Nina Ruge verrät die Geheimnisse makelloser Haut

Nina Ruge, die sich in den vergangenen Jahren auch mit Gesundheitsthemen profiliert hat, nähert sich der „schönsten Kleidung des Menschen“ auf journalistisch neugierige Weise. Die Journalistin weiß, was es heißt, eine nicht makellose Haut zu haben, und hat einiges versucht, um ihre Irritationen in den Griff zu bekommen. In einem Buch („Das Geheimnis gesunder und schöner Haut“) verrät sie nun ihre persönliche Geheimformel für gutes Aussehen und hilft dem Leser, seine eigene Formel zu entdecken.

Frau Ruge, woher stammt die Idee zu Ihrem aktuellen Buch?
Ruge: Wie bei sämtlichen meiner Gesundheitsbücher bin ich selbst die Patientin, die mehr wissen will, um sich selbstverantwortlich und bewusst um die eigenen Belange kümmern zu können. Ich bin schlicht und einfach meine Jugendakne im Lauf meines Lebens nicht wieder losgeworden – und meine Hautprobleme wurden dann auch noch durch die 20 Jahre täglicher Fernseh-Schminkerei verstärkt. Ich hatte geradezu eine Hautarzt-Odyssee hinter mir, als ich endlich den Münchner Dermatologen Dr. Duve konsultierte. Der mir endlich geholfen hat mit freundlicher, aber durchaus schonungsloser Offenheit. Heute akzeptiere ich ziemlich locker, dass ich mit dieser genetischen Programmierung leben muss – mein Hautbild aber besonders mithilfe von ergänzenden Medizinformen durchaus bessern kann. So entstand die Idee, gemeinsam mit Dr. Duve ein Buch zu machen, das jeden in die Lage versetzt, die vielen Faktoren, die eine klare, gesunde Haut bedingen, kennenzulernen und dieses so wichtige wie sensible Organ optimal zu behandeln, zu pflegen und vielleicht sogar zu heilen.

Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?
Ruge:
Dass die Haut keineswegs der Spiegel der Seele ist. Vielmehr wird sehr oft umgekehrt ein Schuh daraus. Rund 30 Prozent der Menschen,
die sich in hautärztlicher Behandlung befinden, haben aufgrund ihrer
Hautkrankheit ein so großes Problem, dass sie psychotherapeutischer
Betreuung bedürfen. Allerdings: Die Befindlichkeit der Seele wirkt
sich durchaus auf das Hautbild aus. Stress beispielsweise kann Neurodermitis-
Schübe triggern oder Stresspickel bewirken. Dennoch: Nicht jeder Pickel weist auf ein psychisches Problem hin – und eine Seidenhaut ist kein Indikator für eine schöne Seele.

Wie haben Sie selbst Ihre Gewohnheiten umgestellt?
Ruge: Ich achte noch sehr viel penibler auf ausreichenden Sonnenschutz. Mir war nicht bewusst, welch geringe Mengen UV-Strahlung ausreichen, um die Haut exorbitant altern zu lassen. Und ich beobachte meine Haut sehr viel genauer. Die richtige „Dosis“ Reinigung und Peeling beispielsweise kann ich heute sozusagen automatisch abschätzen.

Sie berichten im Buch darüber, dass Sie immer wieder mit Hautunreinheiten zu kämpfen hatten. War das jemals ein Problem für die Arbeit in der Öffentlichkeit und vor der Kamera?
Ruge: Dank hervorragender Licht- und Studiotechnik-Kollegen sowie wunderbarer Maskenbildnerinnen stört den Zuschauer glücklicherweise so gut wie nichts. Da ich natürlich extrem sensibilisiert auf das Thema bin, sehe ich bei Außenübertragungen, bei denen das Licht natürlich nicht so kunstvoll gesetzt werden kann, jede kleinste Hautunreinheit. Im Normalfall nimmt das der Zuschauer gar nicht wahr. Nun denken viele, Pickel und Mitesser gehörten nur in die Pubertät.

Welche Ursachen gibt es, wenn die Haut auch im Erwachsenenalter
verrückt spielt? Und was lässt sich dagegen tun?

