Schöne neue Arbeitswelt

Jeder redet von der Arbeitswelt 4.0. Was kommen wird ist klar: mehr Flexibilität wird von Arbeitgebern und Mitarbeitern verlangt, technisches Verständnis ist eine Grundlage. Neue Medien sind die neuen Kommunikationsmittel. Blogchain, smarte Firmen- und Bürotechnik, selbstlernende Maschinen und Computer, Digitalisierung auf allen Ebenen- es wird interessant.

Wohl dem, der sich an Veränderungen erfreut. Im Vorteil sind die, die flexibel im Geist, in ihrer Arbeitsweise und in ihrem Leben sind.

Wir haben mit René Wojciechowski gesprochen, der die schöne neue Arbeitswelt in seinem Unternehmen bereits lebt. Außerdem haben wir Coaches interviewt und nach Tipps gefragt, wie man der neuen Zeit begnen soll. Auch junge Leute kommen zu Wort, die wir in ihrer neuen Arbeitswelt interviewt haben - in einem Starbucks Café. 

Nicht hinter starren 

Positionen verschanzen

Ein Interview mit der Dresdner Arbeitspsychologin Dr. Ulla Nagel

Wie wird sich Arbeit verändern?

Nagel: Die Zukunft hat bereits begonnen. Betrachten wir die Kreativindustrie, nehmen wir das Beispiel von IT-Firmen. Es gibt zwei wesentliche Kriterien, die Arbeit dort kennzeichnen: a) Das Produkt ist ein komplexes Gemeinschaftswerk von vielen Spezialisten und b) die Arbeit erfolgt zum größten Teil digital. Daraus erwachsen zwei Sachverhalte: Das Zusammenspiel von vielen hochqualifizierten und äußerst kreativen Menschen ist wirkungsvoll zu orchestrieren, während die Arbeit des Einzelnen unabhängig von einem bestimmten Ort und einer bestimmten Zeit geleistet werden kann. Man arbeitet in vernetzten, ggfs. virtuellen Projektteams, nicht in hierarchisch gegliederten Linien. Die Firmenstruktur ist kein Organigramm mehr, sondern ein „Organogramm“. D.h. eigenständige funktionierende „Organe“ bilden in ihrem Zusammenspiel einen sich selbstoptimierenden „Organismus“. Trotz aller Vernetzung und Kollektivität steigt der Anspruch an Individualität und Exzellenz. Nicht nur der Kunde und das Produkt sind individuell, sondern auch die Produzenten, also die Mitarbeitenden selbst. 

Sie meinen also, man trifft in der Arbeit immer häufiger auf Diven und die können von Frauen geschickter behandelt werden?!

Nagel: In Zukunft wird eine Führungskraft wird zu einer Art Dienstleister für ihre Mitarbeitenden. Sie wird sich um alles kümmern, damit ihre Spezialisten die besten Leistungsbedingungen vorfinden und ihr Talent voll entfalten können. Aber gehen wir noch einmal zurück zur Arbeitswelt 4.0. Typisch maskuline Führung ist rangordnungsbetont und fußt nach dem Leitwolfprinzip auf Machtausübung. Eines der wichtigsten Machtmittel ist der Zugang zu Wissen und Information. Mit der Digitalisierung und globalen Vernetzung ist dieses Mittel seiner Wirkung beraubt. Alle, die im Netz verbunden sind, haben Zugang und entwickeln das Wissen Tag für Tag gemeinschaftlich weiter. Daher kommt es zu dieser ungeheuren Innovationsgeschwindigkeit, mit der wir uns kollektiv in immer rasantere Veränderungen treiben.

Aber ist das nicht eher ein männliches Ding, Geschwindigkeiten zu beherrschen?

Nagel: Wenn wir das Klischee bedienen, laufen Männer eher Gefahr, dem Geschwindigkeitsrausch zu verfallen, während Frauen sicher und zügig von A nach B fahren wollen. Die Frage nach Sinn und Verstand von Veränderungen stellen sich Frauen eher als Männer. Frauen wohnt ein bewahrendes Wesen inne, Männern eher ein angreifendes, zerstörendes – das Prinzip Ying und Yang. Netzwerken auf der Sachebene zum gemeinsamen Vorteil und Schutz ist eher frauentypisches Verhalten. In Zuge der wachsenden Komplexität aller Prozesse erweist sich netzwerkendes Orchestrieren überlegen gegenüber hierarchischem Tonangeben und Für-andere-Vordenken.

