105. Beitrag: "Die Reiseleiter und ich" (26. April)

Diese Geschichte ist eine Geschichte, die nicht fließend erzählt werden kann, weil sie sehr zäh begann, sich stellenweise gut bewegte, dann wieder durch herein geworfene Brocken gestaut wurde und durch Widerstände hin und wieder ziemliche Stromschnellen und Strudel bildete. Das Wasser war immer recht kühl und ich war froh, wenn ich außerhalb ein paar Leute mit trockenen Handtüchern und einem warmen Tee fand...
(Natürlich übertreibe ich wieder und eigentlich soll dieser Text ein Dankeschön werden, auch wenn er auf den ersten Blick nicht so aussieht. Ihr müsst bis zum Schluss lesen. Also weiter...)
Trotzdem sind die Phoenix-Reiseleiter auf der Amadea tolle Typen und jeder von denen wird sagen, es lag an mir. Und so war es auch. Mein Bild von Reiseleitern auf einem Schiff war sehr durch meine erste Weltreise geprägt. Dort waren die Reiseleiter schon fast mehr als ein herzlicher Gastgeber, sie waren fast wie eine Mutter, die die Gäste kraftvoll an ihr Herz gedrückt haben und mit ihren warmen Armen einem ein Gefühl von Geborgenheit vermittelten. Ich übertreibe natürlich wieder. Aber ich hatte mich immer willkommen gefühlt, wenn sie freundlich grüßten, aufgeschlossen lächelten und sich freundschaftlich mit uns unterhielten. Das so genannte Socializing stand auf ihrem Arbeitsplan für den Tag und sie saßen fast nie zusammen als Clique an einem Tisch, sondern achteten darauf, dass sie aufgeteilt an den Tischen mit Passagieren saßen: beim Frühstück, Mittag, Kaffee und am Abend in den Bars.
(Jetzt werden die Reiseleiter auf der Amadea sich wünschen, ich würde einfach auf das Dankeschön verzichten. Ich verzichte aber nicht. Also weiter...)
Aber die Philosophie der Reiseleiter auf der Amadea ist auch eine ganz andere, wie auch das Schiff eine andere Philosophie hat. Ich bin kein Kreuzfahrt-Experte. Ich bin Passagier, Beobachter und bilde mir eine Meinung, die subjektiv ist. Ich sehe die Amadea generell etwas zurück haltender, dadurch auch stilvoller und dezenter. Die Passagiere werden als Erwachsene behandelt, die selbst entscheiden können und sollen, welche Art von Kreuzfahrt bzw. Weltreise sie wollen. Schon oft habe ich diese Wahlmöglichkeit als sehr positiv heraus gestellt - zum Beispiel als ich die Gala schwänzte und mein Essen still auf meinem privaten Balkon genoss. Der Passagier wird hier als mündiger Mensch behandelt, der sich seine Freunde suchen kann, seine Aktivitäten aussuchen und am Schiffsleben teilnimmt oder sich zurückzieht. Besonders aufgefallen ist mir das an zwei Dingen:
Es gibt keine festen Tischzeiten oder Sitzordnungen. Man entscheidet selbst, wann man essen gehen möchte, in welches der zwei Restaurants ("Amadea" oder "Vier Jahreszeiten") und mit wem man am Tisch sitzen will. Diese Flexibilität gibt den Passagieren den Freiraum für eigene Entscheidungen, erfordert aber auch eine gewisse Selbstorganisation.
Man kann wählen zwischen einem durchorganisiertem Ausflug und dem sogenannten freien Landgang. Beides wird durch Phoenix unterstützt und man hat nie das Gefühl einer Gängelei. Die Ausflüge, die man im Bordreisebüro buchen kann, habe ich immer als überdurchschnittlich abwechslungsreich empfunden, vor allem die in Asien. Wenn dann noch die Bordreisebüroleiterin ab und zu mal lächeln würde und kleine Fehler des Büros in einer freundlichen Art klären würde, wäre dieser Teil fast kritiklos. Daneben bekommen die Amadea - Passagiere aber für jedes Land so exakte Tipps für den "individuellen Landgang" mit dem Tagesprogramm auf die Kabine geschickt, dass man sich schnell und sicher allein im entsprechenden Land zurecht findet. Toller Service!
Und so erwachsen, wie die Passagiere an den zwei Beispielen erklärt, behandelt werden, verhalten sich auch die Reiseleiter ihnen gegenüber. Sie sind nicht die "Freunde der Passagiere", sondern erfüllen Aufgaben im Büro, Sekretariat, im Ausflugsbüro und als Künstlerbetreuer. Diesen Arbeitsinhalt und das Pensum unterschätzt man oft, weil es im Verborgenen geschieht.
Für die Herzlichkeit und Fürsorge gegenüber den Passagieren ist dafür der Chef der Reiseleiter prädestiniert, der Kreuzfahrtleiter. Der macht das wiederum so liebevoll und charmant, dass er die Kühle einiger Mitarbeiter doppelt kompensiert und insofern stimmt das Gleichgewicht wieder.
Meine Tochter übrigens hat die Reiseleiter gern und Louisa hat ein gutes Gespür für Menschen. Und so kommt es vor, dass mich manche Gesten meiner Tochter gegenüber verblüffen. Zum Beispiel, wenn Manuela sie in die Bibliothek mitnimmt, um ihr ein Märchen vorzulesen oder wenn Jean Jacques ihr ihren Lieblingsfilm ins offizielle Fernsehprogramm stellt. Das sind die kleinen Aufmerksamkeiten, die nicht selbstverständlich sind und mich versöhnen.
Zum Schluss noch ein Lob an die Reiseleiter, die für das Kidstreffen eingeteilt waren. Wenn auch manchmal nur ein, zwei oder drei andere Kinder außer Louisa mit an Bord waren, auf zwei Abschnitten sie sogar das einzige Kind war, war das Kidstreffen an Seetagen vormittags für zwei Stunden ein Highlight, das Louisa genossen hat. Sie wird wohl nie wieder in ihrem Leben so oft Kartenspielen wie in den letzten Wochen. Einen besonderer Gruß und Dank also an Soraya, die den kleinen Garten angepflanzt hat, Güli, die mit ihrem Lachen und ihrer Herzlichkeit meinen ursprünglichen Reiseleitervorstellungen entsprach (leider war sie nur zwei Wochen da), Nicole, die die Sache professionell meisterte, Katharina, die für die dreijährige Lucy eine tolle Geburtstagsparty organisiert hatte und Anna, die wie alle anderen gern Uno spielt. Gruß und Dank auch an Philipp, der zwar nichts mit dem Kidstreffen zu tun hatte, der auch nur kurz da war, aber den Louisa sehr gern mochte.
Als Dankeschön hat Louisa für die Reiseleiter ein Bild für das Office gemalt. Ihr könnt ja mal versuchen, die Namen rauszubekommen.
Liebe Reiseleiter, vielen Dank an euch und vielleicht fahren wir beim nächsten Mal zusammen in wärmeren Gewässern.
Manuelas Spruch des Tages: "Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann." Christian Morgenstern (Den habe ich wirklich nicht ausgesucht, steht heute im Tagesprogramm)
Musiktipp zur Stimmung: Ich komme gerade nicht so zur Ruhe, dass ich meine Musik genießen kann. Das hat aber nichts mit den Reiseleitern, sondern mit dem Countdown der Weltreise zu tun.

Anja Fließbach: Donnerstag, 26 April 2007, 13:49 Uhr