• Dezember 10, 2021
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Jeder ist ein Kunstwerk

Kunst ist absolut frei. 

Peace, Love und Hope charakterisieren die Kunst, die im Moment gut ankommt. Zumindest beschreibt das Mitarbeiterteam der Galerie Mensing mit diesen Wörtern den Puls der Zeit. Mit zehn Filialen und über 50 Jahren Erfahrung in der Galeriearbeit ist das auf jeden Fall eine Einschätzung, auf die man sich verlassen kann. Disy hat die Hamburger Filiale besucht, um Mitarbeiter und den Chef der Galerie, Harry Mensing, zu interviewen. Lesen Sie mal! 

Was ist Ihre Idee von Kunst? 

Mensing:  Kunst spiegelt die Gesellschaft wider. Die Galerie Mensing kommt traditionell aus dem 19. Jahrhundert. Früher war Kunst handwerklich geprägt. Mich begeistert immer wieder die Malerei, die momentan aber nicht mehr so angesagt ist. Mittlerweile ist Street-und Pop-Art angesagt. Auch als Reflektion der entsprechenden Gesellschaft. 

Ab wann ist ein Werk für Sie Kunst? 

Mensing: Ich würde mir niemals ein Urteil erlauben, ob etwas Kunst ist. Kunst ist absolut frei und braucht keinen übersteigerten Intellekt. Es gehört viel dazu, ein Bild zusammenzubauen, die Idee dazu zu haben. Obwohl das Werk für manche Leute dann vielleicht profan oder sehr einfach wirkt. Kunst lebt von diesen Gegensätzen und der Diskussion. Ich kann Ihnen im Rahmen meiner Galeriearbeit nur sagen, ob es verkäuflich ist oder nicht. 

Wie wird sich die Kunst entwickeln? 

Mensing: Wenn ich das wüsste, würde ich jetzt schon in diese Richtung gehen. Kunst hängt von vielen Dingen ab, die wir nicht beeinflussen können. Die Moderne gewinnt immer mehr an Bedeutung. Kunst und Design - das sind fließende Grenzen. Heute sind immer mehr Menschen modern eingerichtet. Kunst muss nicht mehr toll gemalt sein, es muss von weitem her schon eine tolle Message und ein Designeffekt erkennbar sein. Kunst ist eine Art, sich auszudrücken.

Muss Kunst interpretierbar sein? 

Mensing: Manche vermissen den Intellekt. Ich bin da ganz frei. Ich selbst bin auch Künstler. Eines meiner Werke ist ein schwarzes Bild. Wenn Sie auf einen Knopf drücken, erscheint der Satz: ,I am Art´. Das Bild ist ungefähr 60 Zentimeter hoch und 1,20 Meter breit. Jeder Kunde fragt sich, was an dem Werk Kunst ist. Dann drücke ich auf den Knopf und der Satz erscheint. Mit dieser gesamten Komposition möchte ich sagen ,Okay, dann ist es eben keine Kunst.´ Aber die Idee, diesen Gedanken in den freien Raum zu stellen, ist für mich schon wieder Kunst. Das finde ich interessant. 

Wie würden Sie Ihren Kunststil beschreiben?

Mensing: Ich habe viele Ideen, aber wenig Zeit. Für mich steht die Performance oder der erste Eindruck im Vordergrund. Kunst ist immer auch eine Frage des Bewusstseins. Letztendlich ist es einfach. Es muss sich nur jemand finden, dem Deine Kunst Spaß macht. Künstler können in der Natur Kunstwerke finden, in der Lebensfreude oder im Intellekt. Kunst ist eine Spiegelung Deiner Persönlichkeit. Vielen Kunden sehe ich gleich an, welche Kunst sie begeistert. Allgemein ist Kunst eine Reflektion der Gesellschaft und immer auch eine Entwicklung. Früher hatte Kunst als Handwerk einen ganz anderen Stellenwert. Mit der Entwicklung der Fotografie hat sich das verändert. Heute ist alles Kunst. Eine Coladose ist Kunst und eine Tomatensuppe. Jeder und alles ist ein Kunstwerk. 

