"Ich habe noch nie ein schwitzendes Genie gesehen!"

Disy - Chefredakteurin Anja K. Fließbach besuchte das letzte Late Night Seminar von Nikolaus B. Enkelmann in Bad Soden. Lesen Sie, wie der 77-Jährige Altmeister der Erfolgstrainer mit der Essenz seines Wissens und seiner Erfahr ung die Menschen begeisterte.

 

Stimmengewirr, aufgeregtes Gelächter. Viele der 300 Gäste kennen sich. Jede Altersgruppe ist vertreten, die ältere ist in der Überzahl. Junge energiegeladene Männer, Kollegengruppen, dynamische Geschäftsfrauen gibt es zwar. Aber auch viele fein geschminkte Damen mit auftuppiertem Haar, edel gekleidete Ehepaare, ältere Geschäftsleute im feinen Zwirn. Hier ist der Erfolg schon angekommen. Wohlstand ist offensichtlich. Man ist gekommen, um sich neu inspirieren zu lassen. Man ist gekommen wegen ihm. Nikolaus B. Enkelmann in seinem letzten Late Night Seminar.

 

Er erscheint auf der Bühne, begrüßt die Gäste und setzt sich auf einen bequemen Chefsessel. Enkelmann beginnt, über das Gesetz des Wachstums zu philosophieren. So wie alles in der Natur, so sollten auch wir wachsen. Alles sei in uns. Das Problem: Wir könnten keine Entscheidungen fällen. Es gibt 1000 Möglichkeiten und wir sagen: „Wir können alles.“ Theoretisch könnten wir alles, aber in Wirklichkeit nur eins. „Sie sind wichtig!“, sagt er mit seiner tiefen Stimme und wird diesen Satz suggestiv noch oft in dieser Nacht wiederholen. Seit über 40 Jahren kämpft er gegen die falsche Bescheidenheit. „Sie könnten längst ein Genie sein!“ Für wie viele Menschen ich wichtig wäre, fragt er. Er fragt natürlich alle 300 Gäste, aber auf seine besondere Art spricht er jeden persönlich an. „Auf wie viele Menschen haben Sie einen wichtigen, einen motivierenden Einfluss?“ Wenn ich da mal drüber nachdenke, sind das ganz schön viele. Eingeschlossen alle Gespräche, die ich am Tag führe, Familie, Mitarbeiter, Kunden – aber vor allem die Leser der Magazine und Bücher. Cool! So habe ich mir das noch nie bewusst gemacht. Ich setze mich aufrechter. „Andere Menschen machen uns erfolgreich“, sagt Enkelmann und gibt uns mit, für mehr Menschen ein Vorbild zu sein. „Haben Sie sich bereits einen Namen gemacht?“, will er wissen. Unser Name sei der Schatten, der uns vorauseilt. Bei mehr als 90 Prozent der Leute könne man den Namen am Telefon nicht verstehen. Und viele hätten eine Handschrift wie eine „gesenkte Sau.“ Der Name ist unser Siegel. Ob wir uns schon einmal die Frage gestellt hätten, wer wir sind, will er wissen. Wer hat uns bis heute gesteuert? Wer hat an uns geglaubt? Das Beste, das wir unseren Kindern mitgeben könnten, wäre die Aussage: „Ich glaube an dich.“ Das würde auch für unsere Mitarbeiter gelten. Das ganze Leben ist ein Prozess gegenseitiger Beeinflussung. Warum sind die Leute so verbissen? Wir sollten mehr „Ja!“ sagen, mehr nicken.

