„An erster Stelle steht immer die menschliche Sympathie.“

Ralf dümmel ist nicht nur ein „löwe“, sondern auch Pionier in der Produktentwicklung. Ihm zweiten Teil unseres Interviews sprach Ralf Dümmel über die Höhle der Löwen, seine Investments und was ein guter Gründer ausmacht.

 

Bei wie vielen Investments waren Sie am Ende der Sendung beteiligt?

Dümmel: Insgesamt 23 Deals habe ich eingetütet. Nach der Sendung ist es nur bei 18 Deals zu einem Notartermin gekommen und damit zur echten Beteiligung. Ein Deal ist noch in der Verhandlungsphase und bei drei ist kein klassisches Investment zu Stande gekommen.

 

Welches sind denn die Produkte Ihrer Deals, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Dümmel: Man ist oft geneigt zu sagen, das vermeintlich erfolgreichste mag das beste sein. Aberich muss ehrlich sagen, dass mir alle 23 Dealsund Gründer ans Herz gewachsen sind. Ich könnte Ihnen jetzt fünf Investments nennen, tue mich aber schwer damit, den einen oder anderen hervorzuheben, weil ich sie alle lieb gewonnen habe und es allesamt Partner von uns sind.

 

Sie haben auch Er nder unterstützt...
Dümmel:
 Wie beispielsweise die Abfluss-Fee mit Karl-Heinz Bilz, der einfach mehr Er nder als Unternehmer ist. Oder wie beim Pannenfächer, wo die Schwester vom Erfinder ihre Rentenversicherungaufgelöst hat, um ihn zu unterstützen. Da kommt das Herz dazu undnicht nur der Geschäftsgeist. Ich muss aber auch immer wieder beto- nen, wir, die Investoren, sind nicht nur zum Helfen da. Die Sendung ist keine Spendengala oder Wohltätigkeitsveranstaltung, sondern es gehtum Geld und um Investments, woraus sich auch der Erfolg entwickelnsoll.

 

Haben Sie auch gemeinschaftliche Deals mit anderen Löwen?

Dümmel: Es gibt einen gemeinschaftlichen Deal in eBall, wo alle Löwen je 100 000 Euro investiert haben. Dann habe ich zwei Dealsmit Judith Williams in My Beauty Light (je 75.000 Euro) und in penta-sense (je 75.000 Euro). Und zwei damals gemeinsam mit Jochen Schweizer in Towell (je 125.000 Euro) und Scuddy (je 100.000 Euro). Pentasense, die Pastille gegen Karies, läuft fantastisch. Sie ersetzt nicht das Zähneputzen, kann aber bei Kindern ergänzend eingesetztwerden und vorbeugen. Bei My Beauty Lights ist Judith Williams raus, den haben wir komplett übernommen und auch dort läuft es gut. My Beauty Lights ist dafür da, dass Frauen sich besser schminken können und dann noch schöner sind.

 

Welche Produkte aus Ihren Investments sind bei Ihnen zu Hause im Gebrauch?
Dümmel:
 Die Abfluss-Fee ist bei mir in Benutzung, myChipsbox esse ich auch zu Hause oder präsentiere die, wenn Gäste kommen.

 

Beziehen sich Ihre Investitionen hauptsächlich in Produkte oder haben Sie den Käscher mal nach links und rechts geworfen und in Dienstleistungen oder Online-Produkte wie Apps investiert?

Dümmel: Wer unsere Firmenstruktur kennt, der weiß, dass wir einsehr guter Partner sind, wenn es darum geht, Produkte auf den Marktzu bringen. Für Apps und digitale Produkte sind die Gründer besserbei Frank Thelen aufgehoben, bei Event-Ideen macht Jochen Schwei- zer mehr Sinn als Partner und im kosmetischen Bereich Judith Wil-liams oder bei Dienstleistungen ist Karsten Maschmeyer der besserePartner. Wir haben schon darauf geachtet, dort zu investieren, wo wirmit unserem Know-How auch wirklich helfen können. Wir wollen in der Sendung nicht nur Geld geben und alle sechs Monate prüfen, wasdaraus geworden ist. Wir sehen uns eher als strategischer Partner der Gründer, als reiner Finanzinvestor.

