"Ich kann nicht mehr"

Ein Stoßseufzer, der bei Frauen durchaus erlaubt ist, bei Männern in unserem Denken nicht vorkommen darf. Er scheint erst recht eine Katastrophe zu sein, wenn des Mannes bestes Stück betroffen ist. Impotenz, Erektionsstörungen, Lustmangel sind ein Tabuthema, kommen aber immer häufiger vor. Die gute Nachricht: Sie können etwas dagegen tun bzw. dafür sorgen, dass sie gar nicht erst auftreten.

Die Libido-Killer des Alltags:

Stress, überflüssige Pfunde, Bewegungsmangel, Rauchen, Alkohol, zuckerreiche Nahrung

Häufigste Ursache ist ein ungesunder Lebensstil. Stress, zu wenig Bewegung, zu fettes Essen lassen den Körper frühzeitig altern. Das Resultat sind Durchblutungsstörungen, speziell in den kleinen Gefäßen, die auch das Penisgewebe durchziehen. Hinzu kommt, dass sich Männer oft erst um ihre Gesundheit Gedanken machen, wenn Probleme auftreten.

Als Antwort auf Stress reduziert Ihr Körper „Luxusleistungen“ wie Verdauung, Schlaf, Hautdurchblutung und auch Sex (!), um sich den scheinbar wichtigeren Problem zu widmen. Die Herzfrequenz ist beschleunigt, der Blutdruck erhöht, die Muskulatur besser durchblutet als die Haut, der Schlaf wird oberflächlich. Die Zeugung von Nachwuchs ist unwichtig, wenn es ums eigene Überleben geht. Diese Reaktionsweise als Antwort auf Bedrohungen ist Jahrmillionen alt und kann nicht mit dem Verstand abgeschaltet werden.

Eine Erektionsstörung kann auch Vorbote eines Herzinfarktes sein. Über 60% der befragten Männer berichteten, dass sie vor dem Ereignis eines Herzinfarktes schon Jahre vorher Erektionsstörungen bemerkten. Bekannt ist auch, dass ein Diabetiker mit einer Wahrscheinlichkeit von über 60% an einer Erektionsstörung erkranken wird.

Untersuchungen von Prof. Pfeiffer an der Charité konnten zum Thema Potenz zeigen, dass Zucker nicht nur die Blutgefäße schädigt, in dem sie verstopfen, die Dehnfähigkeit verlieren und durch Ablagerung an den Zellwänden nicht genug Blut transportiert wird, sondern sich dieser auch an den Nervenenden festsetzt und die Reizweiterleitung stört.

Raucher sind etwa doppelt so häufig impotent wie Nichtraucher.

Je mehr Köperfett Sie haben, insbesondere am Bauch, umso weniger Lusthormone werden gebildet, statt dessen weibliche Östrogene, Schuld daran ist das Enzym Aromatase.

Die Libido-Pusher

  • Testosteron, das Hormon der Lust. Es nimmt automatisch ab, je älter wir werden und je mehr Stress Sie haben. Gegensteuerung:  Zink, Mangan, Eiweiß, Vitamin B6 in Shiitakepilzen, Kürbiskernen, Linsen, Sojaprodukten, Garnelen
  • Erhöhen Sie den DHEA Spiegel, die „Mutter aller Hormone“: schon eine Scheibe Vollkornbrot oder täglich Bierhefe reichen
  • Abnehmen bei Übergewicht. Bewegen Sie sich. Männer, die sich täglich bewegen, haben ein geringes Risiko, impotent zu werden.
  • Die schönste Stimulation: Sex und erotische Gedanken setzen das Lusthormon frei.

Wenn „das“ mal passiert...

Nicht immer kann der Mann sich darauf verlassen, dass „alles“ so abläuft, wie die Natur es vorgesehen hat. Entweder kommt die Erektion nicht zustande, oder sie kann nicht solange aufrecht erhalten werden, dass sie für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreicht. Oder auch, dass es zu keiner ausreichenden Befriedigung des Partners kommt. Wenn das „mal passiert“, muss dies noch kein Grund zur Sorge sein – nobody is perfect. Geschieht dies jedoch häufiger und über einen längeren Zeitraum, spricht der Arzt von „Erektiler Dysfunktion“ (ED).

Studien zeigen: Jeder fünfte Mann über 40 ist betroffen. Es handelt sich um eine ernst zu nehmende Krankheit. Eine Krankheit, die viele Männer betrifft. Neue Studien besagen, dass zwanzig Prozent aller Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren an Erektionsstörungen leiden. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Doch nur wenige Betroffene suchen den Arzt auf. Dabei hat die Behandlung durch neue Therapien entscheidende Fortschritte gemacht. Heute stehen Medikamente zur Verfügung, die einfach anzuwenden sind und gut wirken.

Die Zulassung von Viagra® im Jahre 1998 hat die Therapie der erektilen Dysfunktion (ED) revolutioniert. Mit diesem Medikament kann sehr vielen Männern mit Erektionsstörungen geholfen werden. Inzwischen sind mit Cialis® (seit 1. Februar 2003) und Levitra® (seit 15. März 2003) weitere Medikamente mit dem gleichen Wirkungsmechanismus auf dem deutschen Markt. Sie sind geeignet zur Behandlung von Potenzproblemen mit organischer, psychogener oder gemischter Ursache.

In der Öffentlichkeit, den Medien und in Stammtischrunden werden diese Medikamente - oft mit einem vielsagenden Lächeln und Augenzwinkern - als „Potenzmittel“ bezeichnet und man meint damit Mittel, die den Geschlechtstrieb anreizen und die sexuelle Potenz steigern. Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass Cialis®, Levitra® und Viagra® eben keine Potenzmittel sind. Nach ihrer Einnahme kann der Mann nicht häufiger oder öfter in kürzerer Zeit hintereinander sexuell aktiv sein als sonst. Und wer eine gute Erektion hat, dem bringt die Einnahme keinen Vorteil. Es handelt sich weder um Potenzmittel noch um Lifestyle- oder Party-Drogen, sondern um hochwirksame Arzneimittel zur Behandlung einer Krankheit, die neben ihrer Wirkung auch Nebenwirkungen und Risiken haben.

(Disy Men Herbst 2005)