und es stimmt. Wir gehen durch einen Supermarkt, dann durch ein paar Boutiquen und kaufen Kleinigkeiten.
Beim Lunch treffen wir Patricias Freund Sergio (43). Er ist Architekt und unterhält sich mit mir in fließendem Französisch. Das Essen ist präsentiert wie in einer kleinen Kantine, man zahlt nach Gewicht. Wir probieren von den brasilianischen Köstlichkeiten, nehmen von jedem etwas. "Das schmeckt wie Seife", urteilt meine Tochter und genießt zumindest den frischen Melonensaft.
Patricia erzählt, dass 60 Prozent der Haushalte in Brasilien von Frauen geführt und gemanagt werden. Es gibt sehr viele allein Erziehende. "Verheiratet zu sein, spielt hier keine Rolle. Erstens gibt es viele Heiratsschwindler, die mehrere Frauen heiraten und zweitens ist man ohne Probleme schnell wieder geschieden." Dafür wird man vom Gesetzgeber schon wie verheiratet anerkannt, wenn man drei Jahre zusammen lebt.

Die Beziehung zum charmanten und klugen Sergio ist noch neu. Patricias Geschichte, die sie uns im Auto erzählt, etwas traurig. "Ich war nach dem Studium in München schon fast verheiratet, bekam dann einen Job in Brasilien." Dort wurde sie bei einer kurzen Affäre mit einem Musiker schwanger. Die Brasilianerin hätte zwar zu ihrem deutschen Freund zurückgehen können, aber ohne Kind. Sie entschied sich für ihre Tochter, hatte aber Angst, sie in Deutschland allein großzuziehen. "Allein mit Kind ist es in Brasilien besser. Alle sind kinderlieb und es ist normal, Kindermädchen zu haben."
Trotzdem ist sie ein wenig traurig, träumt vom Leben in Deutschland und, das spüren wir ohne Worte, von diesem Mann, der inzwischen verheiratet ist.
Der Vater von Clara trägt bunte Kleidung und lange Haare. "Brasilianischer Pop", beschreibt Patricia seine Musikrichtung. Das kleine Mädchen mit den großen blauen Augen ist drei Jahre alt und freundet sich sofort mit Louisa an, als sie in unser Auto einsteigt. Sie winkt ihrem Vater kurz. Die Mädchen spielen, halten sich an den Händen und spazieren anschließend gemeinsam vor uns durch die Altstadt von Salvador de Bahia. "Wir dürfen die Kinder nicht aus den Augen lassen", warnt Patricia. "Der Menschenhandel blüht. Hübsche Kinder sind hier begehrt." Die Cidade Alta, Salvadors Oberstadt, wurde 1985 von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit erklärt und 1993/94 restauriert. "Alle Anwohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Heute ist hier alles für die Touristen", erklärt Patricia beim Spaziergang und vermutet, dass die Hälfte des Geldes der UNESCO in private Taschen gewandert sei. Sie zeigt uns auch die kaputten Ecken der Oberstadt. Die restaurierten barocken Kirchen und Häuser um den Platz Terreiro de Jesus allerdings sind malerisch schön wie die mächtige Catedral Basilica oder die Kirche Sao Pedro dos Clerigos aus dem 18. Jahrhundert.

Bei einem abschließenden Plausch in Patricias Lieblingscafé versprechen wir, in Verbindung zu bleiben. Sie lädt uns ein, ein paar Wochen bei ihr zu wohnen. Wir versprechen, deutsche Bücher für ihre Tochter zu schicken. Die beiden Mädchen sitzen zusammen auf einem Stuhl und füttern sich gegenseitig mit einer Art Weizen-Kuchen.
Zum Abschluss wird Patricia eindringlich: "Ihr habt so gute Männer in Deutschland." Skeptisch schaue ich sie an. "Sie sind herzlich, kümmern sich um die Familie, um die Frauen. Sie gehen mit aus ins Kino, ins Theater. Sie hören zu und sorgen für einen. Brasilianische Männer sind sexy, gut fürs Bett und dann kommt nichts mehr."
Die Verabschiedung am Hafen ist herzlich. Patricia umarmt uns und Clara und Louisa winken, bis sie sich nicht mehr sehen können. "Até logo. Ciau. Auf Wiedersehen."

Autorin: Anja K. Fließbach
(Geschrieben am Donnerstag, dem 4. Januar 2007, 21:32 Uhr)

Kommentare zum 11. Beitrag

Endlich mal eine Frau, die das erkennt. Die deutschen Frauen haben an uns Männern viel zu viel auszusetzen. Frauen in anderen Ländern wissen unsere Tugenden wenigstens zu schätzen.

Kommentiert von: Sascha | Montag, 8 Januar 2007, 4:12 Uhr

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ja... ausser, dass ihr scheisse im bett seit...man muss wissen, was man als frau will....

Kommentiert von: cara | Dienstag, 9 Januar 2007, 8:20 Uhr

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(Letzte Aktualisierung: 10.01.2007)