Wenn Sie es für uns zusammenfassen würden, Frau Dr. Nagel, welches Verhalten zeichnet Führungskräfte in der Phase der digitalen Transformation aus?  

Nagel: Starke Beziehungen werden zum entscheidende Erfolgsfaktor von Unternehmen. Es geht im Kern um eine Kultur des Vertrauens. 

Schöne neue Arbeitswelt. Was heißt das? 

Wojciechowski: Wir haben bei Smartwatch.de ein großes Team. Das sind Studenten, die sitzen in Lübeck, Frankfurt, Hmaburg... Aber auch Angestellte, die für uns zum Festpreis arbeiten. Die bekomme ich einmal im Jahr nach Dresden zur Weihnachtsfeier. Da sind sie alle da. Sonst ist das gar nicht nötig. Durch die Neuen Medien können sie von überall arbeiten. 

Das funktioniert?

Wojciechowski: Es wissen alle, sie müssen ihre Leistung bringen, sie müssen ihre Arbeit abliefern und das machen die auch. 

Wie sieht es dann bei Ihnen als Vorreiter der neuen Arbeitswelt im Büro aus?

Wojciechowski: Wir arbeiten generell nur mit Laptops. Die Mitarbeiter müssen die auch mitnehmen. Bei uns in der Firma sind nie Geräte da. Würde man bei uns einbrechen, würden die Einbrecher nichts finden, außer Monitore. Und dann können sich die Mitarbeiter aussuchen, wo sie sich hinsetzen wollen. Das ist doch egal. Es gibt Mitarbeiter, die wollen immer ihren festen Platz, manche ziehen auch manchmal um, weil sie lieber mal in einem anderen Büro sitzen wollen. 

Gibt es bei Ihnen auch die berühmten Kuschelecke á la Google und Facebook?

Wojciechowski: Wir haben Loungeecken geschaffen. Da sitzen die Mitarbeiter und machen ihre Arbeit ja trotzdem. Die sind dann kreativ. Und es gibt bei uns Süßigkeiten und Obst.

Was ist die Zukunft?

Wojciechowski: Besonders als IT-Entwickler, wie bei uns, wird man sich aussuchen können, wo man arbeiten möchte. Das Unternehmen muss versuchen, aufzufallen und die Leute, wenigstens zum Vorbeischauen, reinzuholen. Die Gehälter sind überall ähnlich, das ist nicht das Kriterium. 

Also steht uns ein Verwöhnprogramm für Mitarbeiter bevor?

Wojciechowski: Man muss Mitarbeitern, besonders in der IT-Branche Freiräume lassen. Das ist ganz klar. Man muss herausfinden, was sind ihre eigenen persönlichen Interessen im Job. Wenn einer meiner Entwickler blaue Designs nicht mag, aber supergeil gelbe Designs machen kann, dann macht er ab jetzt nur noch gelbe Designs. Das klappt nicht immer. Manchmal müssen die Mitarbeiter natürlich auch Dinge tun, die sie nicht mögen. Auch in Zukunft. 

Stimmt es, dass Sie sogar einen Freitag als freien Tag eingeführt haben?

Wojciechowski: Ja, das stimmt. Am Freitag können die Mitarbeiter einfach lernen und miteinander reden. Klar wollen wir uns einen Gefallen tun, aber da steckt schon echt was dahinter. Wir haben festgestellt, das es nicht nachteilig ist. Die Mitarbeiter arbeiten natürlich trotzdem, witzigerweise. Sie setzen sich dann halt zusammen, überlegen sich Dinge, die Jeder anders machen würde. Und so haben sie manchmal Lösungsansätze, auf die sie im Stress gar nicht gekommen wären. 

Wie wichtig sind Abschlüsse und Zeugnisnoten?

