Tassilo Lax: Auf den Punkt im Dreivierteltakt

Tassilo Lax ist Leiter des Debütanten-Komitees des SemperOpernballs und wurde mit seiner Ehefrau Sabine Deutscher Meister 2010, 2011 und 2012 sowie Weltmeister 2011 und 2012 in den Standardtänzen. Seit 2006 entwickeln sie die Choreografien für den SemperOpernball und wählen die Debütantenpaare aus.

 

Wie entstand die Idee, Debütanten in das Programm zum SemperOpernball zu integrieren?
Lax: Durch Wien assoziiert man zu einem Opernball immer ein Debütanten-Komitee. Die Veranstalter wollten dem Ball etwas in Deutschland Einmaliges geben. Aber im ersten Jahr waren es noch keine Debütanten, sondern junge Menschen, die eine Eröffnungschoreografie nach einem Lied tanzen sollten. Das war ein schönes Bild von Anfang an. Aus dieser Mischung von „Dekoration“, Eröffnungstanz, einheitlichem Kleid in Bordeaux und Rot entstand diese klassische Debütantenschiene.


Wann gab es die ersten Castings?
Lax: Im Jahr darauf sagten wir, dass wir das wiederholen sollten, es unter dem Oberbegriff „Debütant“ im klassischen Sinn laufen lassen und über Bewerbungsverfahren ausbauen sollten. So hat sich das entwickelt. Wir haben uns ab dem zweiten Jahr auf die Farbe Rot für die Kleider verständigt. Das war eine schöne Sache. Weiß wollten wir nicht. Das ist in Wien an der Tagesordnung. Außerdem passt Rot besser zur Inneneinrichtung der Semperoper in Weiß und Gold.


Was macht das Debütanten-Komitee von Dresden noch besonders?
Lax: Es soll kein klassisches Debütantenfeld im ursprünglichen Sinn sein. Es hat in Dresden einen speziellen Charakter, weil nicht der Einmarsch und der Schreittanz im Vordergrund stehen. Bei uns gibt es ein vernünftiges Lied mit einer speziellen Choreografi e. Wir casten die Paare zwar immer mit Wiener Walzer, weil das am meisten vorkommt, aber es kann durchaus auch mal sein, dass Bewegungselemente und Schrittfolgen von anderen Tänzen übernommen werden, die im Dreivierteltakt getanzt werden können. Es ist eben die Gesamtkomposition.


Kann jeder Debütant werden?
Lax: Theoretisch ja, aber er oder sie muss zwischen 16 und 29 Jahre alt sein. Das Kernproblem ist, dass sich viele im Vorfeld nicht darüber informieren, was dazugehört, um in diesem Debütanten-Komitee beim SemperOpernball mitzutanzen. Nach der Bewerbung gibt es eine Informationsveranstaltung mit 20-minütigem Film vom Vorjahr, dann einigen wir uns über die Teilnahme.


Kostet es Geld, Debütant zu sein?
Lax: Der SemperOpernball e.V. gibt den jungen Paaren die Möglichkeit, beim Ball zu tanzen. Aber das Drumherum um das Debüt müssen sie selber finanzieren. Wir haben den Preis des Debütantenpaketes mit 295 Euro halten können. Die jungen Leute haben auch die Möglichkeit, am eigentlichen Ball teilzunehmen. Außerdem ist dabei Kleid, Smoking und die Krone zum Ausleihen, Frisur und Make-up.

Und dann müssen Sie in kürzester Zeit 70 Paare auf den Punkt fit und fähig bekommen.
Lax: Nach den ganzen Auswahlrunden wird fi nal vor dem Ball drei Tage lang vier Stunden am Tag geprobt. Am Donnerstag ist dann die Technikprobe in der Oper und am Freitag um 12 Uhr vor dem Ball die Generalprobe.


Was ist, wenn einer Ihrer Tänzer kurzfristig Lampenfieber bekommt?
Lax: Das geht dann einfach nicht mehr. Der Adrenalinkick ist so groß, dass eigentlich immer alles funktioniert. Und wenn die Tänzer in den ersten Reihen Panik bekommen, weil Sie die Gäste im Saal schon sehen, schieben die von hinten nach.


Und jetzt ernsthaft …
Lax: Wir verwenden sportpsychologische Aspekte aus dem Turniertanz. Wir lehren den Debütanten die Schritte, die Bewegung im Raum, Timing und Koordination, so dass sie es fest im Kurzzeitgedächtnis behalten und dort auch auf den Punkt zu dem einen Termin abrufbereit haben. Viele wissen nach dem Auftritt nicht mehr, was sie eigentlich getanzt haben. Vorher muss es nicht klappen, danach auch nicht mehr – aber am Abend des Opernballs müssen 100 Prozent da sein.

 

2012