Ruge: Heute weiß ich: Es gibt Menschen, die haben in ihren Genen eine
höhere Sensibilität für das männliche Hormon Testosteron programmiert.
Das heißt nicht, dass sie einen höheren Hormonspiegel haben – sondern nur, dass ihre Hautzellen empfindlicher auf dieses Hormon reagieren – was eine lebenslange Erwachsenenakne bewirkt. Manche Anti-Baby-Pille kann bei Frauen dagegen wirken, bei anderen hilft Antibiotikum, wieder andere sprechen auf Vitamin-A-Säure-Peelings an. Mir haben Schüssler-Salze und eine regelmäßige Behandlungen mit ätherischen Ölen bei einer auf Aromatherapie spezialisierten Kosmetikerin geholfen. Ein positiver Effekt dieser genetischen Disposition istzu meiner großen Freude: Deutlich weniger Cellulite und viel spätere Faltenbildung! Übrigens: In unserem Buch ist mein „Haut-Thema“ nur ein Randthema. Es gibt so viel anderes, was man wissen sollte!

Wie wirkt sich Stress auf das Hautbild aus?
Ruge: Die Psycho-Neuro-Immunologie hat diese Frage heute weitgehend beantwortet. Es gibt in unserer Haut zahlreiche sogenannte „Freie Nervenendigungen“. Unter Stresseinwirkung – wenn also vermehrt Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet wird – erhöht sich die Menge der Neuropeptide, die diese Freien Nervenendigungen abgeben. Und diese Neuropeptide hemmen die normalen Abwehrzellen. Entzündungen können also sehr viel leichter entstehen, In Experimenten mit Studenten, die unter Examens-Stress standen, wurde das auch „pickelzahlenmäßig“ nachgewiesen.

Was empfehlen Sie Menschen, die kurz vor einem wichtigen Termin
einen Pickel bekommen? Gibt es da einen Notfall-Plan?

Ruge: Louisa von Minckwitz, Chefin der Modelagentur „Louisa-Models“, hat
in ihrem Interview für dieses Buch auf den alten Model-Trick hingewiesen:
Zahnpasta! Ich schwöre auf Koriander-Öl und Ichthyolsalbe.

Wie holt man auf Dauer das Beste aus seiner Haut heraus? Was tut
ihr gut, was schadet ihr am meisten?

Ruge:
Stressfaktoren meiden! Wenn Sie in unserem Buch nachlesen, was allein Rauchen in den tieferen Hautschichten an Kollagenfasern zerstört
und wie es die Entzündungsneigung erhöht – na, danke! Außerdem:
Den Stressfaktor Sonne nicht unterschätzen! Man wird ja auch MIT
ausreichendem Sonnenschutz braun. Die richtige Pflege für den eigenen
Hauttyp – zur richtigen Tageszeit und abgestimmt auf die Jahreszeit!
Die richtige Ernährung, die richtige Menge Flüssigkeit, der richtige
Sport, die richtige Massage, die richtigen Nahrungsergänzungsmittel…
Es gibt eine ganze Menge Faktoren – und es macht Spass, sich an ihnen
zu orientieren. Denn man stellt damit automatisch seinen Lebensstil
um – hin zu gesundheitsbewussterem Verhalten.

Wie stehen Sie zu Laser, Botox und Co.?
Ruge:
Patricia Riekel, die Chefin von BUNTE, Instyle und Amica, hat da
Wunderbares in ihrem Interview fürs Buch gesagt: Jede Frau soll tun,
was sie mag, was ihr gefällt und guttut – aber drüber reden kann Frau
in Deutschland nach wie vor nicht. Ich habe mir meine Aknenarben bei
Dr. Duve lasern lassen. Und werde im Winter damit weitermachen. Ich
empfinde das geradezu als Befreiung! Was immer der Haut und Psyche hilft, wird thematisiert: Pflege, Immunstärkung, alternative Heilverfahren oder ästhetische Medizin. Auch der Feinde eines schönen Hautbilds wie Sonne, Alkohol, Überlastung oder Ernährungssünden nimmt sich der Ratgeber an. Es wird zudem gezeigt, wie man schädliche Einflüsse reduziert, psychosomatische Zusammenhänge erkennt und Stressfallen entkommt. Die häufigsten Hauterkrankungen von Akne über Allergien bis hin zu Neurodermitis werden von den Autoren unter die Lupe genommen. Zudem werden ganzheitliche wie auch schulmedizinische Behandlungsvorschläge –von Aromatherapie, über Ayurveda, Schüßler-Salze und Anti-Aging bis hin zur richtigen Ernährung – aufgezeigt. Viele Menschen haben Fragen rund um ihre kostbare Hülle. Das Buch gibt typgerichtete Pflegetipps, räumt Vorurteile aus und hilft, sich im Info- und Produktdschungel zurechtzufinden.

Mehr zu Laser, Botox & Co., wie die Techniken funktionieren und wem
was am besten hilft, lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe (ab Dezember
im Handel). Außerdem geht es um ästhetische Chirurgie – alles
was man wissen muss.