Wojciechowski: Haben Sie den Satz des Pythagoras schon jemals gebraucht? Haben Sie an der Kasse gestanden irgendwo und gedacht, Mist, ich brauch den Satz des Pythagoras? Wir haben Wahrscheinlichkeitsrechnung im Abitur gemacht und und und. Natürlich trainieren uns die Lehrer für die Zukunft, dass man grundlegende Dinge kennt. Aber es ist wichtig, das, was man im Innersten ist und liebt. Man ist Maler, dann mal Bilder. Warum muss man da auf die Zensuren gucken? Ich hab sogar ein Beispiel. Maler sucht neue Gesellen. Notendurchschnitt 2,1. Sag mal, Alter, bist du behindert? Was willst du denn mit einem 2,1er Durchschnitt. Da kannst du Jemanden mit einer 5 nehmen, wenn er sensationell die Wände malern kann. Die Unternehmer gehen an die Sache falsch ran. Natürlich braucht man Menschen die studieren, die ganz krasse Abschlüsse machen, die in Konzerne gehen und da die tollsten Dinge erfinden. Ich meine, eine Smartwatch ist auch von sehr schlauen Menschen erfunden worden. 

Was ist noch spezifisch für die moderne Arbeit? 

Wojciechowski: Mit einem Team erfolgreich zu arbeiten. Man kann nur erfolgreich sein mit einem Team. Allein ist das unvorstellbar, das geht gar nicht. Man kann alleine als Trainer oder Speaker erfolgreich sein. Aber ein Unternehmen zu bauen mit Menschen, die 100 Prozent hinter einem stehen, denen man 100 Prozent vertrauen kann, ist wichtig. Wir funktionieren als Unternehmen und wir sind eine große Familie geworden. Wenn ich mich heute um 14 Uhr mit Freunden treffen will, dann mach ich das, weil ich im Hintergrund Menschen habe, die dann das Unternehmen weiterführen und weiter betreuen und das in eigenem Interesse. 

Es gibt natürlich den Chef und den braucht man auch. Man braucht auch in Zukunft immer Jemanden, der vorne weg läuft.

Also Hierarchie oder Augenhöhe?

Wojciechowski: Ich mach alles auf Augenhöhe. Bei uns gibts eine ganz flache Hierarchie. Es gibt natürlich den Chef und den braucht man auch. Man braucht auch in Zukunft immer Jemanden, der vorne weg läuft. Jeder Mensch ist sowieso gleich auf dieser Welt, also können wir Niemanden bevorzugen oder benachteiligen. Aber trotzdem braucht es immer einen Leithammel.

Stimmt es, dass Sie Unternehmen auch nach möglichen Domain-Namen gründen?

Wojciechowski: Ja, wir bauen immer Unternehmen, mit dem passenden Domainnamen, zum Beispiel Smartwatch.de, Kredit.de, Wohnungen.de, Filme.de und dann eben E-Autos.de.

Klingt nach ziemlichem Durcheinander in der neuen Arbeitswelt.

Wojciechowski: Als Unternehmer braucht man natürlich Disziplin. Morgens im Bett liegen bleiben und dann Kaffee trinken gehen, das kann man natürlich alles machen, aber das sollte man nicht jeden Tag tun. Man sollte morgens da sein, man muss nicht immer abends der Letzte sein. Eine gewisse Disziplin ist auch in der neuen Arbeitswelt nötig.

12 Führungsmaxime im Technologiezeitalter

1.Erkenne, dass Vielfalt im Team deine wertvollste Ressource ist. Freue dich über alle Unterschiede, die du bei deinen Menschen entdeckst: Unterschiede in der Kultur und Religion, in den Erfahrungen, im Wissen, in Ansätzen und Einstellungen, im Charakter und in Stärken. Begegne ihnen mit Offenheit. Es ist dein wertvollstes Kapital.

2.Gib jedem das Gefühl, dass sein Beitrag willkommen ist. Schätze den Beitrag eines jeden. Versuche nicht aufzuwiegen, wer es besser gemacht hat. Es ist sowieso nicht möglich. Stell sicher, dass jeder gehört wird und dass jeder seinen Beitrag leistet.

3.Mach die Stärken deiner Menschen groß, indem du sie täglich wertschätzt: Entwickle die Talente jeder Person, indem du ihr sagst, welche wertvollen Eigenschaften du bei ihr wahrnimmst und wie ihre Stärken den Teamerfolg mitbestimmen. Sag ihr, wie stolz du bist, mit ihr zu arbeiten.

4.Höre jedem in deinem Team aufmerksam zu: Bleibe achtsam und höre noch genauer zu, wenn Spannungen und Konflikte aufkommen. Bleib offen und zugewandt, verschanze dich nicht hinter starren Positionen.

