Hans-Joachim Frey: "Ich lebe meine Aufgaben"

Er kennt die Großen dieser Welt und bringt und brachte als Mitinitiator und Vorsitzender des Opernball-Vereins zahlreiche Prominente nach Dresden. Viele Jahre war er Operndirektor der Semperoper, ging dann nach Bremen, kurz nach Berlin und blieb Dresden trotzdem treu. Wir trafen einen aufgeschlossenen Hans-Joachim Frey, der von seinem erneuten Umzug erzählt, von seinen privaten und beruflichen Veränderungen und von mancher Anekdote, die er mit Staatsmännern und Showstars erlebte.

"Dresden ist eine Herzensangelegenheit für mich“, erklärt Hans-Joachim Frey mit sanfter Stimme. Fast liebevoll spricht er von seiner Stadt, in der er jetzt
wieder wohnt, die er aber auf eine ganz bestimmte Art immer bei sich hat. Hans-Joachim Frey ist ein besonderer Mensch, der sich für diese besondere Stadt einsetzt. „Einmal Dresdner, immer Dresdner“, lacht er nun. Sein Lachen ist warm und herzlich, seine Augen blicken sanft und doch klar beobachtend. Der 46-Jährige strahlt eine Mischung aus Ruhe und Aufbruchstimmung aus – eine Art brodelnde Gelassenheit.


Freimütig und auf den ersten Blick arglos erzählt er aus seinem Leben und öffnet scheinbar Herz und Seele auf Anhieb. Doch es ist eine geplante Offensive, deren Grenzen Frey genau beachtet und sein Gegenüber mit Plauderei und Fröhlichkeit auf die Gesprächswege lockt, die er bestimmen möchte. Ein Kommunikationsprofi . „Meine Stärke ist ganz klar die Kommunikation, die Fähigkeit, Emotionen zu wecken. Man muss auftreten
können. Ich bin auch ein Schauspieler.“ Er hat ein klares Gespür für die Intelligenz seines Gegenübers, erklärt Offensichtliches, weckt damit Sympathie.
Kein Wunder, dass Frey so viel bewegen kann. Verständlich, dass auch die Großen der Welt ihn mögen, dass es schwerfällt, ihm Wünsche abzuschlagen. Umso besser für Dresden, dass Frey diese Fähigkeiten einsetzt, um Institutionen wie den Opernball, das Forum Tiberius, den Italienischen Gesangswettbewerb „Competizione dell’Opera“ oder das „World Culture Forum“ zu initiieren und zu beleben, dabei Glanz und intellektuelle Professionalität zu kombinieren. Auch in seiner Zeit als Intendant des Theaters Bremen (nach den Dresdner Semperoper-Jahren), war er mehrmals im Monat in Elbfl orenz, um diese Projekte weiterzuführen. „Diese Kreativität und Besonderheit ist nur in Dresden möglich“, erklärt er.


Er gibt zu, dass er zum Workaholismus neigt. „Endorphine und Glücksmomente
übertünchen die Kraft und Aufopferung, die man investiert. Man überschreitet fröhlich sämtliche Kraftgrenzen.“ Er habe sein Energiepotenzial nie infrage gestellt. „Ich hatte immer das Gefühl, ich würde gar nicht arbeiten. Ich lebte alle meine Aufgaben.“ Als er begann, Defizite zu spüren, begann er auch, für Ausgleich zu sorgen: Grüner Tee, viel Flüssigkeit, eine Basis an Schlaf und Fußball spielen. Als Fußballfan fand er in Bremen fruchtbare Freundschaften, besonders bei Werder. Gut bekannt mit Spielern und Trainern wurde gemeinsam gekickt und natürlich als Fan im Stadion gejubelt. Doch der Sport konnte das Gesamtunbehagen mit der dortigen Politik und in seinem Job als Theaterintendant nicht kompensieren. So beschloss Frey seinen Umzug nach Berlin. Dort blieb er ein Jahr und zog dann erneut nach Dresden um. „Für das,
was ich tue, ist Dresden ein guter Ausgangspunkt“, so Frey. Geplant sind Auslandskooperationen, internationale Events, weltumspannende Künstlervermittlung und seine neue Tätigkeit ab 2013 als Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der LIVA in Linz (Österreich), verantwortlich u.a. für das Brucknerhaus, das Brucknerfest und die Klangwolke, Netzwerke auf höchstem Niveau. Also das, was Frey am besten kann – Ideen entwickeln, Menschen begeistern, organisieren. Nicht umsonst hatte Wladimir Putin ihn beauftragt, nach dem Vorbild des Dresdner Opernballs eine große Gala nach St. Petersburg zu exportieren. Ein Erfolg. Dann folgte eine weitere Gala, die 2011 im Sommer in Putins Anwesenheit durchgeführt wurde.


