• Oktober 25, 2019
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Operateur, Forscher, Manager

Prof. Christian Thomas hat die Leitung der Klinik für Urologie am Universita?tsklinikum

 

Von Mainz nach Dresden – diesen Schritt hat Anfang des Jahres Professor Christian Thomas gemacht. Er ist der neue Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Dresden und hat damit eine der größten, leistungsfähigsten aber
auch renommiertesten urologischen Kliniken Deutschlands übernommen. Mit seinen
Schwerpunkten als Arzt, Wissenschaftler und Hochschullehrer ist er eine Idealbeset- zung für den Führungsposten in der Hochschulmedizin Dresden. Prof. Thomas ist ein erfahrender Operateur, der über eine hohe Expertise auf dem Gebiet schonender minimalinvasiver und roboterassistierter OP-Verfahren verfügt und sich als Forscher frühzeitig auf onkologische Themen – unter anderem der Tumorbiologie – spezialisiert hat. „Ich übernehme eine sehr renommierte Klinik mit einem maximal ausgebauten Behandlungsspektrum. Zudem bietet mir das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden ein ideales Umfeld, um die uroonkologische Forschung voranzutreiben“, sagt Prof. Thomas zu den Beweggründen seines Wechsels nach Dresden.

 

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und dessen zweithäufigste durch Krebs hervorgerufene Todesursache. Jährlich erkranken deutschlandweit rund 57.000 Männer neu an Prostatakrebs. Der Forschungsschwerpunkt des Experten liegt in der Untersuchung neuartiger Biomarker sowie der Ausschaltung von Signalwegen, die das Tumorwachstum in der Prostata fördern. Unter „Liquid Biopsy“ versteht man die Untersuchung von Tumorzellen und des zellfreien Genmaterials im Blut von Patienten. Ziel ist es, einen der Gewebsbiopsie vergleichbaren Erkenntnisgewinn in Bezug auf Tumoraggressivität und Prognose zu erhalten bei deutlich geringerer Invasivität. „Die neuen Erkenntnisse sollen es uns in der Zukunft ermöglichen, die Risiken für Prostatakrebs-Patienten noch besser abschätzen zu kännen. Zudem erwarten wir uns insbesondere für Patienten, bei denen sich bereits Metastasen gebildet haben, effektivere und besser verträgliche Systemtherapien“, unterstreicht Prof. Christian Thomas, der nicht nur auf diesem Gebiet seine in Mainz begonnenen Forschungen in Dresden fortsetzen wird.

 

Das Wissen über diese Biomarker soll zu einer individuelleren und zielgenaueren Therapie – sogenannte Targeted Therapies – führen. So forscht er etwa an Proteinen, die normalerweise für die Regulierung von Zellteilung und Zellwachstum zuständig sind. Hierzu gehört beispielsweise der Transkriptionsfaktor Stat5. Beim Prostatakarzinom wird angenommen, dass sich der Tumor die Eigenschaften dieses „Stat5“-Proteins zunutze macht und durch deren vermehrte Bildung das eigene Wachstum anregt. Patienten mit aggressivem Prostatakarzinom weisen häufig einen erhöhten Anteil von „Stat5“-Protein im Tumorgewebe auf. In mehreren vorklinischen Studien konnte der Wissenschaftler aufzeigen, dass sich „Stat5“ durch molekularbiologisch wirkende Medikamente zielgerichtet ausschalten und das Tumor- wachstum damit verlangsamen lässt.

 

Der Urologe bringt damit einen weiteren innovativen Ansatz in der Diagnostik sowie individuellen und zielgerichteten Therapie von Prostatakrebs nach Dresden. Erst vor knapp einem Jahr wurde an der Hochschulmedizin Dresden deutschlandweit zum ersten Mal außerhalb klinischer Studien ein Prostatakarzinompatient mit Laserfasern behandelt – damals noch von Prof. Thomas‘ Vorgänger Prof. Manfred Wirth. Bis dahin hatten Patienten mit einem Niedrigrisiko-Prostatakarzinom in Deutschland lediglich drei Optionen: Eine Bestrahlung des Tumors, eine Entfernung der Prostata oder aber eine aktive Überwachung. Das am Uniklinikum eingesetzte „Tookad“-Verfahren bietet nun eine vierte, minimalinvasive Möglichkeit: Dafür nutzt das Operationsteam den fotosensitiven Wirkstoff Padeliporfin („Tookad“). Im Rahmen einer Operation weden Laserfasern in die Seite der Prostata eingebracht, die vom Tumor befallen ist. Der Laser regt das "Tookad"-Medikament an, wodurch es zur Gefäßzerstörung sowie einer verminderten Blutzufuhr kommt, was das betroffene Gewebe absterben lässt. Eine Vorraussetzung für die Anwendung des "Tookad"-Verfahrens ist ein einseitiger Tumorbefall der Prostata.