• Januar 28, 2016
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"Singen sie bitte wieder deutsche Volkslieder!"

Interview mit Chorlegende Gotthilf Fischer

 

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie über den Roten Teppich vor der Semperoper gingen?

Fischer: Schon als kleines Kind war das ein Traum, einmal nach Dresden zu kommen und einfach in die Oper reinschauen zu dürfen. Dann habe ich ein paar Jahre später als junger Mann ohne Probe die Zauberflöte an der Stuttgarter Staatsoper dirigiert und das ging gut. Das hat mir so viel Mut und Kraft gegeben, dass ich gesagt habe, ich schlage den Beruf als Musiker ein.

 

Woran erinnern Sie sich beim Ball am liebsten?

Fischer: Das war ein tolles Gefühl als ich ankam. Das mache ich ja auch nicht so oft. Aber dass das ausgerechnet in Dresden passiert, habe ich Herrn Frey zu verdanken, der mich dazu engagiert hat. Die Dresdner haben mich nicht verlassen. Die haben also vor der Oper zu Tausenden mit mir bekannte Volkslieder gesungen.

 

Was war für Sie sonst noch ein Highlight?

Fischer: Das war zweifellos der Aufmarsch des Balletts und des Chores. Ich war beeindruckt von der Disziplin, die alle Beteiligten aufbrachten, trotz der vielen Stars und Persönlichkeiten.

 

Was ist noch so besonders am SemperOpernball?

Fischer: Am meisten freue ich mich, viele Kollegen zu sehen. Sonst hat man ja keine Zeit mit ewigem Fernsehen, Chören und Konzerten. Aber viele Prominente zu sehen, die man kennt und lange nicht mehr getroffen hat, ist schön. Ich freue mich aber vor allen Dingen immer über die grandiose Inszenierung, die dieser Ball uns immer wieder schenkt.

 

Welche Wünsche und Visionen tragen Sie mit Blick auf dieses Jahr?

Fischer: Wenn es der Welt gelingt, Frieden zu erhalten, ist das das Höchste, was man sich wünschen kann.

 

Gibt es für Sie selbst bereits konkrete Projekte?

Fischer: Ja, ich starte zum Beispiel eine Tournee mit dem MDR im Frühjahr mit vielen bekannten Weisen, Solisten und Stars.

 

Ihnen liegen besonders die Volkslieder am Herzen.

Fischer: Stimmt, ich freue mich, dass die schönsten deutschen Lieder, eben vor allem die Volkslieder, nicht sterben. Das dürfen sie einfach nicht! Im internationalen Geschäft, überall wo ich bin, zum Beispiel in China, Kanada oderAmerika, hat das deutsche Lied einen hohen Rang. Es wird begeistert gesungen. Da in unserem Land solche Volkslieder immer etwas kläglich behandelt werden, will ich wieder erinnern: Das, was die Welt singt, kann nicht schlecht sein.Singen Sie bitte wieder deutsche Volkslieder!

 

So wie in Dresden?

Fischer: Dresden nenne ich immer wieder in der Welt. Ich erzähle, dass ich dort mit vielen Dresdnern vor dieser grandiosen Oper deutsches Volksgut singe. Das macht mich sehr glücklich!