• Februar 23, 2024
  • 3052 Aufrufe

Högerdamm wird in Recha-Lübke-Damm und Bella-Spanier-Weg umbenannt

Straßenumbenennung in Gedenken an zwei Opfer des Nationalsozialismus

Der Högerdamm in Hammerbrook wird in Recha-Lübke-Damm und Bella-Spanier-Weg umbenannt. Damit werden zwei langjährige jüdische Lehrerinnen geehrt, die in unmittelbarer Nähe an der damaligen staatlichen Mädchenschule in der Rosenallee 11 gearbeitet haben, ehe sie von den Nationalsozialisten umgebracht wurden. Recha Lübke ist mit dem Verdienstkreuz für besonderen Einsatz in der Heimat im ersten Weltkrieg ausgezeichnet worden und engagierte sich ehrenamtlich in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde.

Die Behörde für Kultur und Medien hatte 2020 eine Kommission einberufen, die Entscheidungskriterien für den Umgang mit NS-belasteten Straßennamen in Hamburg entwickeln und Empfehlungen zu möglichen Umbenennungen aussprechen sollte. Diese hatte 2022 unter anderem empfohlen, den Högerdamm umzubenennen. Der namensgebende Architekt Fritz Höger, der unter anderem das Chilehaus entwarf, hat eine völkische und antisemitische Weltanschauung vertreten und war bereits 1932 Mitglied der NSDAP. Die neuen Namensvorschläge stammen von der Stadtteilinitiative Münzviertel. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte stimmte ihnen zu und sie wurden daraufhin von der Senatskommission beschlossen.

Die Hauptstraße des ehemaligen Högerdamms heißt künftig Recha-Lübke-Damm und die von diesem nach Norden abgehende Sackgasse, die ehemals ebenfalls Högerdamm hieß, heißt nun Bella-Spanier-Weg.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Mit der Umbenennung gedenken wir der jüdischen Lehrerinnen Recha Lübke und Bella Spanier, die in unmittelbarer Nähe gewirkt haben, ehe sie von den Nazis aus der Mitte unserer Gesellschaft gerissen und ermordet wurden. Die Erinnerung an sie wird uns – gerade in diesen Zeiten – hoffentlich eine dauernde Mahnung sein, allen antisemitischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten. Ich danke dem Bezirk, der mit dieser Umbenennung dem Vorschlag der Stadtteilinitiative Münzviertel und auch dem Rat der Kommission zum Umgang mit NS-belasteten Straßennamen gefolgt ist.“

Ralf Neubauer, Bezirksamtsleitung Hamburg-Mitte: „Die Umbenennung des einstigen Högerdamms in den Recha-Lübke-Damm und Bella-Spanier-Weg soll ein hohes Maß an Respekt und Anerkennung gegenüber zwei Persönlichkeiten zollen, deren Leben und Wirken durch die Schrecken des Nationalsozialismus gezeichnet wurde. Dieser Akt der Umbenennung soll uns daran erinnern, dass das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes eine Aufgabe ist, die niemals endet."

Recha Lübke (*1880 +1944) ist 1880 in Altona geboren. 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Als nach über zwei Jahren das Ghetto geräumt wurde, wurde sie am 9. Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert, wo sich ihre Lebensspur verliert.

Bella Spanier (*1884, +1942) wurde in Burg-Lesum geboren und am 25. Oktober 1941 mit dem ersten Transport nach Lodz deportiert. Am 10. Mai 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Chelmno deportiert und dort ermordet.

Recha Lübke und Bella Spanier waren viele Jahre Lehrerinnen und absolvierten ihre Ausbildung im Lehrerinnenseminar in Altona. Ihre Beschäftigung wurde mit der Erlassung des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ am 7. April 1933 untersagt. Recha Lübke hatte zu diesem Zeitpunkt 34 Berufsjahre und Bella Spanier 27 Jahre vollbracht.