Bewusstsein im Schlaf

Klarträume oder auch luzide Träume sind dadurch gekennzeichnet,dass der Träumer/die Träumerin sich während des Traumes bewusst ist, dass sie/er träumt. In der Allgemeinbevölkerung wird von ca. 50 Prozent der Befragten berichtet, dass sie mindestens einen luziden Traum in ihrem Leben hatten.

 

Die Häufigkeit luzider Träume steht mit der Persönlichkeitsdimension„Offenheit für Erfahrungen“ in Zusammenhang. Personen mit häufigen luziden Träumen sind jedoch sehr selten. „Diese Art des Träumens ist sehr spannend, weil man alles tun kann, was man möchte, z. B. fliegen, sexuelle Handlungen, alles, was Spaß macht, ist erlaubt. Deshalb werden die Klarträume fast immer als sehr positiv und bereichernd erlebt“, erklärt Traumforscher Prof.Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors des ZI Mannheim.

 

Auch Alpträume können mit dieser Technik wirkungsvoll angegangen werden. Für die Forschung ist dieser Bewusstseinszustand auch von besonderer Bedeutung, da geübte Personen im Traum Dingetun können, die sie vorher mit dem Versuchsleiter abgesprochenhaben, z. B. Kniebeugen oder das Werfen von Dartpfeilen. Da im Traum ausgeführte Augenbewegungen von außen gemessen werden können, ist es möglich, interessante Versuche durchzuführen. „Zum Beispiel führt die Versuchsperson Augenbewegungen aus (rechtslinks-recht-links), macht 10 Kniebeugen und führt dann wieder die Augenbewegungen aus. Zwischen den gemessenen Augenbewegungen wird geschaut, ob sich der Puls und die Atmung verändert,also der Körper mit der geträumten Aktivität mitreagiert. In einereigenen Studie zeigte sich ein solcher Effekt. Auch das Üben von Dartwürfen verbesserte bei einigen Personen die Treffsicherheit am Morgen“, berichtet Michael Schredl. Das Klarträumen ist sowohl für den Anwender/die Anwenderin als auch für die Forschung sehrspannend. Hiermit lässt sich die Fähigkeit des Bewusstseins darstellen,sich eine eigene Welt zu schaffen, die fast vollständig ohne Reize von außen aufgebaut und trotzdem als sehr wirklichkeitsgetreu wahrgenommen wird.

 

Während eines Klartraums erkennt der Träumende also, dass er sich gerade in einer Traumwelt befindet. Aber ist es möglich, aus dieser Traumwelt heraus mit der Wachwelt zu interagieren, gar Nachrichtenin beide Richtungen auszutauschen – ganz ohne zwischendurch aufzuwachen? In einem Schlaflabor- Experiment von Osnabrücker Forschern ist dies gelungen. Um Nachrichten aus dem luziden Traum in die Wachwelt zu übermitteln, verwendeten die Wissenschaftlerebenfalls bestimmte Augenbewegungen. „Denn geträumte Augenbewegungen entsprechen oft den realen Bewegungen der schlafenden Augen, welche sich wiederum mit geeigneter Technikmessen lassen. Im aktuellen Experiment konnten so Antworten auf einfache Matheaufgaben übermittelt werden. Diese zufällig ausgewählten Aufgaben (bspw. 3+5, 7-2) wurden zuvor mittelsmorse-kodierten Lichtblinkern oder Pieptönen in die Traumweltübertragen“, erzählt Kristoffer Appel, der der Forschungsgruppe angehört. Jeder hat vermutlich schon einmal erlebt, wie der morgendliche Wecker vor dem Erwachen manchmal noch Einfluss auf das Traumgeschehen nimmt. Ein ähnliches Prinzip verwendeten die Osnabrücker Schlafforscher. Die Schlafkommunikation hat zwar bislang erst in mehreren Einzelfällen funktioniert, und bis zu einer zuverlässig funktionierenden Methode für jedermann ist es noch ein weiter Weg – doch mögliche zukünftige Anwendungen klingen vielversprechend und reichen von Entertainment über Lernen im Schlaf bis hin zur Therapie wiederkehrender Albträume, bei derder Patient noch während seines Traumes Hilfe eines Therapeutenerhält.