• Juni 25, 2022
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Die Natur ist voller guter Gaben, die es zu nutzen gilt: Das wissen nicht nur Ernährungsfachleute, sondern auch Menschen, die sich mit Heilkräutern und Naturmedizin befassen. Im starken Kontrast dazu steht die sogenannte Schulmedizin, die in der Regel auf Pharmazeutika aus dem Labor zurückgreift, um Krankheiten in den Griff zu bekommen oder sie zu besiegen. Was auf dem ersten Blick wie ein typisches "Entweder – Oder" aussieht, kann sich durchaus gegenseitig ergänzen.

Wissenschaftliche Studien gibt es übrigens auf beiden Seiten, sowohl in der Natur- als auch in der Schulmedizin. Nehmen wir beispielsweise das immer beliebter werdende CBD, das vielerlei Leiden lindern soll. In Untersuchungen zeigte sich, dass Ängste und Stress durch das natürliche Mittel durchaus zurückgehen können. Allerdings sind die Forschungen auf diesem Gebiet noch jung, und weil es keine Patente auf CBD gibt, tröpfelt das Geld für Studien eher, als dass es fließt.

Das ist insgesamt ein Problem der Naturmedizin: An den Pharmazeutika der Schulmedizin gibt es viel mehr zu verdienen, außerdem dürfen diese Mittel gar nicht erst auf den Markt, ohne eine aussagekräftige Studienlage. Wer sich medizinisch lieber auf Thymian, Melisse und Sonnenhut verlässt, baut eher auf Erfahrungswerte denn auf eingehende wissenschaftliche Untersuchungen. Viele Naturprodukte sind jedoch derart nebenwirkungsarm, dass dies ohne Bedenken möglich ist, solange keine ernste Krankheit vorliegt.

Ein bisschen Glauben gehört immer dazu, wenn es um Heilung geht: Das ist der Grund, warum Placebos oft erstaunlich gut wirken. Ob Pillen oder Pflanzenstoffe, wer dran glaubt, hat automatisch bessere Chancen. Viele Menschen haben längst beides in ihr Leben integriert, die Naturmedizin und die Schulmedizin. Bei Kopfschmerzen nehmen sie eine Tablette – und sticht sie einmal eine Brennnessel, reiben sie sich mit Spitzwegerich frisch aus der Natur ein. Bei Erkältung trinken sie Salbeitee, bei einem Asthmaanfall zücken sie ihr Asthmaspray.

Natürlich gibt es auch Menschen, die ausschließlich der einen Seite vertrauen. Sie nehmen nur ein, was der Arzt verschreibt. Oder sie bedienen sich aus ihrem gut gemischten Kräutergarten, bestellen regelmäßig CBD und haben nicht einmal einen eigenen Hausarzt. In diesem Fall lässt sich durchaus von einer Glaubensfrage sprechen, denn Pharmazeutika und Naturheilmittel haben beide etwas für sich. Und wer sich strikt für nur eines entscheidet, tut dies, weil er einer Seite glaubt – und der anderen eben nicht.