Geschichten aus der Schatztruhe

Mit ehrenamtlichem Engagement, viel Routine und beruflicher Erfahrung verwaltet Rainer Naseband die Gelder des Semper Opernball e. V.

Über 50 Jahre Vorstandstätigkeit in Vereinen - das ist die persönliche Bilanz von Rainer Naseband. Der gebürtige Stuttgarter ist begeistert von Dresden. Von seiner Arbeit als Vizepräsident im Galopprennsport-Verein, als Vorsitzender im Tennisclub und als Schatzmeister im Semper Opernball e. V. gibt es viele, viele Geschichten zu berichten, manche aber nur unter vorgehaltener Hand - Disy hat er sie erzählt.

Ein spannendes Projekt

Neun Jahre später, im Jahr 2000, wechselte der Bankier seinen Arbeitgeber. Und damit kam auf den Baden-Württemberger bald noch eine weitere Vereinstätigkeit zu. Die ostsächsische Sparkasse wollte sich bei der Realisierung einer neuen Idee in Dresden engagieren, die da "SemperOpernball" hieß. Also schickte sie einen ihrer Mitarbeiter in den neu gegründeten Verein: Rainer Naseband. Er wurde zum Schatzmeister des Semper Opernball e. V. gewählt und ist dort seit 2005 - neben Hans-Joachim Frey, Bernd Aust, Georg H. Leicht und Horst- Michael von Kummer - im Vorstand engagiert. "Ich fand schon damals, dass die Wiederbelebung des Opernballs in Dresden ein ganz spannendes Projekt ist", begründet der heutige Rentner die Motive seines besonderen ehrenamtlichen Engagements.

Aus der Idee wurde ein Projekt, aus dem Projekt ein Erfolg. "Ganz am Anfang mussten wir aber erst einmal die Frage klären, wie wir eine solche Vision finanzieren können. Wir hatten enorme finanzielle Aufwendungen, das wussten wir, und die einzigen Einnahmen waren die Erlöse aus dem Verkauf der Eintrittskarten", so der Schatzmeister. Das Schwierige an der Situation: Die Dresdner hatten kein Beispiel, an dem sie sich hätten orientieren können, denn etwas Gleichwertiges gab es nicht. Nicht in Dresden, nicht in Sachsen, nicht in Deutschland. "Wir hatten eine Idee und haben einfach angefangen, diese umzusetzen", so Naseband. Nicht ganz lehrbuchmäßig war deshalb wohl auch der erste Finanzplan: Nachdem das Programm für den Ballabend feststand, wurde ausgerechnet, wie teuer die Eintrittskarten sein mussten, damit alles finanziert werden könne. An "böse Überraschungen" und Eventualitäten, die in der weiteren Vorbereitung und Durchführung eines solchen Großprojektes immer mal auftreten und zusätzlich Geld kosten können, hat niemand gedacht. Auch nicht an eine Ausfallversicherung, die alle Beteiligten vor einer persönlichen Haftung bewahrt hätte, falls der Ball "infolge höherer Gewalt" nicht hätte stattfinden können. Der Vorstand hatte Glück: Es passierte beim 1. Ball nichts dergleichen und der Verein schrieb sofort schwarze Zahlen. Auf Angebote von privaten Förderern, die eingesprungen wären, wenn das Geld doch nicht gereicht hätte, musste man nicht zurückgreifen. Und aus den Anfangsfehlern hatte man schnell gelernt.

Der zweitgrößte Ball Europas

Dass der SemperOpernball - nach dem Wiener Opernball - der zweitgrößte Ball in Europa werden würde, daran hat auch Rainer Naseband anfangs nicht zu denken gewagt. Heute ist der SemperOpernball nicht nur eine Attraktion für die 2.200 Gäste im stets ausverkauften Opernhaus und die Tausenden auf dem Theatervorplatz, die aus dem Abend ein riesiges Volksfest gemacht haben, sondern auch ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor. In einer Zeit, wo Dresden früher im tiefen Winterschlaf lag, füllen sich heute die Hotels, schwärmen Taxi-Unternehmen und Gaststätten von guten Umsätzen, freuen sich Friseure und Modegeschäfte über neue Kundschaft. Allein das Dresdner Hotel Kempinski verzeichnet alljährlich in den Tagen um den Opernball die besten Auslastungen deutschlandweit! Und nicht zuletzt sind annähernd 1.400 zusätzliche Angestellte - Security, Hostessen, Köche, Friseure, Musiker, Künstler etc. - an diesem Abend im Opernhaus beschäftigt.

