Neuer Wirkstoff gegen manische Depression

Eine internationale Studie unter der Leitung des Direktors der Dresdner Uniklinik für Psychatrie und Psychotherapie zeigt, dass Schilddrüsenhorme bei bipolaren Störungen helfen. 

 

Für die Studie untersuchten die Forscher den Gehirnstoffwechsel vor und sechs Wochen nach der Behandlung mit mit dem Schilddrüsenhormon L-T4 oder einem Placebo. Die Gabe von L-T4 hat einen bedeutenden Rückgang der Depressionsrate während der sechswöchigen Behandlung erzeugt. Im Gegensatz zur Placebo-Behandlung kam es während der Schilddrüsenhormontherapie zu deutlichen Verbesserungen des Gehirnstoffwechsels des Limbischen Systems, welches im menschlichen Gehirn für die Steuerung von Emotionen, Gedächtnis und Angst verantwortlich ist. 

„Diese Ergebnisse zeigen klar, dass die Gabe von über dem normalen Blutspiegel liegenden Mengen des Schilddrüsenhormons L-T4 die Symptome von Patienten mit einer bipolar Depression verbessert“, unterstreicht Prof. Michael Bauer, Direktor der Uniklinik für Psychatrie und Physiotherapie in Dresden. „Dies geschieht durch das Modulieren der Hirnfunktion in Teilen des vorderen limbischen Netzwerks, das für die Verarbeitung von Emotionen eine ganz zentrale Bedeutung besitzt.“ „Darüber hinaus belegen diese Ergebnisse den seit langem bekannten engen Zusammenhang zwischen der Schilddrüse und der Depression, indem sie zeigen, dass auch das Gehirn des Erwachsenen ein Zielorgan für das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin ist“. Welche genauen biochemischen Mechanismen zu dieser Verringerung der Depressionsraten führten wissen die Forscher allerdings noch nicht. Bauer: „Lange Zeit ging man davon aus, dass das Gehirn kein Zielorgan für Schilddrüsenhormone ist, doch mehrere Studien aus den vergangenen Jahren haben gezeigt, dass überall im Gehirn spezifische Rezeptorproteine vorhanden sind, an die Schilddrüsenhormone andocken können. Diese Rezeptorproteine finden sich unter anderem auch in besonders großer Menge im Hippocampus und in der Amygdala.“ Die Gabe von Schilddrüsenhormonen könnte sich als Therapie von bisher durch bekannte wirkstoffe kaum beieinflussbare Depressionen bei Patienten mit einer bipolaren Störung etablieren: „Für die Gruppe der schwer behandelbaren Patienten mit hohem Suizidrisiko brauchen wir sie als zusätzliche Option, zur Standardtherapie für alle Patienten wird sie sich aber mit Sicherheit nicht entwickeln“, erklärt Bauer.