Gemeinsam gegen Rheuma & Co

Forschungsnetzwerk Muskuloskelettale Erkrankungen tagt in Berlin

 

Schmerz, der nicht mehr weicht, ist Alltag für viele Menschen, die an einer sogenannten muskuloskelettalen Erkrankung leiden. Dazu zählen Rückenschmerzen verschiedener Ursachen, Arthrose und Osteoporose, vor allem aber auch die Vielfalt der rheumatisch-entzündlichen Erkrankungen.

 

In Deutschland sind rund 30 Millionen Menschen von Muskuloskelettalen Erkrankungen betroffen. Deshalb fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im „Forschungsnetz zu Muskuloskelettalen Erkrankungen (MSK-Netzwerk)“ seit dem Jahr 2015 acht Forschungsverbünde. Das BMBF stellt für die vierjährige Förderung bis zu 35 Millionen Euro zur Verfügung. Auf dem BMBF-Jahrestreffen des MSK-Netzwerks präsentierten die Verbünde ihre Ergebnisse. Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsorgane bringen teils erhebliches Leid über die Betroffenen, sind schmerzhaft – und unheilbar.

 

Auch deshalb sind sie sowohl gesundheitspolitisch als auch gesellschaftlich bedeutend. Denn sie sind nicht nur weit verbreitet, sondern gehen meist mit einer erheblichen Belastung für Patienten und Angehörige sowie mit hohen Krankheitskosten einher. „Die Bedeutung dieser Volkskrankheiten und deren Erforschung für eine bessere Versorgung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betont Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) e.V.. Das BMBF fördert deshalb seit rund vier Jahren acht überregionale multidisziplinäre Forschungsverbünde. Diese Forschung auch zukünftig zu stärken und zu verstetigen sei eine wichtige Aufgabe der Politik und auch der Institutionen. Als häufigste chronisch-entzündliche Erkrankungen des Menschen spielen die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis oder die sogenannten Kollagenosen und Vaskulitiden eine besondere Rolle.

 

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. „Durch biologisch wirksame Medikamente konnten wir in den letzten 15 Jahren viel in der Behandlung der Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erreichen“, erläutert Professor Dr. med. Gerd-Rüdiger Burmester von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er koordiniert den Verbund ArthroMark, der Biomarker und Bildgebung zur Diagnose und Stratifizierung der Rheumatoiden Arthritis und Spondyloarthritis erforscht. „Jetzt müssen wir es erreichen, die Krankheitsprozesse bei jedem einzelnen Patienten noch besser zu verstehen, um die Substanzen gezielter einsetzen zu können“, so der Rheumatologe.

 

Insgesamt 52 universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen arbeiten in den Verbünden zusammen. Inhaltlich sind sie auf translationale Forschung auf dem Gebiet der muskuloskelettalen Erkrankungen fokussiert. Mit ihren Forschungsprojekten leisten sie einen Beitrag, wissenschaftliche Fragen zu beantworten, die für die Versorgung der Betroffenen von großer Bedeutung sind. Dies umfasst Prävention, Diagnose und Therapie ebenso wie Rehabilitation von muskuloskelettalen Erkrankungen, das Verständnis der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen und neue oder bislang nicht ausreichend bewertete Therapieansätze.

 

Zur nachhaltigen Stärkung der Forschungsaktivität messen die Koordinatoren der Vernetzung der Verbünde besonderen Wert bei und fördern diese Strukturen. Dazu gehört auch die wissenschaftliche Nachwuchsförderung in Form der Nachwuchsakademie (www.msk-nachwuchsakademie.de). Die Forschungsverbünde OVERLOAD-PrevOP, METARTHROS, TOKMIS, PROCLAIR, PROFinD 2, NEUROIMPA, DIMEOs, ArthroMark verfolgen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte. Auf dem BMBF-Jahrestreffen des MSK-Netzwerks an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow, stellen sie am 3. und 4. Mai 2018 ihre aktuellen Forschungsergebnisse vor.

 

Zu den jeweiligen Teilprojekten präsentieren die Forscher vor Ort Poster. Insbesondere werden in diesem Jahr verbundübergreifende Querschnittsthemen wie die personalisierte Medizin (Biomarker, Genetik), advanced diagnostic methods and therapies, Pathophysiologie und Grundlagenforschung (zu Entzündung, Schmerz) sowie BigData und Digital Health – Transfer in die Versorgung und Versorgungsforschung diskutiert, die im Falle einer Anschlussförderung Gegenstand weiterer Forschung sein könnten.