Was macht Unternehmer erfolgreich?

„Gute Unternehmer überzeugen durch Kompetenz und Charakter“

Unternehmerinnen und Unternehmer stehen in Deutschland ohne Zweifel vor großen Herausforderungen. Viele nehmen diese Herausforderungen an und lösen anstehende Probleme auf intelligenten Wegen und mit kreativen Ideen. Gefragt sind hierzu Unternehmerpersönlichkeiten, die nicht nur durch Ihre fachliche Kompetenz, sondern auch durch Ihren Charakter überzeugen. Verantwortungsvolles Unternehmertum, intelligente Personalpolitik und Transparenz in der Unternehmenskommunikation sind der Schlüssel zum Erfolg.

Hohe Arbeitsbelastung im Mittelstand

Die derzeitige Situation, insbesondere auch der familiengeführten mittelständischen Unternehmen, ist nicht leicht. Mittelständische Betriebe bekommen zunehmend die Auswirkungen der Globalisierung, ihre

Eigenkapitalschwäche und nicht zuletzt den bevorstehenden Generationenwechsel zu spüren.

Zwar müssen sich auch Großunternehmen den Herausforderungen der Internationalisierung der Märkte stellen. Ihnen gelingt dies jedoch größenbedingt leichter. Mittelständische Betriebe sind eher auf den heimischen Arbeits- und Absatzmarkt angewiesen. Betriebsverlagerungen ins kostengünstigere Ausland sind für sie schwierig, wenn nicht sogar ausgeschlossen.

So werden als branchenübergreifende Hindernisse und Belastungen in der Geschäftstätigkeit für kleine und mittlere Unternehmen vor allem die Bereiche Steuern und Abgaben (88 %) sowie Lohn- und Sozialkosten (84 %) genannt.  Parallel zur Öffnung der Märkte vollzieht sich ein grundlegender Wandel im Finanzierungsumfeld der Unternehmen. Die Eigenkapitalausstattung deutscher Unternehmen befindet sich seit Jahren im Abwärtstrend. Fehlendes Eigenkapital erzeugt Abhängigkeiten von Kreditgebern, die angesichts rekordverdächtiger Insolvenzzahlen sehr genau analysieren müssen, mit wem und zu welchen Bedingungen sie Geschäfte machen.

Die Anforderungen an das Management kleiner und mittelständischer Unternehmen sind deswegen deutlich gestiegen. Strategische Unternehmensplanung, Rentabilitäts- und Liquiditätsplanungen, Absatzmarktanalysen, Controlling und ein effektives Risikomanagementsystem sind heute Grundvoraussetzungen für langfristigen Unternehmenserfolg. Aus diesen Gründen haben wir in den letzen Jahren eine zunehmende Arbeitsbelastung der Geschäftsführer kleiner und mittelständischer Unternehmen feststellen können. Operative Managementaufgaben, wie Rechnungswesen und Controlling beanspruchen immer mehr  Arbeitszeit.

Unternehmer sein heißt für Leistung begeistern

Dieses Umfeld verlangt nach Unternehmerpersönlichkeiten, die sich trotz der gestiegenen Arbeitsbelastung über das Alltagsgeschäft hinaus engagieren und Richtungsentscheidungen mit Weitblick treffen. Ein Unternehmer muss deswegen nicht nur die Zahlen kennen, er muss auch in der Lage sein, seine Mitarbeiter zu motivieren und zu begeistern und er muss seine Konzepte und Ideen gegenüber Geschäftspartnern überzeugend vermitteln können. Emotionale Intelligenz und kommunikative Kompetenz sind deswegen Schlüsselqualifikationen eines erfolgreichen Unternehmers. Ein guter Unternehmer darf sich nicht hauptsächlich als Repräsentationsfigur verstehen, sondern muss wie ein guter Spielertrainer mit gutem Beispiel vorangehen, seine Leute mitreißen, zupacken, entscheiden, das Schiff auf Kurs bringen und – gegen alle Turbulenzen – auch auf Kurs halten.

Unternehmer sein heißt vorausschauend denken

Um die Leistungsfähigkeit mittelständischer Unternehmen langfristig sicherstellen zu können, braucht es neben Leistungswillen vor allem eins: eine gesicherte Finanzierung. Die aktuelle Finanzkrise mittelständischer Unternehmen resultiert aus mehreren Umständen, die direkt und indirekt mit „Basel II“ zu tun haben. Bei Entscheidungen über Kreditvergaben sind mittlerweile die internen Ratings der Banken das Maß aller Dinge. Diese Ratings entscheiden über Annahme oder Ablehnung von Kreditanträgen und bestimmen die Finanzierungskosten. Mittelständische Unternehmen können die Beurteilung ihrer Bonität (Rating) durch Banken allerdings beeinflussen. Weitsichtige Unternehmer haben dabei gute Karten. Unterstützung finden mittelständische Unternehmer bei Ihren Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, da rund 75 % aller Tätigkeiten rund um den Rating-Prozess den steuerberatenden und prüfenden Berufsstand berührt.

Unternehmer sein heißt Verantwortung leben

Deutschland braucht mehr unternehmerisch denkende Persönlichkeiten. Menschen die eigenständig nach neuen Wegen suchen, auf denen „Sackgassen“ in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft überwunden werden. Unternehmerische Menschen orientieren ihr Tun nicht primär an vorgegebenen Zielen, sondern setzen sich selbst Ziele und Handeln in Eigeninitiative und Eigenverantwortung Hinzu kommt die Verantwortung für sich und andere. Es geht um Mitarbeiter und Familie, um das Unternehmen, nicht nur um den Unternehmer. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, müssen unsere Unternehmer deswegen Vorbilder sein. Häufig sind sie dies nicht. Insbesondere moralische Verfehlungen schaden dem Berufsstand. Erst kürzlich wurden solche Fälle wieder öffentlich diskutiert. Häufig resultieren derartigen Fehlleistungen aus einem Mangel an Unrechtsbewusstsein und der Unfähigkeit, sich in die Lage anderer zu versetzen. Häufig spielt auch Eitelkeit oder schlicht die Gier nach persönlicher Bereicherung eine Rolle. Der „puritanische“ Unternehmer, wie ihn Max Weber als Pionier des Kapitalismus beschrieb, wollte nichts für sich und alles für sein Werk. Für Eitelkeiten hatte er weder Zeit noch Sinn.  So viel Altruismus erscheint heutzutage zwar kaum noch praktikabel. Der Grundgedanke bleibt aber dennoch richtig: Es muss in erster Linie um die Sache gehen. Unternehmer, die nach diesem Grundsatz handeln, können wieder zu Vorbildern werden und verbessern gleichzeitig ihren wirtschaftlichen Erfolg.

 (Disy Men Herbst 2005)