Stilvoll Alt werden Teil 1

Wir haben alle Angst vor dem Altwerden. Angst vor der Abhängigkeit, der Würde-losigkeit, diesen Heimen. Disy hat einige Experten interviewt und kann Sie beruhigen. Es gibt eine Chance, stilvoll alt zu werden. Lesen Sie mal!

„Stil finden ist eine Lebensaufgabe. Stilvoll alt zu werden heißt, sich nicht gehen zu lassen."

Sabine Schwind von Egelstein ist Imageberaterin, Gründungsmitglied im deutschen Knigge-Rat, gefragte Rednerin für Personen-Image und moderne Umgangsformen im Business sowie Gastdozentin an der FH München und der Wirtschaftskammer Tirol. Disy fragte sie:

Was bedeutet für Sie Stil?
Stil bedeutet in erster Linie „die Art und Weise, etwas zu tun". Das gilt für alle Lebensbereiche, von der persönlichen Umgebung über die Kleidung und das Styling bis hin zum Verhalten. Im Idealfall zieht sich ein ganz persönlicher Stil durch alle Bereiche.

Ist Stil eine Frage des Alters?
Seinen Stil zu finden ist eine Lebensaufgabe. Dabei verändert sich der persönliche Stil von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt. Änderungen der Lebenssituation, ein Umzug, ein neuer Lebenspartner, der Übergang in den Ruhestand - all das kann den persönlichen Stil verändern. Im Alter ist der persönliche Stil nicht mehr so sehr der Mode unterworfen.

Warum ist es wichtig, stilvoll alt zu werden, und was gehört Ihrer Meinung nach dazu?
Stilvoll alt zu werden, bedeutet für mich, sich auch im Alter nicht gehen zu lassen. Immer weiter aktiv an seiner Persönlichkeit zu feilen und ein erfreuliches Miteinander zu pflegen. Weiter Wert auf gute Kleidung, ein gepflegtes Äußeres und ansprechende Freizeitgestaltung zu legen. Und sich auch mit neuer Technik wie Computer oder Handy zu beschäftigen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Was würden Sie LeserInnen diesbezüglich gern mit auf den Weg geben? Was sollten Kinder im Umgang mit Eltern im Seniorenalter beachten?
Ältere Menschen sollten Kinder nicht als unbequem und lästig ansehen. Sie sind der Spiegel einer jungen nachwachsenden Gesellschaft, und das geht auch die ältere Generation etwas an. Offen damit umzugehen, sich mit jungen Leuten auszutauschen, ist für beide Generationen ein Gewinn und hält jung. Die jüngere Generation sollte den Kontakt zu den Älteren nicht abreißen lassen. Die größere Ruhe und Distanz zu den Dingen des Alltags können der gestressten Generation, die noch voll im Berufsleben steht, eine große Hilfe sein.

Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass es in unserer Region einige Farb- und Stilberater gibt. Stilberatung geht für meine Begriffe aber weit darüber hinaus. Hat der Osten Nachholebedarf in puncto Stil?
Farb- und Stilberater befassen sich in erster Linie mit der Kleidung einer Person und helfen ihr, hier den eigenen Stil umzusetzen. Sein Leben nach seinem persönlichen Stil zu leben, dazu gehört einiges mehr. Durch die Geschichte bedingt sind manche Menschen im Osten Deutschlands möglicherweise noch zu sehr an das Leben nach Vorschriften gewöhnt und noch nicht ganz damit vertraut, ihr Leben wirklich selbstbestimmt zu gestalten. Vielleicht fehlt hier und da die Kenntnis über das Spektrum der Möglichkeiten.

www.schwindvonegelstein.de
www.dvdimagework.de

„Alte Menschen so behandeln, wie man selbst einmal behandelt werden will.“

Das spezielle Arbeitsgebiet von Professor Thomas Rentsch ist die philosophische Thematisierung von Alter und Tod. Disy-Redakteurin Dagmar Möbius interviewte ihn.

Altersforschung in Dresden – was heißt das konkret?
Am Lehrstuhl für Philosophie mit Schwerpunkt Praktische Phi-lo-sophie/Ethik der Technischen Universität Dresden wird eine Ethik des Alterns entwickelt. Dazu kooperieren wir Experten aus Gerontologie, Medizin, Pflegewissenschaft und anderen Fächern national und international. Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen liegen dazu vor (Prof. Rentsch, Dr. Rehbock, Dr. Birkenstock). 