Wir wollen den Gründern in vielen Punkten helfen, wo es ihnen vielleicht an Kapazitäten, Strategie oder Know-How fehlt: Logistik- oder Rechtsfragen, Patentfragen, Qualitätsprüfungen, Produktionsorte, Vertrieb, Einkauf. Wir machen mit den Gründern zu Beginn eine Bestandsaufnahme: Wo sehen sie sich, ihre Stärken, da wir ihnen auchnichts wegnehmen wollen. Wo ihre Stärken liegen, da lassen wir sie das weiterhin übernehmen. Aber dort, wo ihre Schwächen sind oder Punkte, die sie selbst nicht machen wollen, da setzten wir Investoren dann an.

 

Also können Sie sich nicht vorstellen, auch mal in anderen Be-reichen nach einem guten Investment zu schen, wenn sich dieGelegenheit bietet?
Dümmel:
 Ich habe es in der dritten Staffel zwar nicht getan, aber esheißt ja: Sag niemals nie. Wenn irgendwann eine Idee kommt und man das richtige Gefühl hat, glaube ich, dass ich das schon machen würde. Aber die Gründer entscheiden letztendlich, wer der beste Löwe für sie und ihr Produkt und die Zukunft ist. Wenn ich nur Geld gebe, weil ich denke, dass aus dem Geld mehr wird, dann tue ich das ungern. Ich möchte gerne dabei sein und bei meinen Spezialisierungen bleiben, um auch wirklich helfen zu können. Nur am Tisch sitzen und fragen,was aus meinem Geld geworden ist, ist nicht meine Art. Deswegeninvestiere ich nur in Sachen, wo ich mich auskenne.

 

Ist der Er nder oder doch der BWLer am Ende der bessere Gründer?
Dümmel:
 Optimal ist, wenn man beides ein bisschen kann. Grundsätzlich kommen die Leute mit einer Idee und sind in dem Sinne schon Ideengeber oder -gründer. Es ist natürlich schwerer, ein Unternehmenaufzubauen, wenn die Gründer nichts mit BWL anfangen können odersogar fragen, was die drei Buchstaben bedeuten.

 

Wie stark unterscheiden sich denn die Zusammenarbeiten?

Dümmel: Der typische Erfinder möchte gar nichts zu tun haben mit Produktion, Vertrieb oder Rechtsfragen. Der möchte in seiner Garage sitzen und das nächste Produkt fertigstellen, wie Karl-Heinz Bilz von der Abfluss-Fee gerade dabei ist, an der Dusch-Fee zu entwickeln, da es nicht nur im Abfluss Haare gibt. Wir wollen die Erfinder auch fördern und nicht jeden Tag damit langweilen, sich Bilanzen anzugucken. Der BWLer interessiert sich natürlich dafür, aber da hapert es dannmeistens an der Produktentwicklung und Kreativität.

 

Wie ist Ihr Verhältnis zu den anderen Löwen?
Dümmel:
 Wir verstehen uns alle gut. Man arbeitet nicht soviel zusammen außerhalb der Sendung, hat aber Kontakt und ich kann ruhigen Gewissens sagen, ich verstehe mich mit allen gut und glaube, wenn Sie die vier anriefen, würden sie das Gleiche über mich sagen. MitFrank Thelen hatte ich leichte Anlaufschwierigkeiten, wir brauchteneine längere Kennenlernphase, aber dann waren wir mal zusammenessen und haben seitdem ein super Verhältnis, verstehen uns und habenriesen Respekt voreinander. Zu Karsten Maschmeyer hatte ich vorhergar keine Berührungspunkt, jetzt haben wir einen gemeinsamen Deal(eBall). Ich schätze ihn sehr und nde, dass er gut in die Sendungpasst. Judith Williams ist eine unfassbar tolle Frau, sehr charmant und hat für mich die meiste Ahnung von Fernsehen und passt, genau wie Jochen Schweizer, der sehr authentisch ist, gut in die Sendung. Schade, dass er nicht mehr weiter machen wird in Staffel 4. Ich bedauere das sehr, dass er aufhört.