 

Dann gibt es die erste Aufgabe im Seminar. Aufschreiben, was die schönsten Stunden meines Lebens waren. Ich versuche es, aber es bringt mich persönlich im Moment zu sehr von der „knackigen“ Stimmung des Abends ab. Ich hänge zu schnell in der Melancholie ferner Schiffsreisen. Aber ich verstehe seinen Ansatz. Je großartiger die Vergangenheit war, so sagt Enkelmann, desto großartiger sei unsere Zukunft. Viele hätten ihre Vergangenheit, ihre Jugend verdrängt. Wieweit komme ich in meinem Leben gedanklich zurück? Wir sollten den persönlichen, inneren Reichtum entdecken. Das Tor zur Vergangenheit öffnen und herausfinden, worauf wir stolz sind. „Wie definieren Sie Erfolg?“, kommt er zum nächsten Punkt. Für ihn ist Erfolg die Fähigkeit, zu überleben, die Fähigkeit, Probleme zu lösen. Man spürt ein leichtes Unbehagen im Publikum. So sehen das die wenigsten Durchstarter und Erfolgsmenschen an diesem Abend. Aber der Sinn dieser Definition erschließt sich schnell. Man müsste herausfinden, welche Probleme man am besten lösen kann und sich zum Trouble Shouter entwickeln. „Es gibt keinen Menschen, der keine Probleme hat. Deshalb brauchen wir ein starkes Selbstbewusstsein, um nicht irre zu werden.“ Es gäbe viele Menschen, die von sich sagten, sie wären die Größten und die Schönsten. Die meisten Leute, die das sagten, hätten ein mangelndes Selbstbewusstsein. Wie oft würden wir als Chefs sagen: „Scheiß Mitarbeiter!“ Aber wie könnten wir die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt sein, wenn alle nur „Scheiß Mitarbeiter“ hätten. Probleme gab und gibt es immer.

 

