• Januar 05, 2024
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In den letzten Jahren sind Influencer zu einer immer wichtigeren Kraft im Marketing geworden. Mit einer großen Reichweite und loyalen Followern können sie Menschen dazu bringen, Produkte zu kaufen, von denen sie vorher eventuell noch nicht gehört haben. Laut ExpressVPN haben ganze 65 % der in Deutschland Befragten von Fitness-Influencern Produkte gekauft, die von ihrem jeweiligen Idol empfohlen wurden.

Influencer können aufgrund der Art und Weise, wie sie mit ihren Followern interagieren, Produkte und Marken auf eine authentische Weise präsentieren. Durch die Verwendung oder das Teilen von Erfahrungen von bestimmten Produkten in ihren Posts schaffen sie eine gefühlte persönliche Verbindung zu ihren Followern und können bestimmte Produkte mehr oder weniger subtil in ihren Posts bewerben. Häufig geschieht dies sogar ohne werbliche Kennzeichnung und die Grenze zwischen persönlicher Überzeugung und gesponserter Werbung verschwimmt. Das Vertrauen, das Influencer von ihren Followern genießen, kann dadurch Konsumenten anregen, die beworbenen Produkte selbst auszuprobieren und zu kaufen. Je nach Art und Weise, wie die Empfehlungen präsentiert werden, kann der Eindruck entstehen, dass die Produkte für ein besseres Leben oder einen bestimmten Lifestyle wie der des Idols unerlässlich sind.

Dieses Influencer-Marketing hat sich zu einer äußerst effektiven Marketing-Strategie entwickelt, da es auf dem Prinzip der sozialen Bewährtheit beruht. Typischerweise neigen Menschen dazu, das Verhalten anderer zu imitieren, insbesondere wenn sie als Idole betrachtet werden. Wenn Follower also sehen, dass ihre Lieblings-Influencer ein Produkt verwenden, nehmen sie dies oft als Bestätigung dafür, dass dieses Produkt hilfreich sein muss. Dieser Einfluss kann so weit gehen, dass Konsumenten Produkte kaufen, die sie eigentlich nicht benötigen oder die ihnen keinen echten Nutzen bringen. Die Reichweite, die Influencern dabei haben können, spielt eine große Rolle. Beispielsweise wird die Fitness-Influencerin Pamela Reif bald 10 Millionen Follower auf Instagram haben und dadurch eine enorme Reichweite für Unternehmen bieten, die ihr Produkt mit ihr bewerben möchten.

Während Influencer-Marketing für Unternehmen äußerst profitabel sein kann, da sie ihr Produkt viel näher an ihre Zielgruppe transportieren können, gibt es jedoch auch Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, besonders von Jugendlichen. Influencer präsentieren fast immer ein perfektes Leben, das von Luxus, Schönheit und Erfolg geprägt ist. Diese Darstellungen können das Gefühl der Unzulänglichkeit bei Jugendlichen verstärken und zu einem negativen Vergleich mit ihrem eigenen Leben führen. Werden von diesen Idolen also bestimmte Produkte beworben, wird mit dem falschen Anreiz gespielt, dass dies für ein ähnliches Leben unerlässlich sei.

Darüber hinaus können die Bearbeitung von Fotos und die Inszenierung eines idealisierten Lebens auf sozialen Medien zu einem verzerrten Realitätsbild führen. Jugendliche können den Eindruck gewinnen, dass sie den Standards nicht gewachsen sind und somit ein Gefühl von Frustration und Unzufriedenheit entwickeln. Der Druck, den vorgelebten Erwartungen gerecht zu werden, kann zu Angstzuständen, Depressionen und anderen psychischen Belastungen führen.

Angesichts dieser wachsenden Bedenken ist es wichtig, dass Influencer und Unternehmen ihre Verantwortung ernst nehmen. Influencer sollten sich bewusst sein, dass ihre Worte und Handlungen konkrete Auswirkungen auf ihre Follower haben. Eine transparente und offene Kommunikation über bezahlte Partnerschaften und die Einschränkung der Verwendung von Bildbearbeitungsprogrammen bzw. die Kennzeichnung dieser könnten dabei helfen, realistische Darstellungen zu schaffen. Auf der anderen Seite sollten Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Influencern sorgfältig prüfen, ob sie die Werte und Botschaften der Influencer teilen. Marken sollten sich stets für eine ethische und verantwortungsbewusste Zusammenarbeit entscheiden und nicht ausschließlich die Reichweite von Influencern als Entscheidungskriterium nutzen. Darüber hinaus sollten Eltern, Erziehungsberechtigte und Schulen Jugendliche über die Mechanismen des Influencer-Marketings aufklären und ihnen helfen, ein solides Verständnis für Realität und Inszenierung zu entwickeln. Die Förderung eines positiven Körperbildes und eines gesunden Selbstwertgefühls kann ebenfalls dazu beitragen, die Auswirkungen von Influencer-Marketing auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen zu mindern.