• November 14, 2019
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Humboldt-Preisträgerin aus Nigeria forscht an Arzneimittel gegen Magengeschwüre

Petra Obioma Nnamani als Gastforscherin am HZI-Standort in Saarbrücken

Aus der Rinde eines tropischen Baumes ein Medikament gegen Magengeschwüre zu entwicheln - daran forscht die nigerianische Pharmazeutin Dr. Petra Obioma Nnamani ein Jahr lang am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS). Für ihr Projekt ist sie mit dme Georg Forster-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet worden, der mit 60.000 Euro dotiert ist. Als "Coordinator for Public Health & Environmental Sustainability" an der University of Nigeria Nsukka hat die Wissenschaftlerin gite Wirksamkeit der Rinde gegen Magengechwüre bereits nachgewiesen.

 

Am Anfang ihres aktuellen Forschungsprojekts stand die Erfahrung, selbst geheilt worden zu sein: Als Petra Obioma Nnamani 2009 an einem Magengeschwür litt, nahm sie zunächst einen der bekanntesten und meistverschriebenen Wirkstoffe zur Hemmung der Magensäure-Produktion. An den Beschwerden änderte sich dadurch nichts. Erst als ihr eine Freundin ein Stück Baumrinde brachte, die sie kaute und mit Wasser schluckte, verschwanden die Schmerzen – und kamen bis heute nicht wieder.

 

Als Pharmazeutin an der University of Nigeria Nsukka startete Petra Nnamani sofort weitere Versuche mit der Rinde des tropischen Baumes: Mit ihrem Team der „Public Health and Environmental Sustainability Research Group“ bereitete sie das Material in verschiedenen Dosierungen auf und stellte in Experimenten mit Ratten fest, dass der „Rinden-Cocktail“ um ein Vielfaches stärker wirkte als das bekannte Medikament. „Dieses Wissen haben wir anschließend aus dem Labor in die Klinik übertragen und konnten feststellen, dass die Magengeschwüre bei über 500 Patienten vollständig verschwanden – und das quasi ohne Kosten“, erzählt die 40-jährige Wissenschaftlerin. Die natürlichen Inhaltsstoffe der Baumrinde seien daher wohl nicht nur in der Lage, die Entzündung der Magenschleimhaut zu heilen, sondern wirkten möglicherweise auch antibakteriell auf das Bakterium Helicobacter pylori, welches das Magengeschwür in den meisten Fällen verursache.

 

Georg Forster-Forschungspreises am Saarbrücker Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einem Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), herausfinden: So wird sie zunächst daran arbeiten, das mögliche Leitmolekül des Wirkstoffs vollständig zu charakterisieren und zu isolieren – und dieses anschließend an in vitro-Gewebemodellen testen. Dabei forscht sie gemeinsam mit Fachkollegen der Abteilung „Wirkstofftransport“ von Prof. Claus-Michael Lehr. „Im Labor lassen sich die molekularen Vorgänge an der Schleimhaut nach der Wirkstoffzugabe genau verfolgen“, sagt Lehr. „Solche Versuche an geeigneten Gewebemodellen – in unserem Fall entzündete Schleimhaut des menschlichen Magen- Darm-Trakts – haben im Allgemeinen eine bessere Aussagekraft für die Wirksamkeit beim Menschen als Tierversuche an lebenden Ratten oder Mäusen.“

 

Petra Nnamani will zudem ein weiteres Ziel erreichen: „Ich möchte den Schritt hin zu einer modernen Medizin machen, also eine geeignete Darreichungsform für das Arzneimittel entwickeln.“ Nnamani stuft ihr Projekt als besonders relevant für ihr Heimatland und andere Übergangs- und Entwicklungsländer ein: „In Nigeria leiden rund dreimal so viele Menschen an einem Magengeschwür wie in den Industrielän- dern“, sagt sie.

DR. PETRA OBIOMA NNAMANI

 

Dr. Petra Obioma Nnamani ist seit 2005 Dozentin an der pharmazeutischen Abteilung der University of Nigeria Nsukka. Die 40-Jährige leitet dort die „Public Health and Environmental Sustainability Research Group”. In ihren Forschungen beschäftigt sie sich insbesondere mit dem Transport von Wirkstoffen und der Optimierung von Arzneimitteln hinsichtlich ihrer Darreichungsform.