Frühling 2006

Ich mag es, wenn Männer bestimmen. Glauben Sie nicht? Doch. Gestern waren wir in Hamburg in einer Bar. Fünf Männer und ich. „Was möchtest Du trinken, Anja?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Entscheidet Ihr.“ Ob ich keinen Willen hätte, wurde ich gefragt. Oh, doch. Und was für einen. Geht nicht, gibt es nicht, und wenn es sein muss, mit dem Kopf durch die Wand.

Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich die Verantwortung nicht gern auch mal abgebe. Job ist das Eine, Privatleben das Andere. Wer tagtäglich führen, Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen muss, ist dankbar, wenn er auch einmal nur mitlaufen darf.

Alle meine Freundinnen in ähnlichen Positionen sagen das auch. Ihr Männer täuscht Euch oft in selbstbewussten Frauen. Wir müssen nicht immer den Ton angeben. Starke Frauen lassen sich auch gern einmal an die Hand nehmen.
Es ist schön, wenn er das Wochenende plant, das Restaurant aussucht, den Wein bestellt. Emanzipation hin oder her. Frauen wollen starke Männer. Wir wollen beschützt werden, umsorgt, behütet. Wenn Ihr uns das geben würdet, müssten wir nicht immer selbst bestimmen. Doch bevor sich keiner um uns kümmert, tun wir es eben selbst. Bevor am Wochenende gar nichts geplant ist, organisieren wir das lieber. Bevor die Weinauswahl dem Kellner überlassen wird, schauen wir eben in die Karte.

Mensch, Männer. Macht doch mal. Traut Euch. Lasst Euch nicht immer von dem
Klischee der Powerfrauen einschüchtern. Wir mögen Männer nicht, die den Kopf
einziehen. Höflich, ja. Zuvorkommend, na klar. Hilfsbereit sein, unsere Wünsche berücksichtigen, auf uns eingehen – ja, ja, ja. Aber dann ist auch mal Schluss. Dann müsst Ihr Euch wieder darauf besinnen, was Ihr seid.

Nämlich Männer!

Herzlichst

Anja K. Fließbach
Chefredakteurin