Interview mit Prof. Dr. med. Dr. h.c. Manfred Wirth | Teil 3

Welche weiteren modernen Geräte kommen bei OPs zum Einsatz?

Prof. Wirth: Es gibt bei uns noch unterschiedliche Laser-Technologien, zum Beispiel auch, um Operationen durchführen zu können, die früher offene Operationen waren. Wir nutzen das zum Beispiel bei gutartigen Prostatavergrößerungen. Früher konnte man durch die Harnröhre nur eine bestimmte Menge an Gewebe entfernen, danach wurde es zu gefährlich, weil die Operationszeiten zu lang wurden. Wenn man da operiert, muss man immer spülen, damit der Operateur gut sieht, dabei spült man aber auch Flüssigkeit in den Körper ein, was nach einer bestimmten Menge gefährlich werden kann. Macht man das mit einem HolmiumLaser, kann man praktisch die ganze Prostata mit einem Mal ausschälen. Danach wird das Gewebe in der Blase zerkleinert. Damit können wir auch große Drüsen operieren. Diese Laser sind zwar selten, aber ersparen den Patienten auch wieder offene Operationen. Außerdem gibt es auch Laser zum Vaporisieren.

 

Der Laser dient dann auch vor allem zum Zerkleinern?

Prof. Wirth: Richtig, in dem Fall passiert das durch Verdampfung. Bei gutartigen Vergrößerungen kann die Drüse damit verdampft werden, sodass das zusätzlich gebildete Gewebe entfernt wird. Mit anderen Lasern können wir zum Beispiel Steine zertrümmern, also vor allem im Harnleiter und in der Niere. Die Instrumente sind flexibel und werden in die Gänge eingebracht, wo sie dann bis in die Niere Steine entfernen können. Hier in  Dresden haben wir auch den modernsten Nierensteinzertrümmerer, den es gibt.

 

Ist das auch ein Laser?

Prof. Wirth: Nein, das ist eine Stoßwelle von Siemens. Die Wellen werden dabei fokussiert, sodass der Stein von außen, also außerhalb des Körpers, zerstört werden kann. Wir sind damit heute in der Lage, ohne offene OP und ohne Schnitt praktisch alle Steine zu operieren. Und das kommt gar nicht so selten vor, etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung haben Steine. Trotzdem haben wir seit Jahren keinen Patienten mehr wegen Steinen offen operieren müssen.

 

Ist das inzwischen Standard oder gerade in Dresden so besonders?

Prof. Wirth: Das ist mittlerweile weitgehend Standard. Aber die flexiblen Instrumente sind noch nicht so verbreitet. Ich kenne auch keine deutsche Urologie, die eine Ausstattung hat, die besser ist als hier. Selbst im Ausland gibt es vielleicht einige Geräte mehr, aber von der Qualität her sind wir absolut auf dem neuesten Stand. Für sehr große Steine haben wir sogar mal ein eigenes Gerät entwickelt. Das war vor 20 Jahren und jetzt ist es weltweit im Einsatz und immer noch das Standardinstrument. Was wir außerdem auch können, ist eine Fusion aus MRT und Ultraschall.

 

Kommt das auch in der Urologie zum Einsatz?

Prof. Wirth: Ja, damit punktieren wir zum Beispiel in der Prostata gezielt Herde, die tumorverdächtig sind. Wir machen das jetzt seit zwei Jahren, aber in Sachsen gibt es das nur bei uns.

 

Was hat sich damit verbessert?

Prof. Wirth: Bei der Prostata-Biopsie werden die Entnahmeorte per Ultraschall lokalisiert; die eigentlichen Herde bleiben mit dem Gerät aber meist unsichtbar. Folglich kann man Tumoren auch leicht verfehlen. Die Magnetresonanztomographie hat im letzten Jahrzehnt enorme Fortschritte bei der Untersuchung der Prostata geleistet und kann tumorverdächtige Herde in der Prostata recht gut sichtbar machen. Unsere Klinik hat daher mithilfe moderner Technik die Vorzüge der MRT-Bildgebung mit der ultraschallgesteuerten Gewebeentnahme kombiniert.

 

Wie funktioniert das genau?

Prof. Wirth: Eine spezielle Computer-Software legt die im Vorfeld angefertigten MRT-Bilder über die Darstellung des hochauflösenden Ultraschallgeräts. Diese Bild-Fusion ermöglicht dem Operateur eine sehr zielgenaue Punktion dieser im MRT als tumorverdächtig beschriebenen Herde. Diese zielgerichtete Gewebeentnahme erfolgt über die Dammregion und wird aktuell noch durch die herkömmliche Technik ergänzt.

 

Und das ist sicherer?

Prof. Wirth: Eine gründliche Qualitätssicherung begleitet diese neuartige Technik und die erhobenen Daten werden wissenschaftlich ausgewertet. Auf dem diesjährigen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. werden die aktuellen Erkenntnisse nach über 350 Eingriffen präsentiert. Vor allem in der schwierigeren Situation einer Wiederholungsbiopsie nach vorangegangener ultraschallgestützter Gewebeentnahme zeigen sich die klaren Vorteile der Fusions-Biopsie. Bei fortbestehendem Verdacht auf Prostatakrebs konnte die Fusions-Biopsie bei 47% der Patienten ein Karzinom nachweisen, wobei die gleichzeitig durchgeführte ultraschallgestützte Biopsie nur in 26% einen Karzinomnachweis erbrachte. Damit kann die neue Technik mit deutlich höherer Sicherheit einen Krebsbefund nachweisen oder ausschließen. In der Folge können betroffene Patienten noch rechtzeitig eine heilende Behandlung erhalten. Bei fehlendem Krebsnachweis können weitere Gewebeentnahmen häufig vermieden werden. Das ist ein enormer Fortschritt für unsere Diagnostik.