Innovatives Monitoring-System revolutioniert Gehör-OP

Um Patienten mit chronischer Mittelohrentzündung das Hören auch nach einer OP zu ermöglichen, setzen HNO-Ärzte schon länger auf kleinste Implantate, die die Aufgaben der Gehörknöchel ersetzen. Bei der Ankopplung der Implantate können jedoch Positionsfehler im Mikrometerbereich gravierende Folgen für das Hören haben. Patienten verstehen nach der OP unter Umständen nur noch bestimmte Frequenzen. Das Team um Prof. Dr. med. Dr. h.c. Thomas Zahnert hat dafür eine Lösung gefunden. 

 

Zwischen 400 und 500 Patienten werden im Universitätsklinikum Dresden jedes Jahr aufgrund einer chronischen Mittelohrentzündung operiert. Früher wurde dabei ausschließlich die Entzündung aus dem Knochen und der Schleimhaut entfernt. „Unser Ziel heute ist es, die Funktion des Ohres wieder herzustellen. Dazu müssen das Trommelfell und die Gehörknöchel rekonstruiert werden“, erklärt Prof. Dr. med. Dr. h.c. Thomas Zahnert vom Uniklinikum Dresden

 

Schon dieser Prozess ist kompliziert: Das defekte Trommelfell wird mit körpereigenem Material, zum Beispiel Muskel- oder Knorpelhaut, unterfüttert, so dass es sich auf natürlichem Weg durch Überwachsen wieder schließen kann. Durch Entzündungen zerstörte Gehörknöchel werden meist durch ein Titanimplantat ersetzt. „Eines der am häufigsten benutzen Implantate wurde in Dresden entwickelt, in Deutschland hergestellt und jetzt weltweit verkauft“, so Zahnert. Die Prothese ersetzt den Amboss, sieht ein bisschen aus wie ein sehr kleiner Regenschirm und wird über einen Klick-Mechanismus auf den Steigbügel gesetzt. Damit ist zwar eine Verbindung zwischen Trommelfell und Steigbügel geschaffen, ob und wie der Patient nach der OP wieder hört, kann jedoch erst mehrere Wochen nach der OP festgestellt werden. Sitzt das Trommelfell zu locker, nimmt der Patient nur noch tiefe Töne war. Ist es zu straff, hört er die hohen Töne, aber keine Bässe. 

 

„In Laborversuchen haben wir nachgewiesen, dass Abweichungen im Mikrometerbereich schon enormen Einfluss auf die Klangqualität haben. Das von uns entwickelte System ermöglicht bereits während der Operation eine Abstimmung des „Schwingungssystems“ Trommelfell – Implantat .“ Um zu erfassen, wie der Patient später hört, muss bereits während der OP das Implantat zusammen mit dem Trommelfell in Schwingung versetzt und diese Schwingung gemessen werden, und zwar genau in dem Moment, wenn das Implantat angekoppelt wird. Leider nutzt aber der Operateur das Trommelfell meist als Zugangsweg, um an die dahinter liegenden Gehörknöchelchen heran zu kommen. Der Operateur muss bei der Ankopplung des Implantates hören können, ob die Rekonstruktion höher oder tiefer abgestimmt werden muss. „Unsere Lösung war, dass wir das System nicht mit Schall, sondern einem Magneten an- geregt haben“, erzählt Prof. Zahnert. Dazu wird auf das Trommelfell ein Magnet gelegt. Dieser ist so klein, dass er während der OP nicht stört. Er sitzt an der Stelle, an der normalerweise der Hammer aktiv ist. Der Kopf des Patienten liegt auf einer Magnetspule. „Diese regt den Magneten zur Vibration an. Die Steigbügelschwingungen werden mit einem Laser-Doppler –Vibrometer gemessen, ähnlich der Geräte, die bei Geschwindigkeitskontrollen benutzt werden. Das tolle an der Methode ist, dass wir nicht nur mit Tönen, sondern auch mit Musik anregen können.“ Die Schwingungen werden am Steigbügel wieder abgegriffen, umgewandelt und über Kopfhörer direkt und ohne Zeitverzug an den Operateur geleitet. „Er kann an der Prothese arbeiten und gleichzeitig hören, wie sich der Schall verändert.“