5.Frage deine Teammitglieder nach ihren Sichtweisen, bevor du entscheidest. Entwickle in dir eine Haltung, mit der du andere nicht bewertest oder vorverurteilst. Bitte andere um Feedback und setze dich mit ihren abweichenden Meinungen auseinander anstatt eine einseitige Sichtweise zu kultivieren.

6.Bleib auf dem Boden und sei bescheiden, denn du dienst: Beende Machtspiele und werde deine eigenen Spielchen los. Der Befehlshaber, der Alleinheld, der dominante Herrscher waren gestern. Sie passen nicht zum Technologiezeitalter. Es ist Zeit für „Humble Leadership“ (Edgar Schein).

7.Fühl dich selbst als Teil des Teams: Als Führungskraft musst Du heute nicht mehr der/die Beste in allen Disziplinen sein. Das Siegerteam der Zukunft ist ein Team von Spezialisten. Jeder ist virtuos auf seinem Gebiet und alle sind fähig und willens fortwährend miteinander zu teilen.

8.Stell sicher, dass alle dieselbe Vision und dieselben Ziele teilen, vertraue anschließend auf die kollektive Weisheit. Sichere ab, dass jeder denselben Zweck, dieselben Werte, dieselbe Vision und dieselben Ziele verfolgt. Dann vereinbare eine Strategie und starte das Abenteuer der Umsetzung. Lass die Menschen möglichst viele Lernerfahrungen machen. Du kannst nicht alle Eventualitäten am Wegesrand voraussehen. Vertraue auf ihre Stärken und ihre Intuition Die kollektive Weisheit wird das Team zielsicher auf den Erfolgsweg führen. Brillante Ideen werden genau dann kommen, wenn sie gebraucht werden.

9.Frag immer nach Verbesserungsideen: Wenn Du den Eindruck hast, dass sich das Team besser an den gemeinsamen Zielen ausrichten oder die Performance erhöhen sollte, dann mache die Teammitglieder einfühlsam auf Fehler aufmerksam. Erläutere, was sie besser machen können. Aber suche nie nach Schuldigen, sondern nur nach Lösungen. Frag nach ihren Umsetzungsideen

10.Konzentriere Dich aufs Große und Ganze und lass das Team sich selbst organisieren: Kümmere Dich um die Rahmenbedingungen und unterstütze so, dass deine Menschen in der Lage sind, sich voll auf die beruflichen Herausforderungen zu fokussieren. Bewahre Dich vor Mikromanagement. Behalte das große Bild im Blick und gib Acht, dass das Team noch auf dem richtigen Weg und in guter Stimmung ist. Fördere die Teamselbstorganisation.

11.Lege Wert auf gute Beziehungen im Team: Werde aufmerksam, wenn der Teamgeist abflaut. Dann bist du an der Reihe: Stopp den operationalen Prozess und rege Beziehungsklärung und Teamentwicklung an. Hilf, die Quelle des Energieverlustes aufzuklären. Lass das Team erst dann zur operationalen Arbeit zurückkehren, wenn die Unstimmigkeiten geklärt sind.

12.Feiere mit deinem Team die Erfolge und sorge dich um die Gesundheit und innere Balance deiner Mitarbeitenden: Feiere mit deinen Mitarbeitern gemeinsam die Erfolgsgeschichten. Achte bewusst auf die Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Kümmere Dich um die Gestaltung gesunder Arbeit und sei sensibel hinsichtlich Frühwarnzeichen von Erkrankungen. Nur gesunde Menschen sind auf die Dauer motiviert und zukunftsorientiert.

Wandel der Arbeitswelt fordert

Sinn und Werte

Warum es keinen Grund gibt zu resignieren und wie wir Unternehmer bei TAB das Blatt wenden können.

Produktivitätssteigerung - Ende der Fahnenstange: Unbestritten: Die erfreulich lang anhaltende Wachstumsphase können wir derzeit nicht mehr nur durch eine Steigerung unserer Produktivität stemmen. Wir brauchen auch zusätzliche Mitarbeiter. Jedoch herrscht die einhellige Meinung vor, es gebe keine Mitarbeiter mehr – und das perspektivisch auch in der Zukunft nicht. Was können wir tun? 1. Ändern wir unser Denken und die Perspektive! 2. Beantworten wir die Sinnfrage und stehen für Werte! 3. Ändern wir unsere Führung!

