Die E-Zigarette: ein Markt in Bewegung

Geschätzte 13 Millionen Menschen weltweit greifen zur E-Zigarette. Die wachsende Auswahl an Hardware ermöglicht ein Sortiment für alle Anwendertypen. Etablierte Tabakunternehmen schicken sich an, in diesen Markt einzugreifen.

 

Tabakriesen auf dem Weg zu E-Hardware-Herstellern?

Die Zahlen sprechen für sich: Bereits 2014 wurden mit E-Zigaretten und dazugehörigen Produkten rund sechs Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht, wie im Rahmen einer Euromonitor-Studie gezeigt wurde. Ein keineswegs geringer Anteil dieses Betrags geht direkt zu Lasten der klassischen Tabakindustrie, die wegen der vielen E-Umsteiger Kunden verloren hat. Als Schlussfolgerung nutzen die Milliardenunternehmen ihre Stellung, um sich einen Teil des aufstrebenden Markts zu sichern.

Die neue Richtlinie TPD 2 könnte den Tabakriesen in die Hände spielen. Denn künftig wird die Herstellung neuer Produkte, sowohl Hardware als auch Liquids, unter wesentlich strengeren Auflagen erfolgen. Diese bedeuten höhere Kosten und damit eine kleinere Gewinnspanne. Für viele reine E-Zigaretten-Hersteller wird diese Änderung Probleme bereiten; Probleme, die die Tabakindustrie nicht hat. Dank der gewaltigen Kapitaldecke stellt der erhöhte Produktionsaufwand für Tabakkonzerne kein Hindernis dar; der Markt könnte folglich auf der einen Seite schrumpfen, um gleichzeitig auf der anderen Seite zu wachsen. Gelingt dies, übernehmen die Tabakunternehmen eine Führungsrolle im bislang fremden E-Markt.

 

Großer Nachholbedarf bei Hardware von Tabakunternehmen

Dennoch wird die Qualität der Umsetzung entscheidend sein. Hört man sich in der Dampfer-Szene um, so sind die bisherigen E-Produkte der Tabakunternehmen nicht ansatzweise konkurrenzfähig zu jenen, die den Markt seit Jahren haben wachsen lassen. Allerdings darf man von einer steilen Lernkurve ausgehen – auch das liegt in den finanziellen Möglichkeiten der Großkonzerne begründet.

Es ist also ein denkbares Szenario, dass sich klassische Tabakriesen zu Hardwareherstellern entwickeln. Welche Folgen das auf die Preise haben wird, ist aktuell nicht absehbar; zumindest anfangs dürften große Preissteigerungen aus strategischen Gründen ausgeschlossen werden, doch mit wachsenden Marktanteilen könnte sich das langfristig ändern.

 

Kommt eine Zusatzsteuer für Liquids?

Die Möglichkeit steigender Dampfer-Kosten wird außerdem vom Staat selbst bestärkt. Denn noch sucht die Regierung nach einem Weg, E-Zigaretten und vor allem Liquids mit einer Zusatzsteuer zu beschenken. Auch dies ist dem sinkenden Zigarettenkonsum geschuldet; die Tabaksteuer ist schließlich eine unverzichtbare Einkommensquelle. Man kann davon ausgehen, dass die Steuer früher oder später kommen wird, unter welchem Namen auch immer. Spätestens dann, wenn der Preisvorteil gegenüber der Zigarette Geschichte ist, wird sich zeigen, welches die primären Motive für die E-Zigarette sind.

 

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