„Was ich dir sagen will“

Udo Jürgens kommt zum Mitternachtsact des SempernOpernballs

 

Seit mehr als 50 Jahre steht Udo Jürgens auf der Bühne und blickt auf eine unverwechselbare Karriere zurück. 95 Prozent der Deutschen kennen ihn. Damit führt er sowohl die Rangliste nationaler als auch internationaler Sänger und Musiker an. Nun ist er nach Dresden gekommen. Lesen Sie das Portrait von Disy-Reporter Marcus Sauer über den großen Entertainer. Udo Jürgens eroberte nicht nur die Bühne, sondern auch die Leinwand. Ein Mega-Erfolg, doch der fordert auch seine Opfer. Jürgens Privatleben sei mit Bomben und Granaten misslungen, sagt er und gibt keinem anderen als sich selbst die Schuld dafür.

Der Sänger wurde als Udo Jürgen Bockelmann 1934 im Österreichischen Klagenfurt geboren. Im elterlichen Schloss Ottmanach in Kärnten wuchs er zusammen mit seinen Brüdern John und Manfred auf. Im Alter von 13 Jahren besuchte er erstmals eine Operette und wusste sofort, dass auch er auf die Bühne gehört. Am Anfang seiner Karrieren blieb der Erfolg aus. "Zum Teenager-Idol wurde ich, als ich schon über 30 war, das ist auch irgendwie seltsam", beschrieb er im Rahmen seiner Musicalpremiere. Dennoch bestätigten kleine Erfolge den jungen Udo. Mit 16 Jahren gewann er den Komponistenwettbewerb des Österreichischen Rundfunks. Mit dem Umzug nach München wurde auch Udo Jürgens immer mehr zur Marke. Er füllte zunehmend das Vorprogramm zu namhaften Schlagersängern bei den sogenannten "Bunten Abenden" aus. 1966 erfolgte dann der musikalische Durchbruch. Bei seiner dritten Teilnahme am Grand Prix Eurovision de la Chanson ließ er die gesamte Konkurrenz hinter sich und holte sich mit dem Hit "Merci Cherie" den Sieg. Mit diesem Song erreichte er die Spitzenplätze der Hitparaden in mehr als 20 Ländern. "Siebzehn Jahr, blondes Haar" bescherte ihm den goldenen Löwen und die Auszeichnung "bester deutschsprachiger Sänger". Ein Jahr später wurde "Was ich dir sagen will" die meistverkaufte Platte des Jahres und es begann eine triumphale Deutschland-Tournee. Es folgten Konzerte in Osteuropa. 1969 war Udo Jürgens nach den Kennedybrüdern das wichtigste Idol der deutschen Jugend. Seine Lieder wurden in bis zu acht Sprachen übersetzt und eroberten sogar die Charts in Fernost. "Griechischer Wein" wurde in der griechischen Version zu einer Art Volkslied der Griechen. Sein Erfolg hielt sich über Jahre. Die Tourneen wurden länger und immer mehr Menschen füllten die Konzerthallen. Keine Disco verzichtete auf seine Songs. 1999 erhielt Udo Jürgens einen Ehren-Bambi für sein Lebenswerk und gründete eine Stiftung für Kinder und Waisen in Not.

Ein Buch für die Familie

2004 veröffentlichte er zusammen mit Michaela Moritz den Familienroman "Der Mann mit dem Fagott". Dabei sollte es sich aber nicht um seinen Aufstieg oder seine Person handeln. "Es sollte das, was mein Großvater, mein Vater und seine Brüder erlebt und bewältigt haben und ihre Biografien, die von der europäischen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts geprägt wurde, vor dem Vergessen und Versinken in der Zeit bewahren", beschrieb er damals selbst den Inhalt. Dass daraus sechs Jahre später ein Film entstand, erfreute Udo Jürgens. "Dass daraus schließlich ein Bestseller geworden ist und dass inzwischen auf der Basis dieses Buches gar ein Film gedreht wurde, erfüllt mich mit Freude und Stolz", kommentierte er den Zweiteiler. 2007 feierte das Musical "Ich war noch niemals in New York" Premiere. "Ich finde es großartig, wenn man sich mit meinem Werk beschäftigt", gab er zu. Im Jahr 2010 knackte es in Hamburg sogar die Besuchergrenze von 1-Millionen-Zuschauer.

Nicht die positiven Gefühle inspirieren den Künstler

Zurückblickend ist Udo Jürgens mit seiner Karriere und mehr als zufrieden. Zwar wundert er sich darüber, dass er in seinem hohen Alter noch so entspannt, gelassen und lebensfroh sein kann. Gerade weil er nicht der Überzeugung ist, stets alles richtig gemacht zu haben. Vor allem privat gesteht er sich ein, dass es durchaus hätte besser laufen können. "Ich bin zweimal geschieden", resümiert er die Opfer, die seine Karriere mit sich brachte. Es tue ihm sehr Leid, dass er seinen Weg ohne Wenn und Aber gegangen sei. Heutzutage sei ein Mann in erster Linie der Partner der Frau, doch in seiner Zeit sei das anders gewesen. Mit seinen Kindern sei er weitestgehend im Reinen, doch die Schuld am Scheitern seiner Ehen lastet noch auf ihm. Diese negativen Lasten sind für ihn aber auch die Grundlage seiner Leidenschaft. "Ohne dies kann man kein hörenswertes Lied schreiben", sagte er einst zu seiner Inspiration. Man müsse den Schmerz kennen, um die richtigen Töne zu finden. Denn das Liederschreiben gehört nach wie vor zu den schönsten Momenten in seinem Leben. "Es ist für mich immer wieder aufs Neue das größte Abenteuer", schwärmt er immer noch von seiner Berufung als Komponist und Sänger.

Vita:

1934 Udo Jürgen Bockelmann wird in Klagenfurt geboren
Nach Zweiten Weltkrieg Aufnahme des Musikstudiums in Salzburg
1950 gewinnt er Komponisten-Wettbewerb im österreichischen Hörfunk
1964 heiratet er nun schon als Udo Jürgens das ehemalige Fotomodell
Erika Meier
1966 gewinnt Udo Jürgens den Grand Prix Eurovision de la Chanson
1989 erfolgt die Scheidung der Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen
1999 heiratet Udo Jürgens erneut seine langjährige Freundin Corinna
Reinhold
2006 wurde auch diese Ehe wieder geschieden
2007 startet das Musical „Ich war noch niemals in New York“
mit 20 seiner besten Songs. Im gleichen Jahr bekommt Udo Jürgens
die schweizerischen Staatsbürgerschaft