Der Weg geht nur über die Spezialisierung, ist sich Enkelmann sicher. „Die meisten sterben an ihrer Vielfältigkeit.“ Nein, man solle immer das Selbe tun, aber immer besser darin werden. Fehler kann dabei jeder machen. Man soll sich nicht verstellen, sonst sei man abends völlig kaputt. Und man soll großzügig mit seinen Mitmenschen sein. Er zitiert Goethe: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst.“ Dann gibt es wieder Aufgaben. Wir sollen unsere zehn besten Eigenschaften aufschreiben, dann die fünf besten der Reihenfolge nach sortieren. „Arbeit an sich, ist Arbeit an sich“, proklamiert er während wir schreiben. Danach sollen wir aufzählen, welchen Eigenschaften wir die Erfolge der Vergangenheit verdanken. „Nutze die Kraft und die Energie für deine Stärken!“ Wenn er uns Ratschläge gibt, ist er beim „du“. Das geht tief rein. „Stärken verstärken!“, ruft er. „Positives Leben ist möglich!“ Erfolg sei eine Frage des Charakters. Alle berühmten Persönlichkeiten hätten eine Erfolgsstruktur, einen Erfolgscharakter. Und er ärgert sich laut über die Meckerer im Land, über die, die sich über Steinbrücks Rednerhonorare aufgeregt haben. „Warum verdienen die selbst keine 20.000 Euro pro Rede? Jeder hat in unserem Land eine Chance! Kein Mensch kann uns hindern, heute eine Entscheidung zu treffen!“ Wenn wir heute entscheiden würden, nach Hongkong umzusiedeln, dann könne uns keiner dran hindern. Aber geschenkt würde uns nichts. Der einzige, der uns hindern könne, wären wir selbst. Enkelmann spricht sich in Rage. „Burn Out?“, ruft er und mir fallen gleich ein Dutzend Coaches ein, die einem ein Burn Out eher einreden als vermeiden helfen. Mir gefällt Enkelmanns sarkastischer Ton bei diesem Wort. „Ich habe noch nie ein schwitzendes Genie gesehen!“ Wenn wir uns in unserem Job anstrengen müssten, wären wir auf dem Holzweg. Dann sollten wir unsere Spezialisierung überdenken. „Die Welt braucht erfolgreiche Menschen!“ Dabei sollen wir aber nicht ungeduldig sein. Der Wachstumsprozess sei weich, man sieht in nicht. „Ich habe einen ganzen Tag bei mir im Garten gestanden und gewartet, dass das Gras wächst. Es ist nicht gewachsen.“ Das wir uns trotzdem verändern, sehe man auf alten Fotos im Vergleich zu aktuellen, der tägliche Blick in den Spiegel hat diese Veränderung nicht gezeigt. Es folgt wieder eine Aufgabe. Die 20 größten Herzenswünsche für die nächsten zwei Jahre sollen wir aufschreiben. Zehn fallen mir schnell ein, dann dauert es etwas länger. Aber das schnelle Schreiben unter Zeitdruck und ohne Nachdenken bringt Erstaunliches zu Tage. Ich hatte erwartet, ich wäre inzwischen fast wunschlos. Mitnichten! Um unsere Wünsche und Ziele zu erreichen, bräuchten wir kein Wissen. „Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts.“ Man solle nicht ehrgeizig sein, um klüger zu werden, sondern besser. „Wissen ist totes Kapital.“ Er bringt David Garret als Beispiel. Der denke beim Spielen nicht über jeden Ton nach. Er hätte sein Unterbewusstsein konditioniert. „Sie sind genauso begabt wie David Garret. Sie sind genauso talentiert.“ Wir sollen uns konzentrieren. Dann zeigt er uns das bekannte Video mit den zwei Gruppen Basketballspieler und wir sollen die Ballwechsel zählen. Als wir alle mit unseren Zahlen glänzen, fragt er uns, ob wir auch den Affen im Film gesehen hätten. Nein, hat keiner. Ist doch tatsächlich ein Riesenaffe da durchs Bild spaziert und alle waren mit dem Zählen so beschäftigt. Er lobt uns. Dass wir uns gut auf eine Sache konzentrieren könnten. Wer den Affen gesehen hat, würde sich leicht ablenken lassen. „Kein Mensch will einen unterstützen, wenn der nicht weiß, was er will.“ Anfangen kann jeder, aber wie viel haben wir auch weiter gemacht? Die Verführung sei, dass alles möglich ist. Nein, meint der erfahrene Erfolgstrainer. „Gib mir einen Angelpunkt, dann kann ich die Welt aus den Angeln heben!“ Das was in uns drin sei, sollten wir vermarkten. Der schönste Tag ist, wenn die innere Quelle anfängt zu sprudeln. Und er gibt uns ein Blatt mit einer Autosuggestion für Konzentration und Erfolg in die Hand, rezitiert diese, lässt uns zusammen lesen. „Amen“, sagt mein Nachbar. Und er hat Recht. Das gemeinsame Lesen hat einen kirchlichen Charakter. Wir sollten diese Autosuggestion dreimal am Tag lesen und vor dem Spiegel laut sprechen. „Sie müssen die Angst vor sich verlieren!“ Die eigene Persönlichkeit darstellen. Pause! Nach der Teepause mit Gesprächen und Entspannung, ist Enkelmanns Tochter Claudia mit einem Vortrag über Beziehungsmanagment an der Reihe. Das macht sie gut. Das lockert auf. Das gibt den Geschäftsleuten und männlichen Führungskräften im Raum auch einen Stups in die Richtung, wie wichtig die Ehe bzw. die Beziehung für den Erfolg und das Wohlbefinden ist. Als Enkelmann wieder übernimmt, bezieht er sich noch schnell auf das Thema seiner Tochter. „Ich weiß, dass viele von ihnen den größten Stress nicht in der Firma, sondern zu Hause haben.“ Er fährt fort mit einer Erklärung des menschlichen Gehirns und wie Vernunft, Verstand und Gefühl zusammenspielen sollten, sich aber bei Stress oder Nervosität boykottieren. Es sei für uns auch wichtig, unser Gegenüber zu entspannen. „Einen verspannten Menschen kann man nur brechen, einen entspannten Menschen kann man formen.“ Er erzählt uns etwas über die vier Säulen des Erfolges. Ein Modell, dass er seit vielen Jahren auch in seinen Büchern vermittelt. Man soll sich zuerst fragen: „Will ich erfolgreich sein?“ Danach: „Auf welchem Gebiet?“ Das sei eine rein intellektuelle Entscheidung. Wir sollen uns überlegen, auf welchem Gebiet wir in 5 Jahren die Nummer 1 sein wollen. Wir sollen fünf Vorbilder aufschreiben. Enkelmann gibt uns den Hinweis mit, dass die Vorbilder zu unserer Zukunft passen müssen. Mutter Theresa sei für einen Finanzexperten zwar beeindruckend, aber das unpassende Vorbild. Wir sollen uns sechs Freunde suchen, denen es heute besser geht als uns. Dann käme der Aufstieg von ganz allein. Die meisten würden sich aus Eitelkeit, der Beste sein zu wollen und um Stress zu vermeiden, immer Freunde suchen, die unter einem stehen. „Ich kann alles lernen!“, ruft er.

