»Treu der Natur widerfährt dem Menschen nichts Übles!«

Heinrich Lahmann

 

Der Lahmanm-Park heute Das Gelände gehört heute Baywobau. Das Münchner Unternehmen lässt dort einen groß angelegten Wohnpark entstehen. Das Aushängeschild soll das Damenbad werden. Dort entstehen acht Einfamilienhäuser mit 135 bis 170 Quadratmeter Wohnfläche. Im ehemaligen Wohnhaus Dr. Heinrich Lahmanns enstehen vier herrschaftliche Drei- bis Vier-Zimmer-Eigentumswohungen, darunter eine Maisonette, mit Wohnflächen von 169 bis 187 Quadratmeter. Im Herrenbad entstehen 31 Ein- bis Fünfzimmerwohnungen. Dazu kommen noch zwei Neubauten, das Dresdner Haus, Stadthäuser und Einfamilienhäuser.

»Er strebte ein eigenes, einheitliches, alternatives Heilsystem an. Deren wichtigste Elemente waren richtige Ernährung, Hydrotherapien, Luftbäder und vor allem die Ablehnung von Medikamenten.«

Ende des 19. Jahrhunderts besucht ein junger Arzt während seines Urlaubs den "klimatischen Kurort" Weißer Hirsch, damals noch ein Vorort von Dresden. Er ist angetan von der guten Luft, dem leer stehenden Frida-Bad und den vielfältigen Möglichkeiten für Wasseranwendungen. Für ihn scheint es der ideale Ort für eine Kurstätte für Naturheilkunde zu sein. Der junge Arzt heißt Heinrich Lahmann - wenige Jahre später wird ihm das 36.000 Quadratmeter große Gelände gehören und für Tausende von Kurgästen ein Ort der Erholung sein. Lesen Sie das Portrait eines der ersten Naturheilkundler!

Lahmann wurde am 30. März 1860 in Bremen geboren. Nach dem Abitur studierte der Sohn eines Reepschlägers in Hannover Bauwesen. Doch nach vier Semestern änderte er seine Fachrichtung und begann in Greifswald, München, Leipzig und Heidelberg Medizin zu studieren. Schon während des Studiums interessierte er sich für Naturheilkunde und alternative Medizin. Er promovierte, ließ sich als Arzt in Stuttgart nieder und schrieb seine erste Schrift.

Wenige Jahre später, 1886, bot ihm Johann von Zimmermann die Leitung seiner Naturheilanstalt in Chemnitz an. Doch nur wenig später gerieten beide in Streit, so dass Lahmann nach nur einem Jahr nach Dresden wechselte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits das Frida-Bad gekauft und eröffnete am 1. Januar 1888 sein eigenes "Physiatrisches Sanatorium" mit zehn Angestellten. Da war er gerade einmal 27 Jahre alt. Schon im ersten Jahr behandelte er dort 385 Kurgäste. Im selben Jahr heiratete er zudem Pauline Haase, mit der er später sechs Kinder hatte.

Lahmann war Anhänger der Lebensreform. Schon während des Studiums wendete er sich von der klassischen Medizin ab. Er strebte ein eigenes, einheitliches, alternatives Heilsystem an. Deren wichtigste Elemente waren richtige Ernährung, Hydrotherapien, Luftbäder und vor allem die Ablehnung von Medikamenten. In seinem Buch "Die Diätische Blutentmischung als Grundursache aller Krankheiten" beschrieb er 1891, das das übliche Essen zu säuerlich und mit zu wenig basischen Mineralstoffen ausgestattet sei. Damit war er einer der ersten, der die Bedeutung von Mineralsalzen für eine gesunde Ernährung erkannte. Vitamine waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt. Lahmann empfahl seinen Patienten vegetarische Nahrung, bestehend aus Salat, Früchten, Gemüse, Obst und Nüssen sowie Milch. Fleisch und Genussmittel sollten auf die Sonntage beschränkt sein. Zu Forschungszwecken richtete der Mediziner auch ein Labor auf dem Gelände ein. In diesem wurde der menschliche Stoffwechsel untersucht. Heute sind seine Theorien unter Medizinern umstritten. In der alternativen Medizin finden sie allerdings weiterhin Anklang.

Sein Sanatorium erfreute sich schon bald auch internationaler Beliebtheit. Bereits 1893 kamen über 1000 Besucher. Die Kurgäste erwartete neben der gesunden Ernährung auch Abhärtung. Wasseranwendungen in Luftbädern und Sport in luftiger Kleidung (auch im Winter) standen auf der Tagesordnung. Männer sollten zum Beispiel Sand schippen oder Holz sägen. Lahmann stellte für seine Patienten auch Ernährungspläne auf: Normalkost, Kost für Übergewichtige, Schonkost oder Essen speziell für Diabetiker. Zu den Kurgästen gehörten nach Lahmanns Tod auch Heinrich George, Heinz Rühmann und Johannes Heesters. Es war vor allem die reiche Oberschicht, der Adel und Hochadel, Schauspieler und Künstler, die aus Russland, Deutschland und sogar Asien anreisten, um sich behandeln zu lassen. Auf dem Gelände des Frida-Bad richtete Lahmann das Damenbad ein. 1904 kam ein Herrenbad hinzu. In dessen Turm befand sich ein großer Zinkbehälter für Wasser, das er extra aus dem Stechgrund nach oben pumpen ließ. Dieser hätte die gesamte Anlage mit Wasser versorgen sollen, was jedoch aufgrund eines Streits mit dem benachbarten Parkhotel nicht gelang. Zudem befand sich auf dem Gelände noch der Heinrichshof, Lahmanns private Villa, in der er mit seiner Frau und den Kindern lebte, und ein Speisesaal.

Lahmann starb bereits 1905 im Alter von nur 45 Jahren an einer Lungenentzündung. Im Jahr seines Todes hatte das Sanatorium über 4000 Gäste. Im Kurort Weißer Hirsch mietete er 15 Villen an. Im zweiten Weltkrieg diente das Sanatorium als Lazarett. Zu DDR-Zeiten nutzt die rote Armee das Gelände und ließ die historischen Bausubstanz verfallen. Seit 1991 ist es in privater Hand.