Helden auf Solotour

Samstagabend kann ich mir Zeit lassen. Keiner meiner Freunde wird mich vor elf kontaktieren oder vermissen, denn sie sind Single. Ich bin es nicht. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, fragen Sie sich? Ganz einfach: Zauberwort Internet. Unansprechbar sitzen sie mit größtem Eifer vor dem Rechner. Mehrere Seiten sind gleichzeitig geöffnet, der Inhalt ist überall gleich: Communities, Flirtpage, Singlebörse … wie auch immer. Mit bedeutungsschwangeren Namen wie Spyder76 oder NotBad wird durch den „Wer ist online?“-Bereich gescrollt, mit kritischem Blick auf private Bilder unbekannter Damen. Dabei spielt der selbst gewählte Spitzname eine entscheidende Rolle. Wer beschreibt sich schon gern mit Moppelchen78? Kein Mann, logisch. Viertel vor zwölf. Leicht genervt stehe ich hinter dem Sessel von Stefan alias FlirtDevil. Eigentlich wollten wir seit einer halben Stunde auf dem Weg zur Party sein. „Gleich“, ist alles, was FlirtDevil zum wiederholten Male von sich gibt. Bei ihm geht es gerade heiß her. Genauer gesagt zwischen ihm und SüsseBlonde77. Beim Lesen der Wortfetzen, welche in rasanter Geschwindigkeit von Rechner zu Rechner geschickt werden, überkommt mich ein wenig der Neid. Wann hatte ich eigentlich in letzter Zeit so etwas mit meiner Freundin praktiziert? Unsere Beziehung läuft gut, wirklich. FlirtDevil grinst. „Der Abend ist in trockenen Tüchern.“ Und wir können endlich los.

Durch einen schmalen Gang schlängelt sich SüsseBlonde77 auf uns zu. Wie sie wohl mit richtigem Namen heißt? Die Musik dröhnt zu laut, um zu verstehen, was mein Kumpel mir sagen will. Der Moment der Wahrheit ist gekommen. Gut schaut sie aus. Richtig gut. Mit einem schüchternen „Hallo“ geht sie vorbei und ich verstehe die Welt nicht mehr. Nach der Party ging es dann noch heiß her, zwischen FlirtDevil und SüsseBlonde77. Online.

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