Frey versteht etwas von großen Festen und internationaler Prominenz. Nicht umsonst sind Stars wie La Toya Jackson, Maximilian Schell, Senta Berger, Udo Jürgens, Hans-Dietrich Genscher, Franz Beckenbauer und Co. seiner Einladung nach Dresden gefolgt. Es ist kein Zufall, dass Frey zum Mitternachtstreffen des russischen Ministerpräsidenten in dessen Suite eingeladen wird, dass er beim Wiener Opernball nicht nur Bekanntschaft mit Leuten wie Ex-Porsche-Vorstand Wendelin Wiedeking macht, sondern diese Menschen auch gleich in sein Gesamtkonstrukt integriert. Wiedeking kaufte seitdem regelmäßig Opernball-Logen. „Ich bin nett, aber leistungsorientiert“, so Frey, und das Gespräch tritt in Phase drei.

Nach der Fröhlichkeit und der Nachdenklichkeit nimmt jetzt Zielstrebigkeit den Raum ein. Sein Arbeitsstil sei offen, aber strukturell. Als Chef suche er bis zum
letzten Moment nach der besten Lösung. „Schwierig für die Mitarbeiter“, gibt er zu. Er sei fordernd, leistungsorientiert, und was für ihn gilt, gilt auch für seine Leute, sie müssten gut zuhören können. „Mitarbeiter, die mich gut kennen, kommen mit mir gut aus“, sagt er, und sagt damit viel. Denn zu denen, die ihn gut kennen, zählt er nur wenige: Trixi Stang, die ihn erst in Dresden, dann in Bremen und stets bei der Organisation des Opernballs geholfen hat, Uta Christina Deppermann, die die Dresdner Musikfestspiele und den Gesangswettbewerb mit aufgebaut hat. Auch Etienne Emard zählt er dazu, den früheren Geschäftsführer vom Forum Tiberius und heutigen Musikrat in Mainz. Franziska Weiß vom Opernballverein gehört ebenfalls zum Kreis seiner aktuellen oder ehemaligen besten Mitarbeiter.


Nur mit verlässlichen Helfern lassen sich Großprojekte wie der Opernball professionell organisieren. „Immerhin kostet so ein Ball 1,5 Millionen Euro“, so Frey. Schließlich wird die ganze Semperoper umgebaut. 90 VIP-Logen und Tische á 12 Personen müssen verkauft werden. „Als wir 2006 anfingen zu erklären, dass ein solcher Tisch 15.000 Euro kosten soll, war die Skepsis groß“, erinnert sich Frey. Er erinnert sich auch an zahlreiche Diskussionen und Sitzungen mit den Rotariern, den Lions, dem Industrieclub, den Hoteldirektoren. Selbst seine Mitstreiter Juwelier Georg H. Leicht, ID-Chef Uwe Wiese, der Ex-Taschenberg-Direktor Ronald int´Veld und andere hatten es schwer, sich durchzusetzen. „Die Dresdner sind neugierig und freuen sich, wenn Dinge ihre Stadt nachhaltig bereichern.“


Aber die Bedeutung und Dimensionen so eines Opernballs waren anfangs schwer zu vermitteln. Kurz bevor das Projekt scheitern sollte, trat bei einer Sitzung ein Schweizer Unternehmer auf und kaufte mit einem Schlag 13 Logen und Tische. Dieser Schweizer Mäzen hat die Idee des Opernballs quasi gerettet, denn seinem Beispiel folgten Schritt für Schritt andere. „Manchmal braucht es einen glücklichen Paukenschlag des Schicksals“, so Frey, „Noch heute unterstützt mich dieser Herr.“


Doch auch unglücklichen Schicksalsschlägen konnte Frey sich nicht entziehen.
Besonders schwer traf ihn der Tod seines Freundes Kajo Schommer, ehemaliger Wirtschaftsminister Sachsens und Ideengeber des Forum Tiberius. „Er war einer der wichtigsten Menschen für mich“, so Frey leise. Freundschaften bedeuten ihm sehr viel. So trifft er sich seit Jahren mindestens
einmal pro Jahr mit seinen Jugendfreunden aus dem Dorf bei Hannover, wo er aufgewachsen ist. „Da muss man sich nicht verstellen. Da stellt keiner die Frage, wie es beruflich läuft. Da kann man Kraft und Energie tanken.“ Doch auch in Dresden hat er gute Freunde wie Pianist Arkadi Zenziper, Juwelier Georg H. Leicht oder Investor Arturo Prisco. Auch die Familie spielt nach Jahren der aufopfernden Arbeit und des privaten Zeitdefizits wieder eine Rolle: sein Bruder in Berlin, die Schwester und seine Tochter Konstanze, mit der er regelmäßig in den Urlaub fährt oder durch Dresden spaziert. „Wenn wir zusammen sind, bin ich ein guter Vater.“