Warum der Ball so erfolgreich ist, dafür hat der Schatzmeister seine eigene Theorie: "In Dresden bekommt der Ballbesucher etwas geboten für sein Geld. Wir haben nicht nur ein tolles, geschichtsträchtiges Haus mit einer beeindruckenden Kulisse, sondern auch ein umfangreiches Programm mit angesagten Künstlern und einem Mitternachtsstar. Das sucht seinesgleichen." Noch heute ist Rainer Naseband jedes Mal beeindruckt, wenn er am Ballabend das Haus betritt. Die Oper wirkt durch den Umbau zum Ballsaal viel größer und allein der kunstvoll arrangierte Blumenschmuck, für den jährlich 25.000 Euro eingeplant sind, beeindruckt ihn jedes Jahr aufs Neue.

Leidenschaftliches Engagement trotz Routine

Trotz der Millionen, die Schatzmeister Naseband für den Semper Opernball e. V. verwaltet, läuft die Vorbereitung der Dresdner Opernbälle inzwischen weitestgehend routiniert. Solange Künstlergagen, Mietkosten, Umbaupreise, Versicherungen & Co. im kalkulierten Rahmen bleiben, werden Informationen und Entscheidungen meist über Telefon und Mail getroffen und Vorstandssitzungen nur aller zwei Monate einberufen. Jeder weiß ohnehin genau, was er zu tun hat. Die Geschäftsstelle, die Agentur "Flaskamp" aus Berlin, die seit einigen Jahren in die Vorbereitung involviert ist, und auch die Vorstandsmitglieder, die sich in ihrer Freizeit unentgeltlich für die "berauschendste Nacht Dresdens" engagieren. "Ein Schatzmeister ist natürlich oft auch die Spaßbremse, weil er eben ganz nüchtern die Finanzen und nicht so sehr die gewünschten Künstlerengagements im Blick hat", räumt Rainer Naseband über seinen Part im Geschehen ein und ist froh, wenn er alljährlich wenigstens eine klitzekleine "Reserve für Überraschungen" zurückbehalten kann. Wenn Geld bei ihm mal keine Rolle spielen würde, hätte er auch nichts gegen Chris de Burgh als Mitternachtsact, für den er persönlich seit seinem Konzertbesuch bei einem Türkei-Urlaub schwärmt. Lieber aber verzichtet der rüstige Rentner auf die Erfüllung solch' persönlicher Wünsche, damit die Eintrittskarten bezahlbar bleiben. "Der Opernball wird heute noch zu 90 % aus diesen Geldern finanziert. Wir hängen also ganz deutlich an unseren treuen Besuchern", so der Schatzmeister, der sich für die restlichen 10 % bei den Sponsoren VW und "Feldschlösschen" bedankt. Als einem kommerziellen Verein stehen dem Semper- Opernball e.V. keine öffentlichen Fördermöglichkeiten zu.

Wenn Rainer Naseband heute, nach fast zehn Jahren Ball-Vorbereitung, auf das gesamte Projekt zurückschaut, beeindruckt ihn vor allem eines: Das enorme ehrenamtliche Engagement, das insbesondere seine Vorstandskollegen Frey und Aust zeigen. "Diese leidenschaftliche und zeitaufwendige Arbeit der beiden kann man nicht genug würdigen. Der Erfolg dieses Opernballs hängt ganz wesentlich von diesen Personen ab. Als Schatzmeister finden Sie immer einen neuen, aber Frey und Aust wird man in diesem Maße nicht ersetzen können", so der Wahl-Dresdner, der sich deshalb noch viel mehr Anerkennung der Stadt und des Landes für die zwei ganz besonderen Vorstandsmitglieder wünschen würde. Und der auch wegen dieser beiden bis heute beim SemperOpernball e.V. geblieben ist, und bei diesem "großen Highlight in einer ganz, ganz tollen Atmosphäre mit viel Prominenz und guten Künstlern", wie Naseband den Dresdner SemperOpernball beschreibt.