Was erscheint Ihnen im Hinblick auf die demografische Entwicklung wichtig?Eine gesamtgesellschaftliche Neubestimmung von intergenerationeller Gerechtigkeit und der sinnvollen Gestaltungsmöglichkeiten der späteren Lebenszeit. 

Was gehört Für Sie dazu, stilvoll alt zu werden?
Ein Bewusstsein der Kostbarkeit der Zeit und der Endlichkeit, der Grenzen des Lebens und die Entwicklung erfüllter altersgemäßer Lebensformen – sozial wie individuell.

Was würden Sie diesbezüglich gern auf den Weg geben?
Der alte bzw. sehr alte Mensch, dem ich als Jüngerer oder Junger begegne – das bin in ein paar Jahrzehnten ich selbst! Ich will ihn so behandeln, wie ich dann selbst einmal behandelt werden will.

„Praktisch und bequem – Stil im Alter ist oft eine Frage der Gemütlichkeit.“

Diplom-Krankenschwester Martina Gommlich ist Pflegedienstleiterin beim advita Pflegedienst GmbH Dresden. Sie kennt die Bedürfnisse alter

Warum ist es wichtig, stilvoll alt zu werden, und was gehört Ihrer Meinung nach dazu?
Dass ein älterer Mensch in seiner gewohnten Umgebung bleiben kann, ist den meisten Senioren sehr wichtig. Sie wollen selbstbestimmt leben, auch wenn sie krank sind und Hilfe brauchen. Sie wollen in Kontakt mit ihrer Familie, ihren Freunden und ihrer Umgebung bleiben. Das hat sehr viel mit Stil zu tun. Es ist wichtig, sich nicht selbst aufzugeben. Im Alter ist Stil oft auch so eine Art Gemütlichkeit. Praktisch und bequem – so wünschen sich viele ältere Menschen ihren Alltag. Wenn sie Hilfe brauchen, kann diese auf dem kürzesten Weg, fast immer im Wohngebiet, eingeholt werden und dem Bedarf individuell angepasst werden.

Wenn ein älterer Mensch hilfebedürftig wird, gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär". Warum ist das so?
Der Grundsatz „ambulant vor stationär" ist im sogenannten Pflegesicherungsgesetz verankert und heißt nichts anderes, als dass erst alle ambulanten Hilfsmöglichkeiten ausgeschöpft werden sollen, bevor eine Heimunterbringung infrage kommt. Der Trend geht heute allerdings häufig dahin, dass man seine alten pflegebedürftigen Angehörigen aus Kostengründen lieber in ein Heim gibt. Hier müssen sich alle Gedanken machen: die Politik, die Gesellschaft und jeder Einzelne von uns, ob diese Entwicklung in die richtige Richtung geht.

Was empfehlen Sie als Pflegedienstleiterin für den Umgang mit Senioren?Solange es eine Erkrankung zulässt, sollte man den Senioren die Möglichkeit lassen, in ihrer gewohnten Umgebung bleiben zu können. Die Familie soll in die Betreuung mit einbezogen werden und die Senioren sollten wenig Verständnis dafür haben, wenn ihre Kinder keine Zeit für sie haben.
Erst wenn eine Pflege so aufwendig wird, dass sie ambulant nicht mehr guten Gewissens realisiert werden kann, sollte man sich nicht scheuen, die umfassenderen Möglichkeiten einer Heimbetreuung zu nutzen. Kinder sollten frühzeitig mit ihren Eltern sprechen, was diese sich für den Fall der Fälle wünschen.

Keine Angst vorm Altwerden

Vergessen Sie die Psychotherapie oder das ständige Hören auf das Ticken der Zeituhr. Wir werden alle älter. Basta. Wir haben einen tollen Tipp für Sie, wie Sie sich die Angst vor der Seniorenzeit ersparen können. Gehen Sie doch mal in einem Pflegeheim vorbei, sehen Sie, dass diese Häuser keinem Gefängnis gleichen. Man kann auch im Alter Stil haben. „Das ist das Motto in unserer Seniorenresidenz Falkowski", so Günther Falkowski. Davon haben sich zum 5-Jährigen Jubiläum am 1. Dezember viele Menschen beim Tag der offenen Tür überzeugt. Wenn Sie auch mal vorbei schauen wollen: 03501/5825400.