Hüftprobleme im Sport

Neue Konzepte von Impingement bis Abduktorenschaden

Von Professor Dr. med. Klaus-Peter Günther und Dr. med. Albrecht Hartmann

 

Bei richtiger Durchführung leistet regelmäßige sportliche Betätigung einen wichtigen Beitrag zu körperlicher und seelischer Gesundheit. Allerdings kann es aufgrund von Verletzungen und übermäßiger Belastung bzw. einer nicht an die individuelle Belastbarkeit des Gewebes angepassten Krafteinwirkung auch zu schmerzhaften Schäden der Bewegungsorgane kommen.

 

Neue Untersuchungsergebnisse zeigen, daß gerade am Hüftgelenk solche Störungen häufiger sind als bisher angenommen. Beim sogenannten „Hüftimpingement“ handelt es sich um Formabweichungen des Oberschenkelkopfes oder der Hüftpfanne, die bei der Bewegung als Widerlager wirken und zu einem mechanischen Konflikt zwischen den Gelenkpartnern führen können. Man unterscheidet einen „Nockenwellen-Mechanismus“ (sog. Cam-Deformität mit Verlust der normalen Sphärizität des Hüftkopfes am Kopf-Hals-Übergang) und einen „Beißzangen-Mechanismus“ (Pincer-Deformität mit vermehrter Pfannenüberdachung). Diese Formstörungen können isoliert oder in Kombination beobachtet werden und sind in unterschiedlichen Untersuchungen bei 20-60Prozentder erwachsenen Allgemeinbevölkerung nachgewiesen worden. In Abhängigkeit vom Ausprägungsgrad sind die Deformitäten ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung einer Hüftarthrose.

 

Insbesondere bei der Entstehung einer Nockenwellen-Deformität scheint sportliche Aktivität im Wachstumsalter eine Rolle zu spielen. Möglicherweise kommt es bei überdurchschnittlicher Intensität von Belastung und endgradigen Bewegungsabläufen zu Fehlreizen auf die Wachstumsfuge am Hüftkopf und damit zur Formstörung, die im weiteren Verlauf Gelenkabnutzung und Beschwerden verursachen kann. Aus Reihenuntersuchungen jugendlicher Kaderathleten ist bekannt, dass insbesondere Eishockey, Sprung- und Laufsportarten mit einer Häufung dieser Probleme verbunden sind.

 

Bei entsprechenden Schäden stehen unterschiedliche operative Korrekturverfahren in Abhängigkeit vom Ausprägungsgrad zur Verfügung. Diese reichen von minimalinvasiven Eingriffen (Arthroskopie) über die Umstellungsoperation am Schenkelhals bis hin zur aufwendigen Pfannenkorrektur. Eine weitere Erkrankung, die sowohl bei Sportlern als auch Menschen, die sportliche Aktivitäten anstreben, immer wieder Schwierigkeiten verursachen kann, ist die akute bzw. chronische Verletzung der Abspreiz-Muskulatur.

 

Das Hüftgelenk wird vom kleinen und mittleren Gesäßmuskel (M. gluteus minimus und M. gluteus medius) stabilisiert. Beide Muskeln setzen am großen Rollhügel an und sind für ein schmerzfreies Gehen bzw. Belasten mitverantwortlich. Es gibt neuere Daten dazu, dass etwa 10 Prozentaller Menschen über dem 60. Lebensjahr und sogar 20 Prozentältere Patienten mit knöchernen Verletzungen einen Riss bzw. Teilriss dieser das Gelenk umfassenden Sehnenplatte aufweisen. Vor allem bei Sportlern sind Schambeinentzündungen und beginnende Leistenbrüche (die so genannte Sportlerleiste) sowie Adduktorenprobleme weitere wichtige Ursachen für Schmerzen in der Hüftregion und erfordern eine interdisziplinäre Zusammenarbeit u.a. mit Chirurgen und Physiotherapeuten. Wird die Diagnose nach einer klinischen und bildgebenden Untersuchung festgestellt, stehen verschiedene Behandlungsverfahren zur Verfügung. Diese reichen von spezifischen Übungsprogrammen mit Adaptation von Trainingseinheiten über lokale Applikation von Stoßwellenbehandlung und Medikamenten bis hin zu operativen Maßnahmen.