• Dezember 12, 2023
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Kognitives Altern und Persönlichkeit: Kann Offenheit für neue Erfahrungen das Gedächtnis schützen?

Der altersbedingte Abbau der Gedächtnisleistung ist ein bekanntes Phänomen, das in zahlreichen Studien bereits bestätigt wurde. Neue Erkenntnisse aus der Forschung am Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) Magdeburg zu individuellen Unterschieden im kognitiven Altern zeigen nun: Die Persönlichkeitseigenschaft „Offenheit für Erfahrungen“ könnte eine positive Verbindung zur Gedächtnisleistung bei Älteren aufweisen.

 

In einer kürzlich veröffentlichten Studie hat Dr. Anni Richter mit ihrem Team die Persönlichkeitseigenschaft „Offenheit für Erfahrungen“ im Zusammenhang mit der Hirnleistung untersucht. „Die neuralen Mechanismen dieses Zusammenhangs waren bisher jedoch weitgehend unklar“, erklärt die Psychologin. „Offenheit für Erfahrungen“ bezeichnet die Persönlichkeitseigenschaft, einfallsreich, neugierig und offen für Neues zu sein. Menschen, mit einer hohen Ausprägung dieser Eigenschaft erleben gern vielfältige kulturelle Erfahrungen, probieren neue Dinge aus, sind phantasievoll und haben Interesse an künstlerischen und intellektuell anspruchsvollen Themen.

In der aktuellen Studie wurden 352 Teilnehmende im Alter von 18 bis 80 Jahren, darunter 143 ältere Erwachsene (50-80 Jahre) und 209 junge Erwachsene (18-35 Jahre) untersucht. Während die Teilnehmenden eine visuelle Gedächtnisaufgabe bearbeitet haben, wurden ihre Gehirnaktivitäten mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) erfasst. Die Integrität des Gedächtnisnetzwerks wurde anhand der sogenannten „SAME-Scores“ gemessen. Diese Scores spiegeln die Ähnlichkeit der Gehirnaktivitäten eines Teilnehmenden mit den typischen fMRT-Mustern junger Erwachsener wider. Die Persönlichkeitseigenschaft „Offenheit für Erfahrungen“ wurde mit einem Fragebogen erfasst.

Die Ergebnisse der Studie bestätigten zunächst, dass Ältere im Vergleich zu jungen Erwachsenen eine geringere Gedächtnisleistung aufwiesen und eine stärkere Abweichung in den fMRT-Mustern zeigten, was sich in niedrigeren SAME-Scores niederschlug. „Interessanterweise ergab die Untersuchung, dass ältere Erwachsene mit einer höheren „Offenheit für Erfahrungen“ eine bessere Gedächtnisleistung aufwiesen und dass dieser Zusammenhang durch höhere SAME-Scores in der Hirnaktivierung vermittelt wurde“, so Richter.

Christopher Stolz, Erstautor der Studie, schlussfolgert: „Die untersuchte Persönlichkeitseigenschaft könnte ein psychologischer Schutzfaktor im kognitiven Altern darstellen, indem sie zu einer besseren Erhaltung des Gedächtnisnetzwerks im Gehirn beiträgt“. Die Forschungsergebnisse können dazu beitragen, persönlichkeitsspezifische Mechanismen zu identifizieren, die kognitiv gesundes Altern begünstigen. Erkenntnisse über diese Mechanismen könnten in einem nächsten Schritt auch zur individuellen Förderung der kognitiven Vitalität im Alter nutzbar gemacht werden.

Das Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) in Magdeburg ist ein Zentrum für Lern- und Gedächtnisforschung.