 

Wie oft würden andere von unserem Helfersyndrom profitieren? Nun solle man sich mal das Helfersyndrom der anderen zunutze machen. Er erzählt, dass er seine Tochter zu den besten Trainern der ganzen Welt geschickt hat. Man solle sich von den Besten nach oben ziehen lassen. Er fasst zusammen: Festlegen, was man will! In Europa die fünf Besten suchen, die das schon können und loslegen. Dann können man bald noch leichter, noch größere Probleme lösen. Ich frage mich, ob Nikolaus B. Enkelmann schon immer das Thema Problemlösung so in den Vordergrund gestellt hat oder ob er der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung folgend die Menschen auf kommende Krisen gut vorbereiten will. Er müsste sich ja, seinen eigenen Techniken folgend, in den letzten 35 Jahren rasant weiter entwickelt haben und nun, bei seinem letzten Late Night Seminar, die Essenz aus seiner Erfahrung, seiner Entwicklung und seiner Weisheit „rüberbringen“. Ich bin jedenfalls beeindruckt. Von seiner Stimme, seiner Aura, seinen Worten. Nun ruft er wieder: „Sie müssen auf den Punkt kommen! Ich will nicht wissen, was Sie alles können, ich will wissen, was Sie am besten können!“ Ja, ja. Ist ja gut, will man zurück rufen. Ich habe es ja verstanden! Meine Energiereserven fahren hoch, Kraft mit leichter Wut beginnt in mir zu kribbeln. Er spricht einen Mann vor sich im Publikum direkt an. Laut und wütend ruft er ihm zu: „Warum bist du noch kein Weltmeister. Hm? Du könntest schon längst einer sein!“ Dann lehnt er sich auf seinem Sessel auf der Bühne wieder zurück und erzählt, dass er nicht versteht, dass die Menschen in der Krise Romane zu Hause haben und keine Erfolgsliteratur lesen. Beim Erfolgreichen würden 3-4 Meter Erfolgsliteratur im Regal stehen.

 

Das letzte Thema des Late Night Seminars ist die Rhetorik. „Erfolgreiches Leben ist die Fähigkeit, erfolgreich zu sprechen.“ Seine Beispiele sind Schwarzenegger, Joschka Fischer, Obama und Helmut Schmidt. Alles läuft übers Sprechen. Die besten Ideen nützen nichts im Stillen. Wer als Alleinkämpfer erfolgreich werden will, kommt 500 Jahre zu spät. Man müsste mit seiner Stimme die Menschen mitnehmen können. Und unseren Kindern sollen wir empfehlen, Klassensprecher zu werden. Redner werden gemacht, weiß Enkelmann und bittet uns, unsere rhetorischen Vorbilder aufzuschreiben. „Wer sprechen kann, wird vorgeschickt.“ Es gäbe wenig Unternehmer, die wirkliche Leader sind. „Ich bin ein einflussreicher Mensch, wenn ich andere führen kann.“ Der Mensch, der seine Stimme verändert, verändert die Struktur seiner Persönlichkeit. Je tiefer die Stimme, desto mehr dringt sie ins Unterbewusstsein ein. „Je mehr Kraft Sie ihrer Stimme geben, desto mehr Kraft kommt in Ihr Leben!“, sagt Nikolaus B. Enkelmann eindringlich und schließt sein letztes Late Night Seminar mit den Worten: „Die Welt braucht erfolgreiche Menschen! Die Welt braucht Sie!“ Applaus, Ovationen und wir gehen mit einer ruhigen Gewissheit, Zuversicht und neuer Kraft nach Hause. Er ist ein Meister seines Fachs. Er weiß, wovon er spricht. Und seine suggestiven Worte und Sätze klingen noch lange bei passenden Gelegenheiten im Alltag immer wieder in unserem Ohr.