Zusammenarbeit von Hausärzten und Psychosomatikern stärken

Von Professor Dr. med. Johannes Kruse


Nahezu 25 Prozent aller Bundesbürger erkranken im Verlaufe eines Jahres an mindestens einer seelischen oder psychosomatischen Störung. 20 Prozent aller Krankschreibungen und 40 Prozent aller frühzeitigen Berentungen in Deutschland gehen zu Lasten von psychischen und psychosomatischen Störungen. Bei der Behandlung dieser Patienten nimmt der Hausarzt eine zentrale Rolle ein. Auch heute noch wird die Mehrzahl der Patienten in hausärztlichen Praxen behandelt. 

Aufgrund des langjährigen Vertrauensverhältnisses, das der Patient zu seinem Hausarzt aufbaut, ist er für viele Betroffene der erste Ansprechpartner im Gesundheitssystem. Ihm berichten die Patienten ihre seelischen und psychosomatischen Beschwerden. Wie eine bevölkerungsrepräsentative Studie zeigt, möchten 50 Prozent der Bundesbürger von ihrem Hausarzt behandelt werden, wenn sie unter seelischen oder psychosomatischen Beschwerden leiden. Daher ist der Hausarzt gefordert, die seelischen und psychosomatischen Störungen zu erkennen und die biologischen, psychischen und sozialen Aspekte der Erkrankung zu gewichten. Hausärzte behandeln viele Patienten mit leichteren und akuten psychischen und psychosomatischen Problemen. Eine wichtige Aufgabe besteht darin, dass sie dem Patienten und ihren Angehörigen die Erkrankung erklären und ihn als Lotse durch das Versorgungssystem leiten. Im Rahmen der psychosomatischen Grundversorgung können sie sehr niedrigschwellig therapeutische Gespräche mit dem Patienten durchführen, um ihn in der aktuellen Situation zu entlasten und Wege aus der Krise zu finden. Diese Patienten nehmen die hausärztliche Betreuung überdurchschnittlich häufig in Anspruch. Patienten mit chronischen sowie schweren psychischen und psychosomatischen Erkrankungen bedürfen aber vielfach einer weiteren spezialisierten fachärztlichen Versorgung u.a. durch einen Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, auch wenn Zugangsbarrieren zum psychosomatischen Versorgungssystem bestehen. So dauert es immer noch mehr als 10 Jahre bis ein Patient mit chronischen funktionellen Körperbeschwerden in die spezialisierte psychosomatische Versorgung kommt. Um die Zugangsbarrieren gering zu halten, haben sich Kooperationsformen zwischen Hausärzten und psychosomatischen Medizinern als sehr hilfreich erwiesen. Es bedarf der intensiven Verzahnung derhausärztlichen und fachärztlichen Versorgung, um in einem gestuften Behandlungskonzept diesen Patienten gerecht zu werden. Neue Versorgungskonzepte wie zum Beispiel die gemeinsame Betreuung von Patienten durch einen Hausarzt und einen Psychosomatiker, die Integration eines Psychosomatikers in Gemeinschaftspraxen oder enge Kooperationsformen im Rahmen von Konsildiensten sind wesentliche Bausteine für eine verbesserte Versorgung dieser Patienten. Bei zahlreichen Patienten können solche Kooperationsformen auch präventiv wirksam werden. So können sie helfen, dass aus einer leichten psychischen Störung keine schwere Störung und Beeinträchtigung wird.