Gute Mitarbeiter sind im Überfluss vorhanden: Was hilft es, wenn wir die Situation immer wieder beklagen und unsere resignative Inaktivität damit begründen, wir hätten schon alles versucht, der Markt sei leergefegt, gegen die Großen habe man keine Chance und den anderen gehe es schließlich auch so. Machen wir uns doch einmal bewusst, welches Denken dieser Haltung zugrunde liegt: Ist es ein Denken im Überfluss oder im Mangel? Was bewirkt ein Denken im Mangel bei mir? Spornt es mich an oder zieht es mich runter? Ein Denken im Überfluss ist hier nicht angebracht? 

Die eigene Perspektive ändern: Sehen wir es doch einmal so: Es gab noch nie so viele Mitarbeiter wie heute. Der Beschäftigungsstand in Deutschland ist auf Rekordhöhe. Dann kann es doch nur so sein, dass auch Mitarbeiter im Überfluss vorhanden sind. Der Haken: Die Guten sind nur nicht frei verfügbar – wie früher, als wir noch am langen Hebel saßen. Aber sie sind da. Also lasst sie uns für uns gewinnen. Wie? Es geht:

Wandel der Arbeitswelt fordert Sinn und Werte: Aus meiner Sicht ist entscheidend, dass wir die Gefühle unserer aktuellen und zukünftigen Mitarbeiter erreichen. Gehaltserhöhung, kostenloser Obstkorb, Kaffee und Kita-Zuschuss reichen nicht aus, sie sind zudem durch andere Arbeitgeber leicht kopierbar. Aufgrund des fundamentalen Wandels unserer Arbeitswelt (s. Grafik) wird es meines Erachtens daher immer wichtiger, dass wir als Unternehmer  die Sinnfrage überzeugend beantworten können und dass wir für attraktive Werte stehen. 

“Da will ich dabei sein”: Welch besseren Weg gibt es, Anziehungskraft (extern) und emotionale Bindung (intern) an das Team, an unsere Produkte und an unsere Kunden zu erzeugen? Wie sonst wollen wir im Kopf den Gedanken und das Verlangen wecken: „Die machen so tolle Sachen / welch inspirierende Atmosphäre – hier möchte ich mich einbringen.“

Kooperation statt Hierarchie: Ein zweites wichtiges Element für emotionale Bindung und Anziehungskraft ist eine Veränderung unseres Führungsverhaltens. Mitarbeiter erwarten zunehmend vertrauensvolle Kooperation statt Vorgabe und Hierarchie. Was bedeutet das für uns Unternehmer? Loslassen, Vertrauen schenken, Vorbild sein, mit Ideen und Begeisterung Energie geben. Nebenbei könnte es sein, dass uns das Begeistern viel leichter fällt, wenn wir das WARUM und WIE (Werte) des Unternehmens auch für uns selbst beantwortet haben.

Unbezahlbare Wirkung: Eine Studie hat nachgewiesen: „Mitarbeiter mit einer starken emotionalen Bindung erleben ihre Arbeit als sinnhaft, engagieren sich stärker, übernehmen Verantwortung, entwickeln mehr Eigeninitiative, haben ein höheres Qualitätsbewusstsein und wechseln seltener den Arbeitgeber.“ (Great Place to work; Gallup – zitiert durch Badura, MCC-Kongress, Köln 27.05.15).

Dieses Vorgehen hat weitere Vorteile: Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung öffnen eher ihr eigenes Netzwerk und empfehlen ihren Arbeitgeber weiter. Können wir die Sinnfrage überzeugend beantworten ist der Weg für die Entwicklung neuer Produkte klarer, wir werden unverwechselbarer, können uns ein dem Preiswettbewerb entziehen und schaffen somit wertvollere Unternehmen.

Fazit: Die Umsetzung dieser Punkte ist anspruchsvoll und erfordert Zeit. Und sie fordert die Bereitschaft des Umdenkens und der Veränderung. Unternehmer, die Mitglieder in unseren TAB Unternehmerboards sind, haben den großen Vorteil, dass sie auf diesem Weg immer wieder Erfahrung und Ideen mit anderen Unternehmern austauschen können und dass so die Veränderung leichter fällt. Dr. Markus Schotters, TAB Dresden