Wenn Sie selber künstlerisch tätig werden, planen Sie Ihr Werk?

Mensing: Nein! Ich habe einfach Ideen. Zum Beispiel wollte ich einen Acryllkasten mit Schuhen ausstellen. Die Lebenslinie eines Menschen oder einer Frau. Wenn man ein Baby ist, bekommt man so ganz kleine Schuhe, mit zehn Jahren schon mal die ersten Pumps und wenn man dann dreißig ist, sind die Schuhe richtig hoch. Mit 50 werden die Schuhe wieder kleiner und ganz zum Schluss sind sie wieder flach. Beim Mann könnte man jetzt sagen, ist die Lebenslinie gerade. Weil die Absätze nicht variieren. Ich fand die Idee witzig.

Stammt noch ein Bild von Ihnen? 

Mensing: Ja, zum Beispiel das Bild ,Back to the roots´. In der Mitte des Bildes ist ein Apfel zu sehen, um den Redbull-Dosen platziert sind. Die Natur hat den höchsten Stellenwert und befindet sich daher im Mittelpunkt. Der Apfel ist die natürliche Energie und Redbull ist die Energie, die uns vorgegaukelt wird. Das muss nicht negativ sein, Ich bin ein großer Fan von dem Erfinder des Getränkes. Das Design steht im Vordergrund und ich nutze Elemente unseres täglichen Umgangs.

Gibt es unter Künstlern einen Konkurrenz-Gedanken? 

Mensing: Wenn Künstler sich ähnlich sind, ist das kaum zu vermeiden. Es handelt sich wie in der Wirtschaft um einen Wettbewerb. Wenn sich Kunstwerke in meiner Galerie zu ähnlich sind, weise ich die Künstler darauf hin. 

Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Galerist?

Mensing: Ich stehe vermittelnd zwischen dem Kunden und dem Künstler. Dem Künstler gebe ich ein Feedback, wie seine Werke ankommen und dem Kunden muss ich einem guten Preis machen. Meine Hilfestellung basiert auf meinen Erfahrungen, die ich in 30, 40 Jahren gesammelt habe. Ich will dem Kunden Sicherheit geben. Für mich besteht die Aufgabe des Galeristen darin, die Menschen zu begeistern. Ich will, dass meine Kunden den Mut haben, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Aber die Aufgabe des Galeristen liegt auch darin, die Künstler immer wieder zu inspirieren. 

Sie sind Künstler, Galerist und Verkäufer. Man spürt, dass Kunst Ihe Berufung ist...

Mensing: Das macht die Galerie Mensing aus. Ich vereinige alle Qualitäten in einer Person. Ich halte auch lange an eigenen Künstlern fest, mit denen wir uns entwickeln. Mein Verständnis vom Miteinander ist von Respekt und Loyalität geprägt. Wenn ich das Recht bekomme, einen Künstler zu vertreten, will ich ihm auch eine Bühne geben. Ich will eine Galerie in einer gewissen Größe und eine Galerie in bestimmten Städten haben. Momentan sind wir auf der Suche in München, aber die Mieten sprengen den finanziellen Rahmen des Kunsthandels. Nun haben wir in Hamburg am Neuen Wall eröffnet. 

Sie expandieren.....

Mensing: Es ist aber kein einfaches Geschäft und die Mietpreise sind momentan sehr hoch. Wir waren dieses Jahr sehr expansiv, aber letztendlich geht es nicht um ein Massenprodukt, sondern um etwas ganz Individuelles. Ich möchte nicht zu kommerziell werden, obwohl kommerziell absolut nichts Negatives für mich ist. Es bedeutet lediglich, dass die Arbeit den Leuten gefällt.