Disy sprach mit Thomas de Maizière: Für Kultur muss man sich Zeit nehmen

Sie sind Ende der 90er-Jahre nach Dresden gekommen.Was bedeutet Dresden heute für Sie?

Da ich ein Soldatenkind bin, sind wir sehr viel umgezogen. Deswegen habe ich keine Heimat aus Kindestagen,weder im Westen noch im Osten. Nach den ganzen Umzügen ist Dresden eine richtige Heimat für mich geworden, wo ich mich zu Hause fühle. Alle unsere Kinder sind hier in die Schule gegangen und haben Abitur gemacht. Wir haben gute Freunde gefunden und wir wohnen einfach gerne hier.

 

Finden Sie Zeit, Dresdens Kultur zu genießen?

Wir schaffen es manchmal, am Wochenende in die Semperoper zu gehen. Die Mischung der Stücke, die dort auf die Bühne kommen, ist wunderbar: Komponisten wie Weinberg bis hin zum klassischen Mozart. Meine Frau und ich gehen auch gerne zu Konzerten des Kreuzchors, zu Oratorien und ins Theater.

 

Mögen Sie Theater?

Ich liebe es sehr. Meine Frau hingegen liebt die Oper etwas mehr. Musik und Kultur sind in Dresden wirklich großartig und dafür muss man sich Zeit nehmen.

 

Wenn Sie Reden halten, stehen Sie auch auf der Bühne...

Oftmals redet man gegen eine schwarze Wand, da die Scheinwerfer einem jede Sicht nehmen. Es ist wichtig, dass man in die Augen des Publikums blicken kann. Ich bewundere bei Sängern und Schauspielern, dass sie es schaffen, die Bindung zum Publikum aufzubauen, obwohl sie es nicht sehen können. Das ist erstaunlich.

 

Wie lange haben Sie für solche Auftritte geübt?

Ich hielt schon als Jugendlicher Reden im Kreis der Familie bei Feiern. Meine erste öffentliche Rede war damals an der Uni. Wir haben uns für längere Öffnungszeiten der juristischen Bibliothek eingesetzt und haben an Vollversammlungen teilgenommen.Dabei musste ich vor mehreren hundert Leuten sprechen, da war ich natürlich aufgeregt und hatte Lampenfieber.

 

Was tun Sie generell gegen Lampenfieber?

Mein Vater hat immer gesagt, es wird nie so schlecht,wie man befürchtet. Wenn man sich das vorher sagt, wird man ruhiger und geht zuversichtlicher an seine Rede, Präsentation oder auch die Aufführungen auf der Bühne.

 

Was wünschen Sie sich für Dresdens Zukunft?

Ein gebildetes, kultiviertes Miteinander in der Stadt,das positiv auf Dresden wirkt und über die Stadtgrenzen hinausstrahlt. Aber auch ein bisschen mehr Neugierde und Interesse für Neues, das würde ich mir für Dresden wünschen.