Regen für die Wirtschaft, Sonne für die Börse

Warum sich ein Tanz auf dem Börsenparkett wieder lohnt

Der Dax, das Schreckgespenst des deutschen Kleinanlegers. Mit Einführung der Telekom-„Volksaktie“ war das Börsengeschäft einst zum scheinbaren El Dorado für jeden geworden, der ein paar Euro auf der hohen Kante hatte. Als mit dem Wechsel des Jahrhunderts aber auch eine entsprechende Wende am Aktienmarkt kam, der neue Markt praktisch zusammenbrach und die unendlichen Reichtum verheißende Börsenblase platzte, war es aus mit Anlegers Übermut. Das gebrannte Kind scheut das Feuer und nur noch mit Argwohn und Misstrauen statt Glanz und Begeisterung streiften seine Augen die Verlaufskurve des Deutschen Aktien Index. Und so erklärt sich wohl auch, warum die Kursbewegungen der letzten Monate beim Kleinanleger kaum Kaufreiz erweckten. Denn ein genauer Blick zeigt eine Steigerung seit Anfang 2003 um knackige 120 Prozent! Finanzexperten und ausländische Anleger hingegen haben diese Entwicklung äußerst angenehm aufgenommen und entsprechend gehandelt. Denn längst ist klar, dass innerdeutsche Konjunktur und politisches Hick-Hack mit den Gewinnzahlen der großen Unternehmen nichts zu tun haben. Diese Firmen, denken, planen und operieren global. Während im Inland personell abgespeckt wird, entstehen in den ausländischen Zweigen neue Produktionsstätten, die deutliche Gewinne abwerfen. Entsprechend positive Zahlen können die Unternehmen ihren Anlegern schon seit Jahren nennen. Doch nur rund ein Fünftel der Deutschen besitzt noch Aktien. Im ersten Quartal dieses Jahres verkauften die inländischen Anleger Aktien im Wert von ca. 3,5 Milliarden Euro, die Amerikaner hingegen kauften kräftig ein, gaben knapp 130 Milliarden  Euro aus. Die Kursentwicklungen der deutschen Dax-Unternehmen sind noch immer viel versprechend,  einige Posten leicht unterbewertet. Der Trend zeigt deutlich auf die 5000er Marke des Aktienindexes und darüber hinaus. Ein genauer Blick kann sich also wieder lohnen, um auch als Kleinanleger auf dem Börsenparkett noch einmal erfolgreich Fuß zu fassen.

(Norbert Scholz, Disy Men Herbst 2005)