• November 27, 2019
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Chancen nutzen

Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen

 

Gesundheitsdaten können die Versorgung besser machen. Sie müssen sicher sein. Heute. Morgen. Und in Zukunft.

 

Die Schritte, die wir als Ministerium in Richtung Digitalisierung unternehmen, zollen genau diesem Anspruch der Menschen in Deutschland Respekt. Mir ist bewusst, dass die jüngsten – leider erfolgreichen – Angriffe auf persönliche Daten von Abgeordneten des Deutschen Bundestages das generelle Vertrauen in die Datensicherheit nicht ge- rade stärken. Diese Ereignisse bestärken uns als Ministerium darin, den Aufbau der sicheren Telematik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen weiter voranzutreiben. Die für die Anbindung der Arztpraxen notwendigen Konnektoren sind mittlerweile in über 40 000 Praxen eingebaut. Diese Geräte sind grundlegend für eine sichere, eine datensichere Kommunikation im Gesundheitswesen. Mehr und mehr stellt sich dieser Weg als richtig heraus. Die digitale Transformation vollzieht sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Augenfällig ist die kaum zu überblickende Zahl von Apps, die dem Gesundheitsbereich zuzuordnen sind. Gerade im Bereich Diabetes gibt es zahlreiche Anwendungen, die zeigen, wie Apps sich mit anderen Geräten verbinden, und Betroffene im Umgang mit ihrer Erkrankung unterstützen. Welche Entwicklungen wir in der digital gestützten Diabetestherapie noch erwarten dürfen, ist offen. Sicher ist, dass digital gesteuerte Anwendungen künftig das Leben mit Diabetes weiter erleichtern werden. Schon heute sehen wir, dass mobile Gesundheitstechnologien in Zukunft in sehr vielen Bereichen nicht nur eine Schlüsselrolle für das Therapiemanagement und für die Kommunikation mit den Ärzten spielen; sie werden diese deutlich verändern. Im Zusammenspiel von Software, Sensorik und Medizintechnik werden sich ganz neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten auftun. Ein Beispiel: Schon heute unterstützen intelligente Diagnosegeräte Ärzte bei ihren Entscheidungen. So tritt künstliche Intelligenz in der Hautkrebsdiagnostik an die Seite der Ärzte – ohne diese zu ersetzen. Wir haben es mit einem grundsätzlichen Perspektivwechsel zu tun. Die Ausrichtung auf den Arzt ist ein Auslaufmodell. Erfolgreiche digitale Lösungen werden aus der Perspektive des Patienten entwickelt und stellen seine Bedürfnisse und sein Alltagshandeln in den Mittelpunkt. Für Patientinnen und Patienten wird die Digitalisierung künftig im Alltag erlebbar: Sofort abrufbare Notfalldaten und der Medikationsplan sind ein echter Fortschritt für mehr Patientensicherheit. Die elektronische Patientenakte – spätestens ab Anfang 2021 verfügbar für alle gesetzlich Versicherten – wird helfen, unnötige Vielfachanamnesen zu vermeiden und ärztliche Entscheidungen auf einer besseren Informationsbasis für Patienten nachvollziehbarer als bisher zu machen. Wir wollen die Chancen, die die aktuellen technologischen Entwicklungen mit sich bringen, auch für die Gesundheitsversorgung nutzen. Als Ministerium ist es für uns wichtig, mehr und schnelleren Innovationstransfer nützlicher Anwendungen in den Versorgungsalltag möglich zu machen. Angesichts einer enormen Bandbreite von vielfältigen digitalen Anwendungen stehen wir konkret vor der Aufgabe, den schnellstmöglichen Zugang guter digitaler Anwendungen gut anwendbar zu regeln. Digitale Anwendungen müssen – bei aller Innovationskraft – genauso wie Heil- und Hilfsmittel, Medikamente und alle anderen medizinischen Leistungen gesetzlichen Anforderungen insbesondere hinsichtlich der Patientensicherheit und der Produktqualität gerecht werden. Was wir brauchen, ist ein grundlegendes Vertrauen in weitere Formen der Datennutzung. Dies ganz besonders mit Blick auf die Möglichkeiten von Big Data und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI). Ein Baustein dazu wird sein, dass wir eigene Standards setzen und Wertschöpfung im Rahmen unserer Wertvorstellungen betreiben. Einhergehen muss das mit einer breiten Debatte darüber, wie wir Datennutzung ethisch, rechtlich und zugunsten unseres Gemeinwohls gestalten. Ein weiterer Baustein wird es sein, mit gezielten Forschungsprojekten den konkreten Nutzen von Big Data und KI – oder besser: Maschinellem Lernen – für die Gesundheitsversorgung nachzuweisen. Damit wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass viele nicht nur über Big Data und KI im Gesundheitswesen reden, sondern von den KONKRETEN Vorteilen, die sie für Behandelnde und Patienten bieten.

 

Unser Ziel ist es, dass möglichst schnell viele Ärzte und Patientinnen und Patienten sagen: „mehr davon“. Während wir über die zukünftige digitale Transformation reden, vollzieht sich in der Versorgungswelt der digitale Wandel an vielen Stellen. Wir alle sind gefordert, die Digitalisierung mitzugestalten und dabei – bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten – den Schutz der Gesundheitsdaten in der gebotenen Form zu gewährleisten.

Vita Nino Mangiapane

Nach Abschluss seines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums war Nino Mangiapane ab 1987 in der Beratung für Ärzte und Apotheken tätig, hatte anschließend jeweils leitende Funktionen bei einer Kassenärztlichen Vereinigung und einer AOK inne und arbeitete von 1999 bis 2007 für die Techniker Krankenkasse. Neben seinen Arbeiten für die Techniker Krankenkasse zu gesundheits- und sozialpolitischen Fragestellungen war er seit Gründung des Aktionsforums für Telematik im Gesundheitswesen ab dem Jahr 1999 im Bereich der Gesundheitstelematik aktiv. Er leitet seit 2008 das Referat „Grundsatzfragen Gesundheitstelematik/eHealth“ im BMG.