Deutsche Lungenheilkunde setzt auf fachübergreifende Vernetzung

Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)

 

 

Mit mehr als 3.500 Teilnehmern ist der DGP-Kongress in Dresden zu Ende gegangen.

 

Unter dem Motto „Pneumologie – Prisma der Inneren Medizin“ diskutieren Ärzte, Wissenschaftler und Fachkräfte aus der Lungenheilkunde Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie.

Highlights waren die Keynote Lectures, die erstmals ins Programm aufgenommen wurden, Beginnerkurse für den medizinischen Nachwuchs und die besondere Einbindung der regionalen Fachgesellschaften und Berufsverbände. Ein weiterer Höhepunkt war die Ausstellung „Lungenheilkunde und ihre Institutionen im Nationalsozialismus“, die in der Via Mobile der Messe Dresden zu begutachten war. „Ziel des diesjährigen DGP-Kongresses war es, die Verbindungen zwischen Pneumologie und anderen Disziplinen der Inneren Medizin zu betonen, Experten miteinander zu vernetzen und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit auszuloten“, erklärt Kongresspräsident Professor Winfried Randerath. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Menschen mit schweren Lungenerkrankungen in den kommenden Jahren drastisch steigen wird, wie auch der DGP-Präsident. Professor Klaus F. Rabe in seiner Ansprache zur Eröffnung des Kongresses betonte: „Der ältere lungenkranke Patient wird zur Kerndomäne unseres Fachs werden.“

 

Er sieht es als Kernaufgabe der DGP, die Vernetzung zwischen dem klinischen und ambulanten Sektor stärker auszubauen und, vor allem, die Qualität der pneumologischen Weiterbildung zu fördern. „Der demografische Wandel macht auch vor uns Ärzten nicht Halt. Deswegen müssen wir Nachwuchsmediziner schon im Frühstadium ihrer Ausbildung für die Pneumologie gewinnen“, so Rabe.

 

Formate für den Nachwuchs Im Sinne der Nachwuchsgewinnung wurden mit dem diesjährigen DGP-Kongress Kurse für Beginner eingeführt, die die drei wichtigsten Fertigkeiten der Pneumologie vermitteln: die Spirometrie, nächtliches Monitoring der Atmung sowie die Interpretation von Röntgenaufnahmen des Brustkorbs. „Die Kurse sollen Kenntnisse vermitteln, die Kollegen in der internistischen Weiterbildung – ohne Vorkenntnisse der Pneumologie – schon am nächsten Arbeitstag nutzen können“, erklärt Dr. med. Peter Kardos, ebenfalls Kongresspräsident des 59. DGP-Kongresses.

 

Förderung regionaler Verbände

Neu ist auch die verstärkte Zusammenarbeit mit den regionalen Fachgesellschaften und Berufsverbänden. Diese erhielten nun erstmals die Gelegenheit, sich und ihre Arbeit auf dem Kongress vorzustellen sowie vor Ort ein leicht erreichbares Fortbildungsprogramm anzubieten. 

 

Die Mitteldeutsche Gesellschaft für Pneumologie und Thoraxchirurgie trug unter anderem mit klinischen Symposien zu Husten, Atemnot oder Schlafdiagnostik zum Kongressprogramm bei. Keynote Lectures Ein weiteres neues Programm-Highlight waren die Keynote Lectures, die dazu anregen sollten, die Zukunft der Medizin in Deutschland zu diskutieren. Professor Gerd Antes, Leiter des Cochrane Instituts, eröffnete am Donnerstag mit einem Vortrag zur Implementierung der evidenzbasierten Medizin im praktischen Alltag diese Reihe.

Am Freitag sprach der Philosoph. Professor Julian Nida-Rümelin über die Gefährdung des medizinischen Berufsethos durch die zunehmende Ökonomisierung. In einem 50-minütigen freien Vortrag erklärte er die Schwierigkeit, ein „gesundes Gleichgewicht“ zwischen Berufsethos, Arbeitsverdienst, Wirtschaftlichkeit und Politik zu finden und wie Ärzte ihrer beruflichen Maxime im Spannungsfeld von optimaler Medizin, Patien- tenbedürfnissen und begrenzten Ressourcen gerecht werden können.

Den Abschluss am Samstag bildete der irische Pneumologe und Schlafmediziner Professor Walter McNicholas – er setzte sich mit den kritischen Fragen zur zukünftigen Diagnostik und Therapie der obstruktiven Schlafapnoe auseinander. Ausstellung Lungenheilkunde im Dritten Reich Pünktlich zum Kongress erschien die Buchpublikation der DGP „Die Lungenheilkunde im Nationalsozialismus“. Zur Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit hatte die DGP eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich intensiv mit den dunklen Kapiteln in der Historie der Lungenheilkunde auseinandergesetzt hat. Ihre Ergebnisse präsentieren sie in einem 300-Seiten starken Band sowie in einer Ausstellung, die am Mittwochabend eröffnet wurde. Zu diesem Anlass besuchte Dr. Josef Schuster, Internist und Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, den DGP-Kongress. In der Eröffnungsveranstaltung wies er auf den aktuellen politischen Rechtsruck in Deutschland hin und mahnte zur Besonnenheit.