Dass Hans-Joachim Frey ein guter Mensch ist, liegt auf der Hand. Ein authentischer Mensch, der sich neben der täglichen Schauspielerei selbstkritisch betrachten, einschätzen und aus Fehlern lernen kann. Der zugibt, manchmal eitel zu sein. Der mit Recht stolz ist auf seine Fähigkeiten, seine Leistungen und auch auf Dinge wie sein gutes verwandtschaftliches Verhältnis
zum deutschen Hollywoodstar Armin Mueller-Stahl. „Es wird zu wenig reflektiert“, meint er und ergänzt, dass Neid zur Gesellschaft gehört. Und so ergibt sich sein Schlusswort ganz von selbst: „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten.“


Anja K. Fließbach

2012

Hans-Joachim Frey: „Der wichtigste Opernball Europas“

Was wollten Sie mit dem Opernball erreichen?
Frey: Wir wollten neben dem Wiener Opernball der wichtigste und bedeutendste Opernball Europas werden. Das haben wir geschafft. Inzwischen wurde schon getitelt: „Wien ist neidisch auf Dresden.“


Was macht den SemperOpernball so besonders?
Frey: Das ist diese einmalige Mischung, das Programm mit 1,5 Stunden Klassik auf höchstem Niveau, der Open Air Ball draußen vor der Oper, die Preisträger und die Feuerwerkseröffnungsshow.


Worauf sind Sie besonders stolz?
Frey: Auf die hohe künstlerische Qualität und das Publikum. Es ist toll, dass so viele Prominente Lust haben zu kommen. Ich freue mich aber auch über die hohe Akzeptanz im Fernsehen. Der MDR überträgt jedes Jahr direkt vom Ball, hat seine Live-Sendung nun auf vier Stunden ausgedehnt. Das ist ein großes Kompliment für uns.


Stimmt es, dass Sie das Konzept des SemperOpernballs schon in andere internationale Großstädte übertragen haben und die Bälle selbst vor Ort organisieren?
Frey: Ja. Im letzten Jahr haben wir einen Ball in St. Petersburg durchgeführt, in diesem Jahr organisiere ich den Warschauer Opernball parallel zur Eröffnung der Fußball-Europameisterschaft, und es wird in Moskau einen Ball geben. Alle bekommen allerdings ein individuelles Konzept. Es gibt nur eine Semperoper.


Apropos Semperoper. Manche denken, der Ball wird von der Oper organisiert. Dabei ist sind Sie und Ihr Team doch ein Verein, der komplett ohne staatliche Unterstützung auskommt und sich selbst wirtschaftlich trägt, oder?
Frey: Das ist richtig. Und nicht nur das, wir zahlen als Verein jedes Jahr für den Ball sogar eine sechsstellige Summe Miete an die Semperoper.


Wie schaffen Sie es, dass Sie trotzdem höchste Qualität bieten und die Kartenpreise halten können?
Frey: Alle Beteiligten und Partner engagieren sich sehr. Die Beteiligten helfen dem Opernballverein hauptsächlich wegen der Liebe zu Dresden und dem SemperOpernball. Die Kosten sind hoch, aber durch Fleiß und gute Ideen schaffen wir es jedes Jahr.


Ein bewundernswertes Engagement und eine großartige Werbung für Dresden und vor allem für die Semperoper.
Frey: Ich liebe diese schöne Stadt, und durch den Ball werden noch mehr Menschen in der Welt auf unser schönes Dresden aufmerksam.


Wo sehen Sie die Zukunft des Balls?
Frey: Wir wollen auf jeden Fall das Niveau halten. Aber ein Feintuning ist immer gut, und man kann immer verschiedene Dinge optimieren. Wir wollen erreichen, dass es ein Muss sein sollte – vom Bundespräsidenten bis zum EU-Ratspräsidenten – dass sich die gesellschaftliche Elite Europas einmal im Jahr zum SemperOpernball in Dresden möglichst trifft.

 

2012